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Kinderleid kommt ans Licht

Erst Wochen nach der Revolution in Rumänien im Dezember 1989 kommt eines der schrecklichsten Geheimnisse des gestürzten Diktators Nicolae Ceauçescu ans Tageslicht: In 26 Bewahranstalten wurden angeblich geistig behinderte Kinder durch Verwahrlosung getötet, ermittelt eine Kommission des Kinderhilfswerks UNICEF.

Chronik Jahresband 1990

Staatlich verordnetes Gebärsoll von fünf Kindern

Hinter dem Aufbau eines solchen Systems der indirekten Euthanasie steht der Befehl des Diktators von 1966, die Rumänen müssten sich bis zum Jahr 2000 von 19 auf 30 Millionen vermehren. Ceauçescus Reich sollte so noch mächtiger werden. Sexualerziehung, Geburtenkontrolle und Abtreibung wurden verboten. Für jede Familie legte der Diktator ("Der Fötus ist sozialisiertes Eigentum der ganzen Gesellschaft") ein Gebärsoll von fünf Kindern fest, bei Abtreibung drohten den Frauen lange Gefängnisstrafen. Ceauçescu trieb mit diesem Zwang die Kindersterblichkeit und die Zahl der behinderten Kinder stark in die Höhe. Selbst kranke Frauen mussten die Säuglinge gegen ihren Willen zur Welt bringen. Viele Schwangere versuchten in dem Land mit zuvor traditionell hohen Abtreibungszahlen selbst einen Eingriff und verletzten dabei die Embryonen.

Der Alkoholismus forderte ebenso seinen Preis wie die weit verbreitete Unterernährung unter der Bevölkerung. Die Kindersterblichkeit in Rumänien lag Ende der 80er Jahre mit zwei Prozent vorn in Europa.

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