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Unten Plastik, oben auch

Eine dunkelblaue Karte liegt in meinem Briefkasten. Mit silberner Schrift werde ich darauf auf eine Tupperparty geladen. Zum ersten Mal wird mir die Ehre zuteil, Gast bei einer Nachbarin zu sein, die mir für den besagten Abend handschriftlich „Spaß, Essen und Trinken“ verspricht.

Andrea Rickert, wissen.de

Der Quick-Chef von Tupperware
Andrea Rickert
Am 28. Juli 1907 wird Earl Silas Tupper in Amerika geboren. 


Etwas bestürzt nehme ich zur Kenntnis, dass ich wohl jetzt die „Hausfrauenliga“ erreicht habe. Bereits meine Mutter nahm mal an einer Tupperparty teil. Tupper, Avon, Kochtöpfe und Co werden schon seit Jahrzehnten im so genannten Partyshopping an die Frau gebracht.

 

Naja, irgendwie bin ich neugierig, wer kommt, was gibt es und einen neuen Eiswürfler brauche ich ja auch, gibt’s bestimmt von Tupper. Ich bestätige mein Kommen telefonisch und die Gastgeberin flötet „Freue mich auf dich“.

Earl Silas Tupper lernte bei seinem Arbeitgeber - ein Chemiekonzern - den Kunststoff Polyethylen kennen und sein Erfindergeist kam in Gang.

 

Eine halbe Stunde zu spät platze ich in die Wohnzimmerveranstaltung hinein. Meine Gastgeberin begrüßt mich sehr beschwingt,  bietet mir gleich ein Glas Rotwein an und weist mir einen Stuhl zu. Auf der langen Couch ist kein Platz mehr, da sitzen bereits – upps - fünf meiner Nachbarinnen, trinken Wein und Wasser und knabbern kleine warme Pizzasnacks und salziges Gebäck, während sie ihre Aufmerksamkeit gespannt nach vorne richten. Auch die fünf Stühle neben mir sind besetzt.

 

Die Hauptdarstellerin, eine etwa 90 Kilogramm schwere Frau mittleren Alters, lässt sich durch mein Ankommen nicht aus der Ruhe bringen. Sie stellt gerade das „CombiPlus-Zubereitungs-Set“ im tiefsten bayerisch vor, drückt mir gleichzeitig mein Gastgeschenk „Grünschnabel“- eine apfelgrüne Getränkekanne -, den Katalog, die Bestellliste mitsamt einer Schreibunterlage und Kugelschreiber in die Hand.

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