Lexikon
Michelangelo
[mikɛˈlandʒɛlo:]
eigentlich Michelangelo BuonarrotiMichelangelo
Michelangelo
© wissenmedia
Vom Bildhauer zum Maler
In der kraftvollen und spannungsgeladenen Körperlichkeit der Figuren zeigen die frühen bildhauerischen Werke Michelangelos („Trunkener Bacchus“ 1497, Florenz, Bargello; „Brügger Madonna“ 1498–1500, Brügge, Liebfrauenkirche) Einflüsse des Spätwerks von Jacopo della Quercia. Bei der „Pietà“ (um 1498–1500; Rom, St. Peter) steht das hohe technische Können im Dienste der Wiedergabe einer intimeren Gefühlswelt. Wie bereits bei der „Kentaurenschlacht“ (um 1492 [?], Florenz, Casa Buonarroti) nähert sich der „David“ (1501–1504, Florenz, Accademia) eng der Antike an und leitet im Streben nach heroischer Idealisierung die Hochrenaissance ein. 1505 begann Michelangelo mit den Entwürfen für ein monumentales Grabmal Papst Julius’ II. in der Peterskirche, doch gelangten von diesem nur geringe Teile zur Ausführung (u. a. „Moses“ 1513–1516; „Sterbender und Gefesselter Sklave“ Florenz, Accademia), so dass die 1542 in San Pietro in Vincoli erfolgte Aufstellung nur eine deutlich reduzierte Form der ursprünglichen Planung darstellt.
Das von Giotto und Masaccio beeinflusste malerische Frühwerk („Tondo Doni“ 1505, Florenz, Uffizien) zeigt in seiner überaus plastischen Figurenauffassung eine noch stark von bildhauerischem Denken geprägte Gestaltung. Die für das Florentiner Rathaus geschaffene „Schlacht von Cascina“ (1504–1506; unvollendet und später übermalt; nur in Teilkopien des Kartons überliefert) verrät in der erregten Bewegtheit der nackten Figuren den Einfluss L. Signorellis und weist bereits auf das manieristische Spätwerk voraus. Das 1508–1512 im Auftrag Julius’ II. geschaffene Deckenfresko der Sixtinischen Kapelle bereitete mit seinem illusionistisch gemalten Architekturrahmen die Trompe-l’œil-Malerei des Barock vor. Die zunächst kleinteiligen und vielfigurigen Kompositionen (Sintflut) werden zunehmend monumentalisiert (Schöpfungsszenen; späte Propheten und Sibyllen). An die Stelle äußerer Bewegtheit tritt die Wiedergabe innerer Vorgänge (Erschaffung Adams). Die leuchtende, an bemalte Skulpturen erinnernde Farbigkeit weicht einem stärker von der Lichtsituation bestimmten Kolorit mit fließenderen Übergängen (Scheidung von Licht und Finsternis).
Dynamik und Dramatik
Schuf Michelangelo mit dem „David“ und der Sixtinischen Decke Hauptwerke der Hochrenaissance, so strebte er mit seinem Spätwerk eine Auflösung und Dynamisierung ihrer Formideale an. So weist in dem monumentalen Fresko des „Jüngsten Gerichts“ (1536–1541; Rom, Sixtinische Kapelle) die heftig bewegte Gesamtkomposition und die dramatische Expressivität der Figuren bereits auf das Barock voraus. Unter den Skulpturen der ehemaligen Medici-Grabkapelle („Herzöge“ und „Allegorien der Tageszeiten“; 1520 begonnen, Florenz, Neue Sakristei, San Lorenzo) zeigen vor allem der „Morgen“ und der „Abend“ bereits die in die Länge gezogenen Proportionen und gelösten Körperhaltungen manieristischer Skulpturen.
Auch als Architekt stellte Michelangelo die Gestaltungsprinzipen der Hochrenaissance in Frage. So zeigen seine nicht ausgeführten Entwürfe für die Fassade von San Lorenzo in Florenz (1516 begonnen), die dortige Grabkapelle der Medici (1520 begonnen) und vor allem das Treppenhaus der Biblioteca Laurenziana (1524 begonnen) ein heftig bewegtes Wandrelief, bei dem nahezu alle Einzelelemente aus ihrem tektonischen Zusammenhang gelöst werden. 1546 zum Bauleiter der Peterskirche berufen, schuf er dort u. a. die Kuppel, deren plastische Außengliederung zum Vorbild zahlreicher Sakralbauten der Spätrenaissance und des Barock werden sollte. Von geringerem Einfluss war Michelangelo als Verfasser von Sonetten und Madrigalen im Stile F. Petrarcas.
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