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Hausaufgaben: Wie oft und wie lange ist bei Schulkindern sinnvoll?

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen: Hausaufgaben bringen Kinder und ihre Eltern regelmäßig zur Verzweiflung, aber auch in der Schulpolitik werden sie hitzig diskutiert: Soll man sie abschaffen, wie viele Hausaufgaben sind angebracht und sollen Eltern ihren Kindern helfen? Nun zeigt sich auch bei den Hausaufgaben: Qualität statt Quantität bringt den Lernerfolg.
MAH

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen: Hausaufgaben.

Jupiterimages / thinkstock

Kinder kommen mittags oder schon am späten Nachmittag aus der Schule. Nun wäre es eigentlich schön zu spielen, aber was oft als erstes folgt sind Hausaufgaben - egal wie schön die Sonne scheint. Dabei sitzen die Kinder oft am Schreibtisch, bis es schon wieder Abend wird. In der dritten Klasse können, dürfen oder sollen die Grundschüler bis zu einer Stunde an Hausaufgaben am Tag aufbekommen. Ab der siebten Klasse müssen Kinder oft schon die doppelte Zeit investieren. Aber wie viel Hausaufgaben machen Sinn? Und wie sollten die Kinder ihre Hausaufgaben bestenfalls machen – alleine oder mit den Eltern?

Schüler beantworten Fragen zum Thema Hausaufgaben

Der Frage widmeten sich nun Forscher der University of Oviedo in Nordspanien und nahmen die Hausaufgabenbearbeitung in den Fächern Mathe und Naturwissenschaften von tausenden Schülern jeglicher Schulform ins Visier. Im Durchschnitt waren die Kinder im Alter von knapp vierzehn Jahren, das würde in Deutschland etwa der achten Klasse entsprechen – und das hieße hierzulande bis zu zwei Stunden Hausaufgaben am Tag. 

Die spanischen Schülerinnen und Schüler sollten für die Studie Fragebögen ausfüllen, wie häufig und wie lange sie an Hausaufgaben sitzen. Außerdem wurden sie gefragt, ob sie ihre Aufgaben alleine erledigten oder nach Hilfe fragten – und wenn ja, wie oft. Um die schulischen Leistung der Kinder zu beurteilen, entwickelten die Forscher einen standardisierten Test, der auch Unterschiede wie Geschlecht oder dem sozialen Stand mitberücksichtige.

Besser oft als besonders lang

Die Ausarbeitung des Fragebogens ergab, dass die Kinder durchschnittlich siebzig Minuten am Tag mit all ihren Hausaufgaben beschäftigt sind und etwa die Hälfte der Kinder gab an, dass sie jeden Tag Hausaufgaben machen würden. Die Forscher fanden dabei heraus, dass für den Schulerfolg das „wie oft“ eine wichtigere Rolle spielt als das „wie lange“: Die Schüler, die regelmäßig Hausaufgaben machen mussten, erzielten durchschnittlich deutlich bessere Testergebnisse.

Aber auch wie lange Schüler insgesamt an ihren Hausaufgaben sitzen, wirkte sich auf die Testergebnisse aus: Zunächst stieg der Erfolg im Test proportional mit der investierten Zeit an. Aber ab einer Bearbeitungszeit von etwa siebzig Minuten konnten die Forscher erkennen, dass die mehr aufgebrachte Zeit sich nicht mehr so bezahlt machte, wie die vorherigen Minuten. Ab einer Dauer von 90 bis 100 Minuten stagnierte der Lernzuwachs gar.

Ab 70 Minuten Lernen stimmte das Kosten-Nutzen-Prinzip demnach einfach nicht mehr: „Dieser kleine Zuwachs verlangt zwei Stunden mehr Arbeit pro Woche, was eine große Zeitinvestition für so einen kleine Zunahme ist“, sagt Suarez-Alvarez. „Aus diesem Grund scheint es nicht sonderlich effizient mehr als 70 Minuten Hausaufgaben am Tag aufzugeben.“ Daher empfehlen die Experten, dass eine Stunde am Tag eine vernünftige und effektive Länge ist.

Eltern sollten sich zurückhalten

Wichtig für ein gutes Testergebnis, war nicht nur, wie häufig Schüler sich mit ihren Hausaufgaben beschäftigten, sondern auch ob sie diese alleine erledigten oder sich Hilfe suchten. Die Mehrzahl der Schüler gab an, dass sie manchmal Unterstützung suchten. Jjedes dritte Kind macht seine Hausaufgaben aber in der Regel allein.

Dabei machte sich das selbstständige Bearbeiten bei den Testergebnissen positiv bemerkbar. Verglichen die Forscher die Testergebnisse der Schüler, die Hilfe brauchten, mit denen, die selbstständig arbeiteten, dann schnitten die eigenständigen Schüler auch dann noch besser ab, wenn sie ihre Hausaufgaben nur gelegentlich machten.

„Unsere Daten zeigen, dass es nicht nötig ist, eine große Menge an Hausaufgaben aufzugeben“, sagt Studienleiter Suarez-Alvarez. „Aber es ist wichtig, dass Aufgaben systematisch und regulär erfolgen, mit dem Ziel Arbeitsweisen zu vermitteln und selbstständiges und selbstgesteuertes Lernen zu fördern.“

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