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LEXIKON

Grausamkeiten des Krieges

Grausamkeiten des Krieges
Die Zivilbevölkerung wurde durch den Dreißigjährigen Krieg außerordentlich stark betroffen. In seinem 1669 erschienen "Simplicissimus" schildert der Schriftsteller Johann Jakob Christoffel von Grimmelshausen ironisierend die Zerstörungswut der marodierenden Söldner, die er selbst bei einem Überfall auf sein Elternhaus erlebte:

[Sie] durchstürmten das Haus unden und oben, ja das heimlich Gemach war nicht sicher, gleichsam ob wäre das gülden Fell von Kolchis darinnen verborgen ... was sie aber nicht mitzunehmen gedachten, wurde zerschlagen; etliche durchstachen Heu und Stroh mit ihren Degen, als ob sie nicht Schaf und Schwein genug zu stechen gehabt hätten, etliche schüttelten Federn aus den Betten und fülleten hingegen Speck, andere dürr Fleisch und sonst Gerät hinein, als ob alsdann besser darauf zu schlafen gewest wäre; ... unser Magd ward im Stall dermaßen traktiert, dass sie nicht mehr daraus gehen konnte, welches zwar eine Schand ist zu melden! Den Knecht legten sie gebunden auf die Erd, stecketen ihm ein Sperrholz ins Maul und schütteten ihm einen Melkkübel voll garstig Mistlachenwasser in Leib: das nenneten sie ein Schwedischen Trunk, wodurch sie ihn zwungen, eine Partei anderwärts zu führen ... Da fieng man erst an, die Stein von den Pistolen, und hingegen an deren Statt der Bauren Daumen aufzuschreuben, und die armen Schelmen so zu foltern, als wann man hätt Hexen brennen wollen, maßen sie auch einen von den gefangenen Bauren bereits in Backofen steckten und mit Feuer hinder ihm her warn ... einem andern machten sie ein Seil um den Kopf und raitelten es mit einem Bengel zusammen, dass ihm das Blut zu Mund, Nas und Ohren heraussprang."
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