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Faszination Hochzeit

"Die Ehe ist ein Auslaufmodell“, das ist ein Spruch, der immer häufiger zu hören ist und insbesondere von der jüngeren Generation ausgeht. Sie passt angeblich nicht zur heutigen Moderne, zum individuellen Lebensstil und behindert die Selbstverwirklichung. Zählt heutzutage also nicht vielmehr eine Verbindung auf Zeit, aus der sich die Betroffenen ganz nach Belieben jederzeit ausklinken können? Denn schließlich hat der Heiratsvertrag auch schon bessere Zeiten gesehen, Frauen sind längst in der Lage sich selbst zu versorgen und wer lediglich auf der Suche nach körperlicher Leidenschaft ist, der braucht dafür keineswegs mehr eine rechtliche Grundlage – Liebe und Ehe sind demnach also nicht mehr unbedingt zwingend miteinander verbunden.
 
Faszination Hochzeit
 
Die Ehe ist nach wie vor beliebt
Tatsächlich zeigt sich jedoch immer wieder, dass die Ehe keineswegs zum alten Eisen gehört, sondern sogar beliebter denn je ist. Auch ein Blick auf die Statistiken bestätigt diesen Trend, so gab es allein im Jahr 2000 knapp 9,9 Millionen Ehepaare mit Kindern in Deutschland, während es laut des Statistischen Bundesamts lediglich 600.000 nicht verheiratete Paare mit Kindern gab. Zwar hat sich diese Statistik mittlerweile durchaus stark verändert, wie ein Blick auf folgende Pressemitteilung zeigt, dennoch dominieren auch 2013 nach wie vor die Ehepaare. Dabei waren die Gründe einer Heirat vor einigen Jahrzehnten nur selten emotional oder religiös begründet, vielmehr ging es auch um rechtliche Motive. Aber stehen Ehepaare rechtlich wirklich besser da und werden sie beispielsweise im Fall der Fälle besser abgesichert? Dem ist in gewisser Weise tatsächlich so, dieser Punkt soll im späteren Verlauf jedoch noch genauer erläutert werden.
 
Die moderne Hochzeit verfolgt andere Ideale
Faszination Hochzeit

pixabay.com kgorz (CC0 1.0)

Heutzutage ist die Hochzeit zwar so beliebt wie nie, dennoch unterscheidet sie sich in vielen Bereichen stark von alteingesessenen Traditionen und Bräuchen. Denn während die Ehe früher vor allem ein Vertrag zwischen zwei Familien, eine Zusammenführung von Besitzverhältnissen sowie eine Sicherung des Erbes bedeutete und darüber hinaus Name und Stammbaum erhalten werden konnten, so handelt es sich beim heutigen Eheversprechen um eine sehr viel intimere und individuellere Sache – es geht also keineswegs mehr darum, die Familie zu versorgen oder nur den Wünschen der Eltern zu entsprechen. Wichtig sind heutzutage vor allem Kreativität und Authentizität, ein Antrag soll möglichst originell sein und idealerweise auch noch wiederspiegeln, wie nah sich die Liebenden sind und was sie füreinander empfinden. Das ist heutzutage übrigens gar nicht mehr so leicht, denn immerhin zeigt ein einziger Blick ins Internet die verrücktesten Hochzeits- und Heiratsideen. Auffallen um jeden Preis ist allerdings auch gar nicht unbedingt das Ziel eines Antrags, vielmehr sollte er darauf abzielen, schlicht und ergreifend zu passen. Nicht immer sind dazu zwangsläufig rote Rosen oder ein Auftritt im Fernsehen notwendig, zumal nicht jeder in einem so wichtigen Moment vor der Kamera stehen möchte oder vielleicht auch gar keine sonderlich romantische Ader hat. 
 
Hochzeiten sind zudem auch ein gewisses soziales Statement. Die perfekte Trauung und Feier danach sind etwas, auf das viele junge Leute heutzutage jahrelang sparen und das Bedürfnis nach regelrechten Luxushochzeiten scheint stetig zu steigen. Oftmals steht dabei das Motto „Traumhochzeit“ im Fokus, das sich die Heiratswilligen auch gern einiges kosten lassen – denn während die durchschnittliche Hochzeit in Deutschland etwa 6.000 Euro kostet, so sind die Kosten nach oben hin wie so oft offen. Und Möglichkeiten zum Geldausgeben gibt es schließlich mehr als genug. Da wären beispielsweise:
 
  • Florist
  • Frisör
  • Konditor
  • Dekorateur
  • Fotograf
  • Kleinunterhalter
 
Faszination Hochzeit
 
Kein Wunder also, dass sich eine ganze Industrie rund um die Heirat gebildet hat, Hochzeitsmessen derzeit absolut im Trend liegen und selbst das Fernsehen ganze Sendungen zum Thema Hochzeit bereithält. So professionell das Thema mittlerweile aber auch angegangen wird, nicht immer müssen es Fachkräfte oder riesige Budgets sein, die die Hochzeit zum Erfolg machen. Stattdessen sind es häufig auch nützliche Checkliste oder Online-Ratgeber und nicht zuletzt der Einsatz von Freunden und Familie, die für ein wenig Entlastung sorgen und das Brautpaar bei den Vorbereitungen unterstützen. Ganz klarer Vorteil: das Budget bleibt auf diesem Wege sichtlich im Rahmen und die Brautleute sorgen so ganz nebenbei dafür, dass sie ihrer Hochzeit eine möglichst individuelle und eigene Note verleihen. Entsprechende Ratgeber gibt es übrigens auf etlichen Seiten komplett kostenfrei, wobei einige Varianten hier sicherlich eher zu empfehlen sind als andere – ein sehr umfangreiches Exemplar, das darüber hinaus auch Ratschläge von Profis bereithält und nahezu jeden wichtigen Aspekt einer Hochzeit ausführlich beleuchtet, ist beispielsweise das neue E-Book von OTTO, welches immerhin 42 Seiten stark ist und direkt zum Download bereitsteht. Ob Dekoration, Hochzeitslocation, Konzept oder die passenden Aktivitäten auf der Feier, mit einer guten Planung lassen sich diese und weitere Punkte sehr viel einfacher umsetzen.
 
Ist die Hochzeit eigentlich noch rechtlich relevant?
Dass das Heiraten keineswegs ausgestorben ist und noch immer gerne zelebriert wird, ist also hinreichend belegt, doch was bringt der traditionelle Brauch eigentlich sonst noch an Vorteilen? Können die Ehepartner im Nachhinein wirklich Steuern sparen, versicherungstechnisch profitieren oder sonstige Vorteile für sich nutzen? 
 
  • Steuervorteile
    Verheiratete können dadurch profitieren, dass sie zwischen verschiedenen Steuerklassen wählen können. So wird es ihnen ermöglicht, die Steuerlast auf beide zu verteilen. In Deutschland steigt der Steuersatz außerdem mit höherem Einkommen, weshalb es sich für den Ehepartner mit dem größeren Gehalt lohnt, die Einkommensteuerklasse des Partners zu wählen. Zwar erhält der Partner mit dem geringeren Verdienst dann die teurere Steuerklasse fünf, dennoch lässt sich insgesamt aber einiges sparen. Dieser Vorteil lässt sich allerdings nur dann wirklich ausspielen, wenn der Einkommensunterschied zwischen den Eheleuten relativ groß ist, denn ansonsten ist die Steuerersparnis nicht wirklich und der Steuervorteil der Ehe ist im Grunde kaum erwähnenswert. 

    „Wenn beide Ehegatten arbeiten und gleich viel verdienen, gibt es nahezu keinen Unterschied zwischen der Steuerklasse eins, die für Unverheiratete gilt, und den Steuerklassen vier und vier, wenn man verheiratet ist.“ Andrea Formherz, Fachanwältin für Familienrecht in der Sozietät Cavada Lüth & Partner
     
  • Elterngeld
    Auch beim Bezug von Elterngeld haben verheiratete Paare einen kleinen Vorteil, denn da sich das Elterngeld nach dem letzten Nettomonatseinkommen des Antragsstellers richtet, kann es sich lohnen, die Steuerklasse zu wechseln. Ein Wechsel von Klasse vier oder fünf zu drei kann so beispielsweise dafür sorgen, dass sich das Nettoeinkommen schnell um ein paar hundert Euro erhöht, sodass auch das Elterngeld ansteigt
     
  • Versicherungen
    Normalerweise ist es Versicherungen egal, ob die Versicherten über einen Trauschein verfügen oder nicht. Eine Ausnahme machen jedoch die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung. Denn ist der Ehepartner nicht oder nur gering berufstätig, so kann er kostenfrei mitversichert werden. Auch bei der gesetzlichen Rente ergeben sich Vorteile, beispielsweise durch die Witwen- oder Witwerrente nach dem Tod des Ehepartners – war das Paar hingegen nicht verheiratet, so geht der Partner leer aus.
 

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