Lexikon
Waldẹnser
mittelalterliche religiöse Gemeinschaft, benannt nach ihrem Gründer Petrus Waldes († vor 1218), einem reichen Kaufmann aus Lyon, der seit 1175 ein Leben in apostolischer Armut führte. Mit gleichgesinnten Männern und Frauen, die sich Arme von Lyon oder Arme Christi nannten, zog er durch das Land und predigte Buße. Papst Alexander III. billigte das Armutsgelübde, die Sittenpredigt aber nur unter Aufsicht des Klerus. Der Gegensatz zum Klerus führte 1184 auf der Synode zu Verona zur Verurteilung. Unter dem Einfluss der Katharer lehnten die Waldenser Ablass, Fegefeuer, Fürbitten für Verstorbene, Besitz- und Pfründenwesen der Kirche, Eid und Kriegsdienst ab; als Sakramente behielten sie nur Taufe, Buße und Abendmahl.
Die Waldenser verbreiteten sich schnell in Südfrankreich, Norditalien und Spanien. Der radikale lombardische Zweig, der die ganze hierarchische und sakramentale Ordnung verwarf, gewann Anhänger in Deutschland, Böhmen, Mähren, Polen und Ungarn. Kleine Gruppen gingen in den Hussiten und Böhmischen Brüdern auf, andere traten dem Calvinismus bei. Reste haben sich nach schweren Verfolgungen bis zur Gegenwart besonders in Italien (den Bergtälern Piemonts) und in Südamerika erhalten. Die Waldenserkirche unterhält eine theologische Hochschule in Rom. Sie zählt etwa 50 000 Mitglieder und gehört dem Reformierten Weltbund an.
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