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LEXIKON

Jehvas Zeugen

bis 1931 „Ernste Bibelforscher“
seit 1953 auch Neue-Welt-Gesellschaft, von Charles Taze Russell (* 1852,  1916) 1878/79 in Pittsburgh (USA) gegründete chiliastische Religionsgemeinschaft (Chiliasmus), die aufgrund von Russells Berechnungen für 1914 die Wiederkunft Christi und für die Zeugen Jehovas den Anbruch des 1000-jährigen Reichs erwartete. Als dies ausblieb und eine Krise eintrat, wurde die Gemeinschaft durch Joseph Franklin Rutherford (* 1869,  1942), seit 1917 Präsident, lehrmäßig und organisatorisch grundlegend verändert. Er gab ihr eine „theokratische Organisation“ unter autoritärer Führung und verpflichtete alle Mitglieder zum „Felddienst“ als „Verkündiger“ oder „Pioniere“. Mit diesen Begriffen wird die Missionsarbeit von Jehovas Zeugen beschrieben, entweder in aktiver Form durch Hausbesuche oder in überwiegend passiver Form durch Feilbieten ihrer Zeitschriften auf der Straße. Jehovas Zeugen sind als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt und besitzen damit u. a. das Recht, Religionsunterricht zu erteilen.
Ihrem Selbstverständnis nach sehen Jehovas Zeugen in der Bibel das direkt offenbarte, unfehlbare Wort Gottes; das zukünftige Heil ist folglich von der unbedingten Ausrichtung des Lebens auf die biblischen Grundsätze abhängig. Nachdem verschiedene weltliche Endzeiten, die ihren Abschluss in einem göttlichen Strafgericht (Schlacht von Harmagedon) finden sollten, nicht eintraten (so u. a. 1914, 1925 und 1975), wird die Ankündigung einer apokalyptischen „Zeit des Endes“ heute eher vage gehalten. Jehovas Zeugen versammeln sich mehrmals in der Woche in ihren sog. „Königreichssälen“, wo das gemeinschaftliche Beten und Singen sowie die religiöse Unterweisung der Gemeindemitglieder stattfindet. Zentrale christliche Lehren wie Dreieinigkeit, ewige Verdammnis, Unsterblichkeit der Seele werden verworfen, ebenso die Säuglingstaufe. Kirchliche Feste wie Weihnachten oder Ostern werden als heidnisch und „unbiblisch“ abgelehnt, lediglich einmal im Jahr wird mit dem „Gedächtnismahl“ an Christi Tod erinnert. Grundlage für die religiöse Praxis bildet u. a. die unter dem Titel „Neue-Welt-Übersetzung“ veröffentlichte eigene Bibelübersetzung.
Jehovas Zeugen verweigern den Militärdienst sowie die Beteiligung an politischen Wahlen; die Ausübung des Zivildienstes wird mittlerweile geduldet. Besonders in diktatorisch regierten Ländern war und ist die Religionsgemeinschaft Verfolgungen ausgesetzt. Weltweit hat sie nach eigenen Angaben ca. 6,5 Mio. Mitglieder, davon rund 165 000 in Deutschland. Organisatorisches Zentrum ist seit 1909 die „Watch Tower Bible and Tract Society“ in Brooklyn, New York. Das erste deutsche Büro wurde 1901 in Barmen-Elberfeld bei Wuppertal eröffnet; heute befindet sich die deutsche Zentrale in Selters (Taunus). Zeitschriften: „Der Wachtturm“, „Erwachet!“.
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