Lexikon
Marxịsmus
Weitere Entwicklung
Nach dem Tode von Marx spaltete sich der Marxismus in verschiedene Schulen und Richtungen. Engels übertrug die dialektische Methode auf Naturwissenschaft und Geschichte (dialektischer Materialismus). In der deutschen Sozialdemokratie standen sich vor dem 1. Weltkrieg der den Marxismus teilweise in Frage stellende Revisionismus E. Bernsteins, der orthodoxe Marxismus K. Kautskys und der revolutionäre Marxismus R. Luxemburgs gegenüber. In Österreich gab es bis 1934 die Sonderform des Austromarxismus, der zwar radikaler als der Marxismus der deutschen SPD-Führung war, vom kommunistischen Marxismus jedoch Abstand wahrte. Vor und während der Zeit des Nationalsozialismus setzten sich K. Korsch und die Mitarbeiter des Frankfurter Instituts für Sozialforschung M. Horkheimer u. T. W. Adorno in der kritischen Theorie produktiv mit dem Marxismus auseinander. In Italien gab A. Gramsci mit seiner Philosphie der Praxis dem Marxismus neue, bis heute wirksame Impulse.
Nach dem Tod W. I. Lenins 1924 entwickelte sich in der KPdSU der Marxismus-Leninismus zu einem verbindlichen Dogma, das als Grundlage und Rechtfertigung der Politik der KPdSU und der Sowjetunion diente (Leninismus). Der Marxismus-Leninismus wurde bis Ende der 1980er Jahre auch von den europäischen und außereuropäischen Verbündeten der Sowjetunion als verbindliche Lehre anerkannt. Die Volksrepublik China und Albanien sowie einige kommunistische Parteien (z. B. die italienische) gingen jedoch praktisch und theoretisch z. T. eigene Wege.
Nach dem 2. Weltkrieg erlebte die marxistische Theorie eine Neubelebung in kritischer Absetzung von Vulgärmarxismus, Marxismus-Leninismus und reformerischer Sozialdemokratie (Neomarxismus). Dabei hatten sich grundlegende Annahmen des Marxismus als unzutreffend erwiesen, vor allem die, dass die Arbeiterklasse im Kapitalismus einer fortschreitenden Verelendung unterworfen sei und dass die proletarische Revolution zwangsläufig zuerst in den hoch industrialisierten Ländern ausbrechen werde. Mit der Entstehung der Ökologiebewegung seit den 1970er Jahren verlor der Marxismus unter westlichen Linksintellektuellen allmählich seine große Anziehungskraft als kritische Gesellschaftstheorie. Durch den Zusammenbruch des Kommunismus in Osteuropa verstärkte sich dieser Prozess noch, offenbarte sich doch dadurch für viele Beobachter das Scheitern der Umsetzung marxistischer Theorie in politische Praxis. In jüngster Zeit ist allerdings eine Renaissance marxistischer Ideen vor allem im Rahmen globalisierungskritischer Debatten festzustellen. Dabei wird insbesondere darauf verwiesen, dass Marx bereits den Prozess der Globalisierung als Grundlage der kapitalistischen Ordnung beschrieben habe, etwa im Manifest der Kommunistischen Partei 1847.
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