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Welche Folgen hat digitaler Stress?

Digital und online zu arbeiten ist für die meisten Menschen heute völlig normal. Gleichzeitig geht damit jedoch ein großes Stresspotenzial einher, wie eine Studie enthüllt. Ob die ständige Erreichbarkeit, Informationsüberflutung oder das Gefühl, gläsern zu sein: Viele Menschen fühlen sich durch die digitale Arbeitsweise belastet oder sogar sehr stark gestresst. Das bleibt nicht ohne Folgen – sowohl für die Gesundheit der Erwerbstätigen als auch für ihren Arbeitgeber.

Gestresster Mann vom Computer
Viele Menschen fühlen sich durch die digitale Arbeitsweise belastet oder sogar sehr stark gestresst.
Ein Großteil unseres Lebens spielt sich inzwischen in der digitalen Welt ab – auch im Beruf. Dies gilt nicht nur für hochtechnisierte Branchen, in denen vernetzte Maschinen, künstliche Intelligenzen und Co zunehmend zum Alltag gehören. Selbst im normalen Bürojob läuft heute nichts mehr analog. Digital und online zu arbeiten ist für die meisten Arbeitnehmer ganz normal.

Doch welche Folgen hat das? Der Einfluss digitaler Technologien und Medien auf das seelische Wohlbefinden wird von Öffentlichkeit und Wissenschaft immer wieder diskutiert. Für das vom Bund geförderte Projekt "PräDiTec" (Prävention für sicheres und gesundes Arbeiten mit digitalen Technologien) haben Forscher nun 5.000 Erwerbstätige zu diesem Thema befragt. Sie wollten wissen: Was sind die Auslöser für digitalen Stress und wie sehr belastet er die Arbeitnehmer in Deutschland?

Genervte Frau mit Smartphone
Die Arbeit ruft: Dank Mobilfunk sind wir - fast - immer und überall erreichbar.
Wie digitale Technologien belasten

Bei den Auswertungen zeichneten sich insgesamt zwölf wesentliche Belastungsfaktoren ab. Dazu gehört zum Beispiel das vor allem durch Smartphones und Emailverkehr ausgelöste Gefühl, ständig erreichbar sein und auf Anfragen schnell reagieren zu müssen. Viele der Befragten beschrieben zudem ein Gefühl der Informationsüberflutung: Sie meinen, aufgrund der höheren Menge an bereitgestellten Informationen mehr und zügiger arbeiten zu müssen.

Als belastend werden den Ergebnissen zufolge auch Unterbrechung und Ablenkung durch digitale Medien empfunden. Außerdem gaben viele Befragte an, sich mittlerweile als "gläserne Person" zu fühlen. Sie sehen demnach ihre Privatsphäre durch die berufliche Nutzung digitaler Mittel in Gefahr. Auch die mögliche Leistungsüberwachung spielt in diesem Zusammenhang offenbar eine große Rolle, wie die Wissenschaftler berichten.

Junge Frau bei Arbeit am Laptop in einem Bahnabteil
Das Büro ist dort, wo man seinen Laptop aufstellen kann.
Schlecht für Gesundheit und Arbeitgeber

Bemerkenswert ist: Jeder dritte Befragte ist im Arbeitsalltag mindestens einem der identifizierten Belastungsfaktoren ausgesetzt – und fast jeder fünfte nimmt dadurch nach eigenen Angaben sehr starken Stress wahr. Diese Art der Belastung kann auf Dauer der Gesundheit schaden. So ist bekannt, dass chronischer Stress Gereiztheit, Erschöpfung, psychische Probleme und sogar Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems fördert.

"Doch auch für den Arbeitgeber bleibt das nicht ohne Folgen", warnt Mitautor Thorsten Kühlmann von der Universität Bayreuth. So offenbarte die Befragung: "Erwerbstätige mit starkem digitalem Stress berichten häufiger, dass sie Probleme haben, von der Arbeit abzuschalten. Sie denken öfter daran, die Arbeitsstelle oder den Beruf zu wechseln und zeigen eine schlechtere Leistung. Sie sind außerdem unzufriedener mit ihrer Arbeitsstelle", berichtet Kühlmann.

Was also tun? "Die schnell voranschreitende Durchdringung des Arbeitslebens mit digitalen Technologien und Medien bringt viele Chancen, aber auch substanzielle Risiken mit sich", betont Nils Urbach vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik. "Organisationale und soziale Faktoren können digitalem Stress am Arbeitsplatz entgegenwirken. Dazu gehört beispielsweise ein erweiterter Handlungsspielraum hinsichtlich arbeitsrelevanter Entscheidungen sowie eine gute Beziehung zu Vorgesetzten."

Universität Bayreuth / Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT / DAL, 16.09.2019
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