Lexikon
Marxịsmus
Materialistische Auffassung der Geschichte
In den theoretischen Auseinandersetzungen mit der dialektischen Philosophie (Dialektik) G. F. W. Hegels, der Religionskritik L. Feuerbachs sowie dem Gedankengut der Junghegelianer entwickelten Marx und Engels eine materialistische Geschichtsauffassung – heute eher unter dem Begriff historischer Materialismus bekannt. Marx und Engels sahen im Gegensatz zu den Vorstellungen Hegels die bewegenden Kräfte der Geschichte nicht im Bewusstsein, sondern im Sein, das damit zur Voraussetzung für die menschlichen Bewusstseinsformen und die daraus erwachsenden komplexen geistigen Strukturen (Überbau) wie Philosophie, Recht, Religion, Kunst u. a. wird, denn „das Bewusstsein kann nie etwas anderes sein als das bewusste Sein, und das Sein der Menschen ist ihr wirklicher Lebensprozess“ (Marx).
Geschichte und Gesellschaft werden im Marxismus als ein allein vom Menschen in seiner praktischen Lebenstätigkeit beständig geschaffener und insofern von ihm selbst veränderbarer objektiver Zusammenhang erfasst. Die Arbeit ist derjenige Faktor, durch den dieser Zusammenhang aufrechterhalten wird. Auf der Basis historisch-spezifischer materieller Produktionsbedingungen entwickeln sich laut marxistischer Auffassung historisch unterschiedliche Vergesellschaftungsprozesse, die wiederum zu historisch unterschiedlichen Gesellschaftsformationen führen.
In einer Abfolge von Klassenkämpfen lösen danach Sklavenhaltergesellschaft, Feudalgesellschaft und bürgerlich-kapitalistische Gesellschaft einander ab. Die revolutionäre Umwandlung einer Gesellschaftsform in eine andere vollzieht sich stets dann, wenn der Stand der Produktivkräfte in Widerspruch zu den bestehenden Produktionsverhältnissen gerät. In diesem Sinn steht die auf umfassender Zusammenarbeit und hoch qualifizierter Tätigkeit beruhende Produktionsweise, die sich beim heutigen Stand der Produktivkräfte ergibt, im Widerspruch zu den kapitalistischen Produktionsverhältnissen, d. h. zur Trennung der Arbeitenden vom Eigentum an den Produktionsmitteln, mit denen sie arbeiten. Doch das Bürgertum, die herrschende Klasse der kapitalistischen Gesellschaft, gibt seine Vorrechte nicht kampflos auf. Nur der internationale revolutionäre Kampf der unterdrückten Arbeiterklasse, des Proletariats, gegen die Bourgeoisie kann aus marxistischer Sicht die kapitalistische Klassengesellschaft beseitigen und den Weg für die neue klassenlose Gesellschaft frei machen. In dieser Gesellschaft, zu deren Struktur es von Marx selbst kaum Äußerungen gibt, soll dann die Entfremdung des Menschen von seiner Arbeit und seinen Arbeitsprodukten, die der kapitalistischen Produktionsweise geschuldet ist, aufgehoben sein.
- Einleitung
- Materialistische Auffassung der Geschichte
- Kritik der politischen Ökonomie
- Weitere Entwicklung
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