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Jacques Piccard und seine “Trieste“ – 11.000 Meter unter dem Meer

Am 26. August 1953 verlässt ein bis heute einzigartiges U-Boot seine Werft: Es ist der Stapellauf des Tauchboots “Trieste“. Als sich der Abenteurer Jacques Piccard und der Marineoffizier Don Walsh knapp sieben Jahre später in die enge Kapsel der Trieste zwängen, begeben sie sich auf einen Tauchgang der Superlative: Knapp 11.000 Meter tief sinken sie mit ihrem Bathyscaphen unter den Meeresspiegel. Eine größere Tiefe hat niemand zuvor erreicht – und auch seither nur ein einziger Mensch.
KEL

U.S. Navy Bathyscaphe Trieste
U.S. Naval Historical Center

Es ist stürmisch, als die Crew des Hochseeschleppers “Wandank“ mit dem Tauchboot Trieste im Schlepptau am Morgen des 23. Januar 1960 das Challenger-Tief“ erreicht, die tiefste Stelle des Marianengrabens im Westpazifik. Meterhoch schlagen die Wellen, doch Jacques Piccard und Don Walsh sind fest entschlossen: Sie wollen in dem eigens dafür konstruierten Tauchboot Trieste zum Meeresgrund herabsinken. Langsam lassen Piccard und Walsh Wasser in die Ballasttanks einströmen. Die Trieste beginnt zu sinken.

In der Kapsel
Steve Nicklas, NOS, NGS

Der Tauchgang in den Tiefseegraben

Anfangs ist es noch eng und heiß in der Kapsel, doch dann wird es immer kälter. Immer tiefer sinkt die Trieste und nach rund viereinhalb Stunden befinden sich Piccard und Walsh 10.910 Meter unter der Meeresoberfläche - Weltrekord. Durch die Scheinwerfer erhellt blicken die Männer in die dunkle, fremde Welt der Tiefsee hinaus. Sie sehen sogar einen Plattfisch – eine wissenschaftliche Sensation. Allerdings eine nicht dokumentierte, denn Kameras haben die Beiden nicht mit an Bord genommen.

Heute, gut 50 Jahre später, ist ein solcher Trip in die Tiefsee dank der modernen Technik längst ein Kinderspiel und völlig gefahrlos – sollte man zumindest meinen. Doch Piccard und Walsh sind bis heute die einzigen Menschen geblieben, die jemals in die undurchdringliche Dunkelheit in knapp elftausend Meter Tiefe vorgedrungen sind. Außer der Trieste ist bis heute kein bemanntes U-Boot mehr konstruiert worden, dass dem enormen Druck in dieser Tiefe standhalten könnte. Denn sagenhafte 1.100 Bar Druck lasten am Meeresboden auf der Trieste – das ist als ob Hunderte von Elefanten auf einem unserer Zehen stehen.

Stahlwände und Benzin als Auftriebshilfe

Was aber macht den Bathyscaphen Trieste so stabil? Konstruiert hatte ihn Jacques Piccard gemeinsam mit seinem Vater, Auguste. Das Tauchboot bestand aus einem zigarrenförmigen Rumpf, der die Auftriebstanks beinhaltete, darunter hing die Druckkapsel, in der die beiden Taucher saßen. Die Druckkapsel war durch gut zwölf Zentimeter dicke Stahlwände gegen den enormen Wasserdruck geschützt, sie wog dadurch 13 Tonnen.

Um dieses gewaltige Gewicht auszugleichen – und damit das Tauchboot auch wieder aufsteigen konnte, waren die großen Tanks im zigarrenförmigen Teil mit Benzin gefüllt. Dieses ist leichter als Wasser, wird aber durch hohen Druck nicht so leicht komprimiert wie Wasserstoff oder andere Gase. An beiden Enden des Zigarrenteils befindet sich zusätzlich ein Ballasttank, der beim Abtauchen mit Wasser gefüllt wird.

Hinauf durch Schrottabwurf

Für das Auftauchen der Trieste haben Jacques Piccard und sein Vater ebenfalls eine neue Technik ersonnen: Die Trieste war das erste Tiefsee-U-Boot, dass nicht heraufgezogen werden musste, sondern eigenständig aufsteigen konnte. Rund 16 Tonnen Eisenschrott waren dafür als Ballast mit an Bord, durch einen Elektromagneten festgehalten. Zum Aufsteigen schalten  die durchgefrorenen Abenteurer, Piccard und Walsh den Magneten einfach ab und der Ballastschrott wird abgeworfen. Der Clou daran: Sollte im Tauchboot der Strom ausfallen, wird automatisch der Ballast losgelöst und das Tiefseegefährt stiege auf.

Der Strom fiel nicht aus und so legten die beiden Abenteurer selbst den Zeitpunkt ihrer Rückkehr an die Oberfläche fest. Sicher und unbeschadet kehrten Piccard und Walsh von ihrer Reise zurück. Einer Reise an einen Ort, den nie ein Mensch zuvor gesehen hatte. Erst "Titanic"-Regisseur James Cameron stellte am 26. März 2012 den über 50 Jahre alten Rekord mit dem Tauchboot "Deepsea Challenger" ein.

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