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Hirse: Nicht nur für Brei

Wo ist Hirse ein Grundnahrungsmittel?

In Asien und Afrika. So ist z. B. die Zwerghirse oder Teff (Eragrostis tef) das wichtigste Getreide in Nordäthiopien. Die Foniohirse (Digitaria exilis), die auch wenig schmeichelhaft »Hungerreis« genannt wird, ist in Westafrika Grundnahrungsmittel für mehr als eine Million Menschen. Fingerhirse (Eleusine coracan) und Perl- oder Rohrkolbenhirse (Pennisetum americanum) sind in Zentralafrika verbreitet, Letztere wird darüber hinaus auch in Arabien und Indien angebaut. Die Kutkihirse (Panicum sumatrense) und die Sawahirse (Echinochloa frumentacea) sind ebenfalls in Indien sowie in Sri Lanka beheimatet.

Alle diese Hirsearten sind äußerst anspruchslos, was ihren Standort betrifft. Sie nehmen mit den ärmsten Böden vorlieb, sie vertragen Trockenheit und Dürre, einige sind sogar tolerant gegenüber Salzböden. Damit sind die Hirsen als Korn- und Mehllieferanten wie geschaffen für niederschlagsarme Regionen in den Tropen und Subtropen. Und bezüglich der Inhaltsstoffe brauchen sie den Vergleich mit den anderen Getreidearten nicht zu scheuen.

Gedeiht Hirse auch in Europa?

Ja. Die Rispenhirse (Panicum miliaceum) beispielsweise gehört zu den wenigen landwirtschaftlich genutzten Hirsearten, denen es in Mitteleuropa nicht zu kalt ist. Sie wird bis 1,20 Meter hoch, ihre Ährchen sind einblütig und in lockeren (Flatterhirse) oder kompakten (Klumphirse) Rispen angeordnet. Hüll- und Deckspelzen bilden Scheinfrüchte, welche die dicken, runden Körner umschließen. Die Rispenhirse blüht in der Zeit von Juni bis September. Sie ist vermutlich die Hirse aus dem bekannten Märchen der Brüder Grimm »Vom süßen Brei« und wird heute noch in Russland, in Zentralasien bis nach Nordchina sowie auch im Mittelmeerraum kultiviert.

Von der Oberlausitz über Böhmen, die Steiermark und Kärnten bis nach Slowenien reichte einmal das Verbreitungsgebiet der Blutroten Fingerhirse ( ); heute wird sie noch in den USA als Viehfutter angebaut. Die Kolbenhirse (Setaria italica) ist in den Ländern südlich der Donau zu Hause. Sie dient mittlerweile vor allem als Grün- und Vogelfutter; die Anbaugebiete erstrecken sich von Südeuropa bis Japan.

Welche Hirse ist wirtschaftlich am bedeutendsten?

Die Mohrenhirse (Sorghum bicolor oder Sorghum vulgare). Botanisch gehört Sorghum zu den Bartgräsern, wie z. B. Mais und Zuckerrohr. Von Sorghum wird weltweit eine doppelt so große Menge geerntet wie von allen anderen Hirsen zusammen. Die wichtigsten Anbaugebiete sind Afrika, Indien und China, aber auch der Süden der USA. Dort wird Sorghum unter dem Namen »Milocorn« vor allem als Körnerfutter angebaut. Die südafrikanische Variante des Sorghums heißt Kafir oder Kaffernkorn, in Ostafrika und Indien wächst Durrah, in China Kaoliang – alle drei können als Getreide für die menschliche Ernährung genutzt werden.

Doch Mohrenhirse kann auch noch anderweitig genutzt werden: Die verholzten Stängel des Kaoliang werden in China auch als Brenn- und Baumaterial verwendet. Aus den Rispen einer weiteren, in Indien und Burma beheimateten Unterart stellt man Besen her, aus den Stängeln Zuckersirup und Pombe, ein traditionelles Hirsebier. Hier klingt die Verwandtschaft zum Zuckerrohr an, während die Wuchsform der Mohrenhirse eher an Mais erinnert. Sorghum-Halme können übrigens mehrere Meter hoch werden.

Weshalb ist Hirse ein wertvolles Lebensmittel?

Weil sie viele Mineralstoffe und insbesondere viel Kieselsäure enthält. Dank des hohen Kieselsäuregehalts soll Hirse das gesamte menschliche Stützgewebe stärken, also Knochen, Knorpel, Bindegewebe, und auch die Haut, Schleimhäute und Zellgewebe elastisch halten und widerstandsfähig machen. Außerdem ist Hirse reich an Vitaminen – vor allem aus der B-Gruppe –, Fetten und Eiweißen. Die Nährstoffe sind dabei im ganzen Korn enthalten und konzentrieren sich nicht nur auf die äußeren Schichten, so dass sie auch nach dem Schälen erhalten bleiben. Hinzu kommt, dass Hirse frei von Klebereiweiß (Gluten) ist und damit auch von Menschen gegessen werden kann, die auf Gluten allergisch reagieren.

Welche »Hirse« liefert Zucker?

Das mit der Mohrenhirse verwandte Zuckerrohr (Saccharum officinarum). Die Halme des Zuckerrohrs können bis zu sieben Meter hoch und seine Blätter ein bis zwei Meter lang werden. Der Blütenstand ist eine locker aufgebaute Rispe. Der begehrte Süßstoff wird in das Mark der bis zu fünf Zentimeter dicken Stängel eingelagert. Die ersten Berichte über die Zuckergewinnung stammen aus Indien, von dort verbreiteten sich Rohstoff und Methode nach Ost und West. Die Araber brachten das Zuckerrohr in den Mittelmeerraum, Spanier und Portugiesen legten Kulturen in der Neuen Welt an und die Holländer errichteten Plantagen in Südostasien. Heute wird Zuckerrohr überall in den Tropen angebaut.

Wussten Sie, dass …

früher auch hierzulande Hirse ein wichtiges Nahrungsmittel war? Bis die Kartoffel ihren herausragenden Platz in deutschen Küchen erobert hatte, stand auch bei Wohlhabenden täglich Hirsebrei auf dem Speisezettel.

Hirse auch eine Zierpflanze ist? Das attraktive Lampenputzergras (Pennisetum alopecuroides) ist eine von mehreren Arten der Borstenhirse, die inzwischen den Weg in die Ziergärten gefunden haben.

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