Lexikon

Wenzel

Wenzel (deutscher König)
Wenzel (deutscher König)
deutscher König 1378–1400 (als König von Böhmen Wenzel IV.), * 26. 2. 1361 Nürnberg, † 16. 8. 1419 Schloss Wenzelstein bei Kundratitz; Luxemburger, Sohn Karls IV., bereits 1376 zum römischen König gewählt und gekrönt, 1378 Nachfolger seines Vaters im Reich und in Böhmen. War bald den immer größer werdenden Schwierigkeiten in Kirche und Reich nicht mehr gewachsen. Nach anfänglicher Parteinahme für die Städte stellte er sich im Landfrieden von Eger 1389, in dem alle Städtebünde verboten wurden, auf die Seite der Fürsten.
Bekämpfung der Raubritter
Bekämpfung der Raubritter
1397 legitimierte König Wenzel die Zerstörung von Raubritterburgen (Auszug):

Wir, Wenzel von Gottes Gnaden Römischer König, zu allen Zeiten Mehrer des Reiches und König zu Böhmen, bekennen und tun öffentlich mit diesem Briefe kund allen denen, die ihn sehen oder vorlesen hören, dass wir die Burgen und festen Häuser, von denen viel Räuberei und andere Untaten und großer Schaden für Land und Leute ausging, nicht länger dulden wollten... Darum wurden diese Burgen von uns und dem Heiligen Reich gebrochen, wozu unsere und unseres Reiches Städte, darunter unsere und des Reiches Lieben und Getreuen von Nürnberg, auf unser Geheiß und Gebot mitgeholfen haben... Wir bestimmen nun mit wohl bedachtem Sinn, dass die vorgenannten Burgen und andere, die von unseren und des Reiches wegen mit ihrer Hilfe gebrochen wurden, fortan ewiglich ungebaut, zerstört und wüst bleiben sollen. Niemand soll in Zukunft eines der Häuser wieder aufbauen. Täte das doch jemand, wer er auch sei, so sollen alle Fürsten und Städte und besonders unsere lieben Getreuen von Nürnberg alleine oder mit welcher Hilfe sie wollen, volle Macht und Gewalt haben, das zu wehren, und wenn der Bau schon wieder angefangen ist, ihn zu zerstören, und damit sollen sie weder gegen uns noch gegen sonst jemand gefrevelt haben ...

Der Mord an Johannes von Nepomuk 1393 in Prag erschütterte seine Stellung in Böhmen, wo er den Hussitenwirren machtlos gegenüberstand. Die wechselnden Familienkämpfe im Hause Luxemburg führten 1394 zur vorübergehenden Gefangennahme durch seinen Vetter Jobst von Mähren. 1400 wurde Wenzel, der sich durch seine Untätigkeit immer unbeliebter gemacht und seit 1387 Deutschland ferngehalten hatte, von den Kurfürsten abgesetzt; er behielt die böhmische Königskrone und den Titel des römischen Königs jedoch bis zu seinem Tod.
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