Lexikon
Dürer
Emanzipation der Grafik
Dürers vielleicht bedeutendster Beitrag zur europäischen Kunst war die Befreiung der Grafik aus ihrer Bindung an die Buchillustration. Holzschnitt und Kupferstich traten in ihrem Format und künstlerischen Anspruch gleichberechtigt neben das Gemälde. Waren die Holzschnittfolgen zum „Marienleben“ (1504–1511), zur Passion Christi („Große Passion“ 1500–1511; „Kleine Passion“ 1509–1511) und zur Apokalypse („Offenbarung Johannis“ 1498) noch von einer spätgotischen Glaubens- und Formenwelt geprägt, so zeigen vor allem die späteren Kupferstiche („Ritter, Tod und Teufel“ 1513; „Hieronymus im Gehäus“ 1514; „Melancolia I“ 1514) eine komplexe, vom Humanismus beeinflusste Symbolsprache. In den letzten Schaffensjahren entstanden zudem Kupferstichporträts von Reformatoren (P. Melanchthon 1526) und Humanisten (W. Pirckheimer 1524, Erasmus von Rotterdam 1526). Dürers etwa 100 Kupferstiche und Radierungen, 350 Holzschnitte und 900 Handzeichnungen wirkten nicht zuletzt aufgrund ihrer künstlerischen und technischen Perfektion stilbildend auf die nachfolgende Künstlergeneration.
- Einleitung
- Aufbruch in die Neuzeit
- Emanzipation der Grafik
- Monumentalisierung der Malerei
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