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Sternenhimmel im Dezember 2019

Sternschuppen, Wintersonnenwende und eine ringförmige Sonnenfinsternis

Mit dem Dezember leuchte nicht nur die Kerzen am Adventskranz und Weihnachtsbaum – auch am Himmel tut sich einiges. Mit den Geminiden können wir momentan der schönsten Sternschnuppenregen des Jahres bestaunen, Venus und Mars spielen mit der Mondsichel Fangen und in einigen Regionen der Erde gibt es sogar eine ringförmige Sonnenfinsternis.

In diesen Tagen erleben wir die dunkelste Zeit des Jahres, die Sonne steht zurzeit weniger als neun Stunden lang am Himmel. Und selbst wenn die Sonne scheint, steht sie sehr tief am Himmel: Höher als knapp 19 Grad über den Horizont schafft sie es selbst mittags nicht. Nördlich des Polarkreises taucht sie sogar gar nicht auf, hier herrscht nun Dauerdunkel – die Polarnacht.

Stonehenge
Sonnenwende über dem Steinzeitmonument Stonehenge.

Die Wintersonnenwende naht

Doch die Trendwende ist in Sicht: Am 22. Dezember ist Wintersonnenwende und damit der Tag, an dem die Nordhalbkugel am weitesten von der Sonne abgekehrt ist. Die Sonne steht an diesem Tag so tief wie im ganzen Jahr nicht und mit acht Stunden und 21 Minuten erreicht auch die Tageslänge ihr Minimum. Dafür aber wird es ab dann wieder heller. Denn ab der Wintersonnenwende kehrt sich die Nordhalbkugel nach und nach wieder in Richtung Sonne und bekommt so mehr Licht. Jeden Tag steigt dadurch die Sonne ein wenig höher am Himmel hinauf und die Tage werden wieder länger.

Es ist kein Zufall, dass die Wintersonnenwende so kurz vor Weihnachten liegt. Denn dieser himmlische Wendepunkt zum Besseren sollte nach dem Willen der frühen Kirche auch die Geburt von Jesus Christus markieren. Erst durch die Einführung des gregorianischen Kalenders verschob sich das Christfest auf sein heutiges Datum - einige Tage nach der Wintersonnenwende.

Ringförmige Sonnenfinsternis in Matsudo, Chiba, Japan, Mai 2012
Bei einer ringförmigen Sonnenfinsternis schiebt sich der Mond zwar zentral vor die Sonne, kann aber wegen seiner großen Entfernung zur Erde die Sonnenscheibe nicht komplett verdecken. Auch zum Zeitpunkt der größten Abdeckung bliebt also ein feuriger Sonnenrand sichtbar.

Eine Sonnenfinsternis zu Weihnachten

Pünktlich zu Weihnachten kann man in einigen Gebieten der Erde sogar eine Sonnenfinsternis bestaunen – allerdings leider nicht bei uns. Am 26. Dezember wird sich der Mond direkt vor der Sonnenscheibe vorbeiziehen und sie dabei für dreieinhalb Minuten verdunkeln. Weil der Mond momentan relativ weit von der Erde entfernt steht, bedeckt er die Sonne dabei aber nicht komplett, sondern lässt am Rand einen hellen Rand frei. Astronomen sprechen daher von einer annulären oder ringförmigen Sonnenfinsternis.

Zu sehen ist dieses Himmelsschauspiel in einem 120 Kilometer breiten Streifen, der sich von der Arabischen Halbinsel über Südindien und Sri Lanka bis nach Südostasien erstreckt. Der Pfad der Finsternis überstreicht damit einige der am dichtesten besiedelten Gebiete der Erde. Im Norden Australiens können die Menschen immerhin noch eine partielle Sonnenfinsternis erleben.

Geminiden-Schauer
Die Sternschnuppen der Geminiden gehen scheinbar vom Sternbild Zwillinge aus, von ihm haben sie ihren Namen.

Doppelter Sternschnuppenregen

Ein Himmelsschaupiel, das wir auch bei uns in Deutschland sehen können, sind die Geminiden – einer der schönsten Meteorschauer des Jahres. Wer die Winterkälte nicht scheut, der kann schon ab Anfang Dezember die Sternschnuppen der Geminiden beobachten. Zum Höhepunkt dieses Meteorschauers am 13./14. Dezember kann es bis zu 120 Sternschnuppen pro Stunde regnen. Allerdings wird der noch fast volle Mond in dieser Nacht die leuchtenden Meteore teilweise überstrahlen.

Typisch für die Geminiden sind die mit 35 Kilometer pro Sekunde eher langsamen Sternschnuppen, die dadurch lange am Himmel zu sehen sind. Ursprung dieser Meteore sind winzige Bruchstücke des Asteroiden 3200 Phaethon, durch die Erde jedes Jahr im Dezember fliegt. Dass die Meteore von einem Asteroiden stammen, statt von einem Kometen ist eher ungewöhnlich, da diese steinernen Brocken normalerweise zu stabil sind, um einen Schweif aus Staub zu bilden. Doch Phaeton kommt der Sonne auf seiner Bahn immer wieder so nahe, dass sein Gestein durch die enorme Schwerkrafteinwirkung Brüche bekommt und Staub und Trümmerstückchen ausgeschleudert werden.

Kurz nach dem Geminiden wartet schon der zweite Meteorschauer dieses Monats: die Ursiden. Sie haben ihren Höhepunkt direkt vor Weihnachten in der Nacht vom 22. zum 23. Dezember. Zwar fällt die Sternschnuppen-Ausbeute bei diesem Meteorschauer weit weniger üppig aus als bei den Geminiden – gerade einmal zehn Sternschnuppen pro Stunde sage die Astronomen voraus. Dafür aber gibt es in dieser Nacht kein störendes Mondlicht.

Schematische Darstellung der Bahn des Asteroiden 3200 Phaeton
Auslöser des Meteorschauers der Geminiden ist der Asteroid 3200 Phaeton, der alle 1,43 Jahre der Sonne besonders nahe kommt.

Tanz der Planeten

Wem die Sternschnuppen zu flüchtig sind, für den gibt es am Himmel einige besonders schöne Konstellationen der Planeten zu sehen. Am 11. Dezember begegnen sich am frühen Abend Venus und Saturn. Der helle "Abendstern" zieht dabei am südwestlichen Himmel ganz nah unter dem Ringplaneten vorbei. Am 28. und 29. Dezember hat die Venus gleich ein doppeltes Rendezvous mit der schmalen Mondsichel. Diese steht am ersten Abend weniger als drei Fingerbreit rechts von der Venus, in der nächsten Nacht dagegen links von ihr.

Einen ähnlichen Tanz vollführt unser Nachbarplanet Mars schon einige Tage vorher mit der dann noch abnehmenden Mondsichel: Am frühen Morgen des 23. Dezember steht sie links von ihm, am 24. Dezember hat der Mond den Mars überholt und steht nun rechts. Im Gegensatz zu seinem "Starauftritt" im Sommer 2018 ist der Rote Planet momentan allerdings deutlich weniger hell – aber noch immer gut als leicht rötlicher Lichtpunkt im Südosten erkennbar.

NPO, 04.12.2109
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