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LEXIKON
 

Altsteinzeit

Paläolithikum
die älteste, das gesamte Eiszeitalter (Pleistozän) umfassende Epoche der Menschheitsgeschichte. Grundlage für die Erforschung der Altsteinzeit ist der archäologische Fundstoff; mengenmäßig treten dabei die Steingeräte besonders hervor. Sie wurden hergestellt durch Behauen (Kernstein- und Abschlagtechnik) und Retuschieren. Bei der Kernsteintechnik wurden von einem Rohstück so lange Späne entfernt, bis als Kern das beabsichtigte Gerät übrig blieb; bei der Abschlagtechnik wurden von dem Rohstück Späne abgesprengt und diese mit und ohne Überarbeitung als Geräte verwendet. Bei der Überarbeitung (Retuschieren) wurden Teile der Späne mittels eines Schlagsteins abgeschlagen oder durch einen Druckstock aus Holz oder Knochen abgesprengt. Die Geräte lassen sich nach Form und Herstellungsart in Typen einteilen. Durch eine systematische Analyse zusammengehörender Fundkomplexe wurde festgestellt, welche typischen Formen gleichzeitig sind.
Eiszeit: Europa, Nordamerika
Eiszeit: Europa, Nordamerika
 
 
Stufen der Altsteinzeit: Das Altpaläolithikum erstreckte sich über die ersten drei Eiszeiten (Günz-, Mindel-, Rißeiszeit) mit den dazwischen liegenden Warmzeiten. Der Übergang zum Mittelpaläolithikum, das die letzte Warmzeit (Riß-Würm-Zwischeneiszeit) und die Vorstoßphase der letzten Eiszeit (frühe Würmeiszeit) umfasst, ist fließend. Das Jungpaläolithikum reicht vom ersten Würm-Interstadial bis zum Ende der Würmeiszeit. Beginn und Ende des Jungpaläolithikums sind durch Radiokarbonmessungen mit 40 000 und 10 000 v. Chr. einigermaßen sicher datiert, für die älteren Phasen der Altsteinzeit ergibt sich ein Mittelwert von 1 Mio. Jahren. Der Beginn der Altsteinzeit ist durch das Einsetzen sicherer dinglicher Kulturhinterlassenschaften gekennzeichnet. Für die Untergliederung ist die in Frankreich ermittelte Stufenfolge in den Grundzügen allgemein maßgebend, doch gibt es regionale Sonderausprägungen.

Wirtschaftsweise

Das die älteste Stufe umfassende Abbevillien ist durch roh behauene, meist dicke Faustkeile gekennzeichnet. Im Acheuléen, der 2. Stufe, sind die Faustkeile regelmäßig geformt und durch Verwendung eines Schlagholzes feiner bearbeitet. Den Übergang vom Alt- zum Mittelpaläolithikum charakterisieren Funde von La Micoque (danach Micoquien) mit kleinen rundlichen und langen, spitz ausgearbeiteten Faustkeilen. Träger der mittelpaläolithischen Kultur ist der Neandertaler, der seine Toten erstmalig bestattete. Kennzeichnend sind die Funde von Le Moustier (danach Moustérien), Farbstoffe und bearbeitete Knochen. Das Jungpaläolithikum (Beginn etwa 30 000 v. Chr.), die Zeit des ersten Auftretens des Homo sapiens, weist einen weit differenzierteren, überwiegend in Höhlen und Abris gefundenen Bestand an Steingeräten auf, der durch Geräte aus Knochen, Elfenbein und Rengeweih und Werke der figürlichen und geometrischen Kunst ergänzt wird. Phasen sind Aurignacien, Solutréen und Gravettien sowie Magdalénien. In der gesamten Altsteinzeit bildeten die Jagd und das Sammeln pflanzlicher Nahrung die Grundlage der Ernährung. Doch erst der Gebrauch des Feuers (seit dem Acheuléen) erlaubte eine bessere Nutzung der Nahrung, gewährte Schutz vor Kälte und Sicherheit vor Raubtieren. Man jagte das Großwild (u. a. Mammut) mit dem Stoßspeer oder erlegte es in Fallgruben. Massierungen bestimmter Tierknochen an einzelnen Fundplätzen im Jungpaläolithikum deuten auf Spezialisierung einzelner Jägergruppen auf bestimmte Tierarten wie z. B. Ren oder Bison. Die aneignende Wirtschaftsweise zwang zum öfteren Wechsel der Siedlungsplätze. Freilandlagerplätze schützte man mit einfachen Windschirmen oder Laubdächern, als Behausung diente sonst zunächst nur die Höhle. Im Jungpaläolithikum wird man die Wohnmöglichkeiten von Felsschutzdächern mit Windschirmen oder Zelteinbauten verbessert haben; kleine ovale und kreisförmige Grundrisse von Wohnstellen im Freien lassen sich als Hütten und Zelte rekonstruieren. In Osteuropa fand man Grundrisse von Langhütten mit mehreren Herdstellen, wahrscheinlich Gemeinschaftshäuser.
Neandertaler: Schädel
Schädel eines Neandertalers
Der Anthropologe Eduard Jacobshagen gab 1956 die Entdeckung dieses gut erhaltenen Schädels eines weiblichen Neandertalers bekannt, eine frühe Form des Homo sapiens aus dem Jungpleistozän.
 

Kunst und Kultur

Bestattungen mit Beigaben und Rotfärbung durch Ocker, Teilbestattungen (Schädeldepots), Menschen- und Tieropfer, die vom Moustérien an auftreten, charakterisieren in Verbindung mit der Kunst die Religion der Altsteinzeit. Sie zeigt eine enge Bindung an das Jagdtier.
Der Beginn der altsteinzeitlichen Kunst liegt im Aurignacien. Sie erstreckt sich auf Wand- und Felsbilder, Statuetten, verzierte Geräte und Knochen. Menschliche Darstellungen sind in der Wandkunst selten, an ihre Stelle treten oft menschengestaltige Mischwesen. In der Kleinkunst gibt es besonders viele Frauenidole (Willendorf) und Tierplastiken (Vogelherd). Die Kunst des Solutréen ist durch imposante Felsreliefs, z. T. mit szenischen Darstellungen, gekennzeichnet (Roc de Sers). Im Magdalénien erfuhr die Rundskulptur in der Kleinkunst eine reiche Entfaltung; die Wandkunst, deren Mittelpunkt das Jagdtier war, gipfelt in der polychromen Malerei ( Font-de-Gaume, Lascaux).
Lascaux: Stierdarstellung
Felsmalerei von Lascaux
Darstellung eines Stieres in der Höhle von Lascaux
 
 

 

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