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Weihnachten in Zeiten der Pandemie – was ist anders, was nicht?

Keine Weihnachtsmärkte, Kontaktbeschränkungen in der Adventszeit und ein Verbot für gemeinsames Weihnachtssingen: Bereits jetzt scheint die diesjährige Vorweihnachtszeit ganz anders als üblich zu werden. Was ist den Deutschen im Corona-Jahr zu Weihnachten dennoch besonders wichtig? Wie besorgen die meisten ihre Geschenke? Und wie spendabel sind wir dieses Jahr? Antworten auf diese Fragen gibt nun eine bundesweite Weihnachtsumfrage.

Symbolbild Online-Einkäufe zu Coronazeiten
Computerscreen statt Schaufenster: Zumindest der Online-Handel erwartet ein gutes Weihnachtsgeschäft.

Um das Einkaufsverhalten der Deutschen für Weihnachten zu untersuchen, erhebt ein Forscherteam um Oliver Gansser von der Hochschule für Ökonomie und Management (FOM) seit 2011 jährlich eine bundesweite Umfrage. Neben den Ausgaben für Geschenke wird zum Beispiel auch analysiert, wo nach Geschenkideen gesucht und wo die Geschenke gekauft werden. Außerdem leiten die Forscher Motive für das Kaufverhalten ab. Dieses Jahr interessierte sie dabei besonders der Einfluss der Corona-Krise. Dafür befragte Gassners Team von Mitte September bis Ende Oktober über 46.000 Personen in Deutschland im Alter ab zwölf Jahren.

Gesundheit und gemeinsame Zeit an erster Stelle

Das Ergebnis: Für die meisten Menschen hierzulande steht dieses Jahr unter anderem die Gesundheit an erster Stelle ihrer Prioritäten. Insgesamt 91 Prozent der Befragten gaben an, dass ihnen die Gesundheit der Familie wichtiger sei als teure Geschenke. Dennoch wollen nur 25 Prozent der Umfrageteilnehmer zum Schutz der Gesundheit auf Familienbesuche an den Feiertagen verzichten.

Denn auch auf die gemeinsame Zeit mit Freunden und Familie legt die große Mehrheit der Menschen, mit knapp 90 Prozent der Befragten, in diesem Jahr besonders viel Wert – auch mehr als auf großzügige Weihnachtspräsente. Angesichts der auch an Weihnachten geltenden Beschränkungen für die Zahl der Kontakte könnte es damit für viele schwierig werden, den Regeln zu folgen.

Besonders dieses Jahr sehr spendabel

Obwohl das Beisammensein dieses Jahr vielen besonders wichtig ist, kommen die Geschenke trotzdem nicht zu kurz – ganz im Gegenteil: Zum diesjährigen Fest planen die Deutschen im Durchschnitt gut 500 Euro für Geschenke auszugeben.. Zum Vergleich: 2019 beliefen sich die Ausgaben auf durchschnittlich 475 Euro, 2014 waren es etwa 450 Euro und 2011 nur knapp 340 Euro. Gerade Rentner ab einem Alter von 60 Jahren erweisen sich dabei als sehr spendabel.

„Eine Erklärung für die diesjährige Schenkfreude ist sicher, dass die Menschen in Deutschland mit teureren Geschenken ihre Wertschätzung gegenüber den Beschenkten zeigen möchten, weil persönliche Kontakte in den Wochen und Monaten zuvor reduziert werden mussten“, vermutet Gansser. Außerdem gaben immerhin knapp 15 Prozent der Befragten an, dass sie 2020 mehr Geld zur Verfügung haben, da sie dieses Jahr durch die Pandemie weniger für Reisen und zum Beispiel für Theaterbesuche und Konzerte ausgegeben haben. Allerdings dürfte die finanzielle Situation bei vielen Soloselbständigen und Künstlern in diesem Jahr weniger rosig aussehen.

Symbolbild Corona-Weihnachten
Die Corona-Pandemie schlägt sich in den geplanten Ausgaben nicht nieder. Geld, das in anderen Jahren für Events oder Reisen ausgegeben wurde, kommt einfach anderen Geschenkideen zugute.

Am liebsten Zeit verschenken

Und was kaufen wir mit dem Geld? Drei von vier Befragten planen, gemeinsame Zeit zu verschenken - allen voran die junge Generation der Zwölf- bis 23-Jährigen mit fast 80 Prozent. Bei den materiellen Geschenken stehen für jeden Zweiten zwar weiterhin Gutscheine hoch im Kurs, gleichzeitig gaben aber 60 Prozent der Teilnehmer an, aufgrund der ungewissen Aussichten weniger Geldgeschenke für Reisen als gewöhnlich zu verschenken.

Grundsätzlich bleiben die beliebtesten Geschenkideen im Vergleich zu den Vorjahren aber ähnlich: Besonders populär sind nach wie vor Kosmetik und Körperpflegeprodukte, aber auch Spielwaren, Bücher und Schreibwaren sowie Uhren und Schmuck wollen über 40 Prozent der Befragten verschenken. Weit abgeschlagen finden sich eher traditionelle Konsumgüter wie Heimtextilien und Lederwaren mit jeweils nur 14 Prozent.

Internet beliebter als Einkaufszentrum

Erstmals seit 2011 nannten mehr als 60 Prozent der Deutschen das Internet als wichtigste Einkaufsmöglichkeit – noch vor dem Einkaufszentrum in der Stadt. Laut der Experten hat das einen einfachen Grund: Wirklich sicher fühlt sich die Mehrheit mit rund 68 Prozent beim diesjährigen Weihnachtseinkauf trotz der Hygiene-Auflagen nämlich nicht. Nur rund jeder Dritte sieht den Geschenkeinkauf in den Geschäften als unbedenklich an.

Dadurch wechseln viele zu den Angeboten im Internet. Für die meisten sind dabei die Menschenansammlungen in den Einkaufshäusern ein Grund, jetzt häufiger als vor der Krise im Internet zu bestellen. Außerdem befürworteten einige die sichere Bezahlung, ein Drittel der Befragten lobt die größere Auswahl und weiteren 30 Prozent gefällt die einfache Handhabung sowie die schnelle Lieferung.

Die Unterstützung des Einzelhandels vor Ort ist den Menschen dieses Jahr nur bedingt wichtig: Lediglich 34 Prozent der Befragten haben vor, Geschenke in der Umgebung zu kaufen, um den Einzelhändlern zu helfen. Bei den Zwölf- bis 23-Jährigen sind es sogar nur 19 Prozent.

Weitere Umfrage nach Weihnachten geplant

Um zu prüfen, ob die Angaben der Befragten auch umgesetzt wurden, führen die Wissenschaftler jedes Jahr Nachbefragungen unmittelbar nach Weihnachten durch. Denn die Umfrage hat auch gezeigt, dass der Großteil der Menschen auch dieses Jahr frühestens ab dem ersten Dezember mit dem Geschenkekauf beginnt. Also wird sich erst Ende des Jahres zeigen, ob der Einfluss der Pandemie auf das diesjährige Weihnachten tatsächlich so ausgefallen ist wie bisher angenommen.

ABO, 04.12.2020
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