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LEXIKON

Der "Panthesprung" in der deutschen Öffentlichkeit

Der "Panthersprung" in der deutschen Öffentlichkeit
Die Rheinisch-Westfälische Zeitung schreibt am 1. 7. 1911 in chauvinistischem Überschwang über den "Panthesprung", die Aussendung eines deutschen Kriegsschiffes nach Agadir, die 1911 die 2. Marokko Krise auslöst:

Der deutsche Träumer erwacht aus zwanzigjährigem Dornröschenschlaf. Endlich eine Tat, eine befreiende Tat, die den Nebel bittersten Missmutes in deutschen Landen zerreißen muss. In den zwei Jahrzehnten nach dem Abgang des großen Reichsschmiedes [Bismarck] haben unfähige Nachfolger Misserfolg auf Misserfolg gehäuft. In feiger Furcht sind die unwürdigen Nachkömmlinge der Helden von 1870 Schritt für Schritt vor den Herausforderungen des Auslandes zurückgewichen. Eine Fülle von Demütigungen haben die Caprivi und Hohenlohe und Bülow auf unser Volk gehäuft, als ob wir nicht die volksstärkste Nation in Europa wären, als ob wir uns mit unseren berechtigten Machtansprüchen nicht auf ein Heer von 5 Mill. Bajonetten stützen könnten und auf eine Flotte, die nicht mehr zu verachten ist, als ob wir nicht ein Volk seien, dessen ungeheurer Tüchtigkeit und höchster Anstrengung es gelungen ist, die Jahrhunderte alten Weltvölker auf den Märkten aller Erdteile in steigendem Maße zu überbieten. Unser Volk hat gebeten, gemahnt und gemurrt, tiefster Unmut und völkische Verzweifelung haben Millionen zu der Verblendung sozialdemokratischer Stimmenabgabe getrieben: das focht die nicht an, die berufen worden sind, des Volkes Willen zu erfüllen, sie haben weiter Deutschland hinabregiert.

Nun endlich eine Tat, eine befreiende Tat! Sie war dringend notwendig. Es geht um die Ehre unseres Volkes, die unser Kaiser zu Tanger verpfändet hat, die Bülow zu Algesiras einsetzte, die Kiderlen-Wächter im deutsch-französischen Abkommen von 1909 nochmals ins Feld geführt hat. Die Franzosen haben sich nicht um das Kaiserwort und nicht um Verträge gekümmert, sie haben eine Herausforderung an die andere gereiht, sie haben die Verträge frech zerrissen, sie schicken sich an, das reiche nordwestafrikanische Land sich vollends anzueignen; über unsere wohlerworbenen Ansprüche, über unsere gerechten Interessen hinweg. Gut! Des Weges, den sie gingen können auch wir ziehen. Wenn sie sich unterfangen, in Marokko "Ordnung zu stiften", können wir dergleichen tun. Sie haben uns freie Hand gegeben, wir werden die Aktionsfreiheit benützen! Vor Agadir liegt nun ein deutsches Kriegsschiff. Die Verständigung mit uns über die Aufteilung steht ihnen noch frei. Wollen sie nicht, dann mag der "Panther" die Wirkung der Emser Depesche [die 1870 den Deutsch-Französischen Krieg auslöste] haben. Das deutsche Volk wird zeigen, dass es seine Ehre zu wahren weiß."
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