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Mit Kartoffelbomben gegen Aliens

Joystick, Aliens, Computer und ganz viel Kindermut – das ist die Abenteuerkomödie "Die Noobs - klein, aber gemein" von Mark Norton. Klingt nach Computerspiel. Ist es auch - fast, denn die Aliens, genannt: Noobs, sind natürlich echt und Menschen können wirklich ferngesteuert werden. Ganz real also, zumindest in der Fantasie der Kinder, auf der Norton seine Geschichte aufgebaut hat.

von Dorothea Treder, wissen.de

Es ist eine Geschichte, die zeigt, wie weit die Welt der Kinder und die der Erwachsenen manchmal auseinanderliegen - wie im normalen Leben: Wo Eltern keine Ahnung von dem haben, wie real Fantasie sein kann, sind Kinder mitten im Abenteuer. "Die Noobs" erinnern vom Aufbau her an "The Strangers": ein einsames Haus, Killer, die die Bewohner von der Außenwelt abschneiden und sie dann malträtieren. Nur ist es bei den Noobs bei weitem nicht so gruselig. Und das ist gut so. "Die Noobs" sind eine nette Familienunterhaltung. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Dem Film haftet etwas kindlich-Unschuldiges, fast Niedliches an. Statt Bomben fliegen Böller in die Luft, statt Patronen Kartoffeln. Es gibt Maschinen, die die kniehohen Aliens in Riesen verwandeln, Zimmer, in denen durch eine Art Bombe die Schwerkraft aufgehoben wird, Menschen, die ferngesteuert werden. Und der einzig nette Alien, Spark, ist irgendwie echt süß. Voilà: das ist die (Fantasie-)Welt der heutigen Kinder als eine Art Computerspiel im Großformat.

Es ist die Fantasie, die der Regisseur hochhält und die die Kinder trotz Computerspielen nicht verloren haben wie sich zeigt, als sie gegen die "gruseligen Krabbeltiere" kämpfen müssen, wie die siebenjährige Hannah (Ashley Boettcher) die Aliens nennt. Die Aliens sind mit dem Meteoritenregen aufs Dach eines Hauses gekracht und haben dabei die Satellitenschüssel zerbrochen, weshalb der Fernseher zum Leid der Oma nicht mehr funktioniert.

In diesem Haus wollte Familie Pearson eigentlich Urlaub machen. Die Erwachsenen sind auch fleißig dabei. Weder das Gepolter oder die vielen Werkzeuge, die die Kinder ins Haus schleppen, beunruhigen die Erwachsenen, noch die Tatsache, dass im Haus bald gar nichts mehr funktioniert: das Telefon nicht, das Handy nicht, der Strom nicht. Dass Tochter Bethanys (Ashley Tisdale) Flamme Ricky (Robert Hoffmann) ihnen plötzlich als ferngesteuerte Marionette mit breitem Doofi-Grinsen vor ihnen steht, irritiert sie nur leicht. Sie stören sich bloß an diesem verflixten kaputten Fernseher – und ahnen nicht im Geringsten, dass auf dem Dach des Hauses ein Kampf ums Überleben der Menschheit begonnen hat. An die Existenz von Aliens glauben sie ja nicht.

Die Noobs wollen allen Menschen ein Implantat in den Kopf schießen, über das sie sie wie Roboter steuern können: Mit einem Joystick schalten sie die Menschen ein oder aus, sprechen über sie, bewegen Kopf, Fuß, Hüfte. Wunderbar, wie die Zwillinge Art und Lee (Henri und Regan Young) planlos vor einem Telefon mit Drehscheibe stehen, wohl aber wissen, mit dem ergatterten Joystick der Aliens den von ihnen verhassten Ricky zu ärgern. Sie steuern ihn so, dass er sich einfach dämlich die Hand ins Gesicht klatscht, die Hüfte kreisen lässt, Hiphop tanzt.

Der Wechsel aus Kampf und Spiel, Ruhe und Spannung, Feindschaft und Freundschaft zerstört nicht den Zug des Films, macht ihn aber harmlos, was völlig in Ordnung ist, weil er auch das Schöne zeigt. Besonders anrührend ist die Freundschaft, die Hannah mit den vierarmigen Alien Spark schließt. Herzzerreißend ist sein treu-unschuldiger Blick, vor allem am Schluss. Hannah will, dass Spark Teil der Familie wird. Spark blendet ein Bild seiner eigenen Alien-Familie ein, macht große Augen, senkt die Lieder zur Seite, nimmt Hannahs Kuscheltier als Andenken an. Und dann: Umarmung, Tränen, Abflug.

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