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Von Akelei bis Frauenmantel: Stars im Staudenbeet

Welche Blume heißt auch »Jungfer im Grünen«?

Die einjährige Nigella damascena, die im Volksmund zudem »Gretel in der Heck« oder »Braut in den Haaren« genannt wird. Mitunter wird sie auch als Schwarzkümmel bezeichnet, da sie mit dem Echten Schwarzkümmel (Nigella sativa) verwandt ist.

Die Jungfer ist ein Sonnenkind aus dem Mittelmeerraum und schmückt sich von Juni bis September mit ihren auffälligen Blüten. Ihre Blütenfarbe variiert zwischen Weiß, Rosa und Blau bis Violett. Besonders grazil sind die zarten, nadelförmigen Laubblätter, die die Blüten wie eine Halskrause umgeben. Selbst in abgeblühter Form sieht die Pflanze noch hübsch aus, wenn die ballonförmigen Fruchtstände von den feinen Blättchen umrahmt werden. Getrocknet machen sich die Fruchtstände gut in Gestecken oder Kränzen. Sie enthalten die kleinen schwarzen Samenkörner, die an Kümmel erinnern. Im Garten sät sich die Jungfer gern selbst aus.

Woran kann man die Akelei erkennen?

An ihrer charakteristisch geformten Blüte. Die im Frühsommer an langen Stielen erscheinenden Blüten setzen sich aus fünf äußeren Hüllblättern und fünf Honigblättern zusammen. Letztere bilden einen auffallenden, einwärts gebogenen Sporn. Dieser ist gerade so groß, dass eine Hummel ihren Kopf in die Blüte stecken kann. Daher beißen Hummeln diesen Sporn zuweilen von außen an, um rascher an den süßen Nektar zu gelangen. Damit ersparen sie sich die Mühe, in die Blüte hineinzukriechen, bringen die Pflanze auf diese Weise jedoch um die Bestäubung.

In den Gärten findet man meistens Hybriden der amerikanischen Aquilegia canadensis und der aus Europa stammenden Gewöhnlichen Akelei (Aquilegia vulgaris), die als Wildpflanze in lichten Wäldern und auf Wiesen nur noch selten anzutreffen ist.

Übrigens: Die schwach giftigen Pflanzen lieben frische, kalkreiche Böden und Halbschatten; ausreichend Feuchtigkeit vorausgesetzt, gedeihen sie auch an sonnigen Plätzen.

Welche Blume zeigt politische Haltungen an?

Die Gartennelke (Dianthus caryophyllus). Im 20. Jahrhundert gab sie der »Nelkenrevolution« – dem Aufstand der Armee in Portugal am 25. April 1974 gegen die Diktatur – ihren Namen. Doch schon um 1790 steckten sich französische Royalisten rote Nelken als Zeichen ihrer Königstreue ins Knopfloch. Und seit Ende des 19. Jahrhunderts ist die Blume auch florales Signet der österreichischen Sozialdemokraten, das zahlreiche sozialistische Parteien übernahmen. Die Gartennelke blickt allerdings nicht nur auf eine einzigartige »politische Karriere« zurück, sondern wird nicht zuletzt wegen ihrer auffälligen Blüte als Zierpflanze geschätzt.

Übrigens: Die meisten in der freien Natur wachsenden Nelkenarten blühen im Vergleich zur Gartennelke viel zarter, z. B. die Heidenelke (Dianthus deltoides) oder die Karthäusernelke (Dianthus carthusianorum).

Wo sind Pfingstrosen ein nationales Symbol?

In China. Die süß duftende, rosa bis rot blühende Chinesische Pfingstrose (Paeonia lactiflora) wurde dort poetisch »Shao-yao« genannt, was übersetzt so viel wie »Allerschönste« oder »charmante Schönste« heißt.

Sie wurde bereits im 7. Jahrhundert in den kaiserlichen Gärten angebaut und war einzig den Wohlhabenden vorbehalten. Ihre Beliebtheit nahm solche Ausmaße an, dass sie im Reich der Mitte zum Symbol für Wohlstand und Glück wurde. Einige Sorten waren so wertvoll, dass man sie sogar mit Gold aufwog oder sie als Mitgift und Erbe weitergab. Die hohe Wertschätzung ließ sie schließlich zur Nationalblume der Chinesen werden.

Welcher Pfingstrose wurden einst Heilkräfte nachgesagt?

Der Gewöhnlichen Pfingstrose (Paeonia officinalis ssp. officinalis), und zwar insbesondere ihrem Wurzelstock (Rhizom). Für den Arzt Dioskurides, der im 1. Jahrhundert n. Chr. lebte, war sie ein Mittel gegen Gift, Hexenzauber und Erregung. Ab dem frühen Mittelalter kultivierte man sie auch nördlich der Alpen in den Klostergärten. Die Äbtissin Hildegard von Bingen (1098–1179) empfahl das Rhizom gegen Mundgeruch, Haarmilben und Geisteskrankheit. Viele dieser Anwendungen finden sich auch in den Kräuterbüchern des 16. Jahrhunderts, etwa bei Hieronymus Bock (1498–1554). Er rät dazu, Wurzel und Samen als Amulett gegen Gespenster und Epilepsie zu tragen. Bis zum 19. Jahrhundert verwendete man die Wurzel noch gegen Epilepsie und Gicht. Die zu Kettchen aufgereihten Samen bekamen zahnende Kleinkinder zum Kauen. Heute hält man nichts mehr von diesen Anwendungen, da ihre Heilwirkung nicht belegt werden konnte.

Was schmückt sich mit herzförmigen Blüten?

Das Tränende Herz (Dicentra spectabilis). Die ursprünglich aus Nordchina und Korea stammende Pflanze gelangte erst im 19. Jahrhundert nach Deutschland. Ihr schöner deutscher Name »Tränendes Herz« beschreibt die Gestalt der rot-weißen Blüten, die in rispigen Blütenständen zusammenstehen und sich im Frühsommer öffnen. Zwei äußere Kronblätter bilden die Form eines Herzens und überdecken die beiden weißen inneren, die sowohl die Staubgefäße als auch den fadenförmigen Griffel umhüllen. Sie schauen als weiße »Träne« aus dem Herzen heraus.

Übrigens: Die außergewöhnliche Blütenform hat die Fantasie der Menschen zu weiteren Wortschöpfungen angeregt. Und so hat man dem Tränenden Herzen viele andere klangvolle Beinamen verliehen, etwa Marienherz, Frauenherz, Herz Jesu, Herzglöckchen, Großmutter in der Badewanne (die rosafarbenen Kronblätter bilden die Wanne, die weißen eine Haube, wie sie ältere Frauen tragen), Balldame (die Blüte wird mit einer Dame im tief dekolletierten Ballkleid verglichen) oder Mädchen im Hemd (die weißen Blütenblätter stellen das Hemd dar).

Blühen Taglilien tatsächlich nur einen Tag?

Ja und nein. Obwohl sich jede einzelne Blüte der Taglilien (Gattung Hemerocallis) nur maximal 24 Stunden öffnet, erstreckt sich die gesamte Blütezeit der Pflanzen doch über einen Zeitraum von mehreren Wochen, wenn nicht gar Monaten. Denn jede welkende Blüte wird umgehend durch eine frische Knospe ersetzt. In China wurden Taglilien mit ihrem »Nur-einen-Tag-lang-Blühen« von Dichtern als Blumen des Vergessens besungen, die den Liebesschmerz schnell schwinden lassen.

Übrigens: Im Reich der Mitte schätzt man die Pflanzen als Gaumengenuss. »Goldene Nadeln«, das sind die getrockneten Knospen der Gelben Taglilie (Hemerocallis lilioasphodelus), werden als pfeffrig süße Beigabe zu verschiedenen Gerichten gereicht. Junge Schösslinge genießt man wie Spargel, Blüten verfeinern Suppen und Salate, Wurzeln werden als Gemüse zubereitet.

Welcher Stoff macht den Eisenhut hochgiftig?

Unter anderem das Alkaloid Aconitin, das in allen Teilen der Pflanze enthalten ist. Schon die Einnahme geringer Mengen kann für Kinder tödlich enden. Die Symptome sind Bauchkoliken und schweres Erbrechen, Sehstörungen und Muskellähmungen, Herzrhythmusstörungen und Atemlähmung. Da das Gift auch über die Haut aufgenommen werden kann, sind Kinder sogar dann gefährdet, wenn sie nur mit den Blüten oder Blättern spielen.

Die Giftigkeit des Eisenhuts (Aconitum napellus) ist seit dem Altertum bekannt, wo er nicht nur als Jagdgift, sondern auch als Mordgift zum Einsatz kam. In der Antike spielte er ähnlich wie der Schierling als Giftpflanze eine Rolle. Im Mittelalter war die Pflanze Bestandteil vieler sog. Hexensalben. Heute werden Eisenhutpräparate unter dem Namen »Aconitum«, »Tubera aconiti« und »Radix aconiti« in der Homöopathie verwendet, um Rheuma, Gicht und Neuralgien zu lindern.

Ist der Anbau von Mohn im Garten erlaubt?

Ja, lediglich der Anbau von Schlafmohn (Papaver somniferum ssp. somniferum), dessen weißer Milchsaft unter anderem Morphin enthält und zu Heroin verarbeitet werden kann, ist in Deutschland verboten; er darf auch nicht zur Zierde kultiviert werden. Die großblumigen, farbenprächtigen Mohnblüten hingegen, die im Frühsommer die Staudenbeete dominieren, gehören zum Türkenmohn (Papaver orientale). Der botanische Name »Orientalischer Mohn« verrät bereits, wo seine ursprüngliche Heimat ist: Kleinasien, genauer Nordiran und Kaukasus. Dort ist er auf mit Kalkschotter durchsetzten Hängen, aber auch auf Wiesen zu finden. Nach Mitteleuropa gelangte der Türkenmohn im 18. Jahrhundert, heute sind zahlreiche Sorten in ungewöhnlichen Farben und Formen im Handel.

Eine Augenweide sind beispielsweise auch die leuchtend gelben und orangefarbenen Blüten des Kalifornische Kappenmohns (Eschscholzia californica), der aus dem Westen der USA stammt. Mit einem strahlenden Gelb erfreuen den Betrachter auch die großen Blüten des Waldscheinmohns (Meconopsis cambrica), der in West- und Nordeuropa wächst. Als einer der faszinierendsten Vertreter der Mohnfamilie gilt jedoch der Tibet-Scheinmohn (Meconopsis betonicifolia), der so intensiv himmelblaue Blüten zur Schau stellt, dass sie wie frisch vom Himmel gezupft wirken.

Welche Pflanze wurde nach Alchemisten benannt?

Die Gattung Alchemilla, die im deutschen Frauenmantel heißt. Die Gelehrten der Chemie verfolgten während des 17. und 18. Jahrhunderts das ehrgeizige Ziel, aus allerlei Substanzen Gold zu gewinnen. So hielten sie auch die sich häufig am Blattgrund des Frauenmantels ansammelnden Wassertropfen für einen Basisstoff des kostbaren Metalls. Tatsächlich handelt es sich bei diesem Wasser schlicht um Feuchtigkeit, welche die Pflanze über sog. Hydathoden am Blattrand ausscheidet – neben den Spaltöffnungen eine weitere Möglichkeit, den Wasserhaushalt zu regulieren.

Wussten Sie, dass …

der Name der Nelke von »Nagel« kommt? Die breiten Kelchblätter ragen nämlich mit einem dünnen, langen Stiel, dem sog. Nagel, in die Kelchröhre hinein.

die Akelei eine sog. Marienblume ist? Mit ihrer gesenkten Blüte galt sie früher als Symbol der Demut und ist deshalb oft zusammen mit Maria, der Mutter Jesu, auf Gemälden abgebildet.

es auch strauchförmige Pfingstrosen gibt? Ursprünglich wuchsen sie in Tibet und Bhutan, werden aber schon seit über 1000 Jahren in China kultiviert; in Europa kennt man sie erst seit dem 18. Jahrhundert.

Wem gab Adonis seinen Namen?

Dem rot blühenden Sommeradonisröschen (Adonis aestivalis). Die griechische Sage berichtet, dass der schöne Adonis, der Geliebte der Göttin Aphrodite, auf der Jagd von einem Eber getötet wurde. Dort, wo sein Blut auf den Boden tropfte, sei der Erde eine wunderschöne Blume – das Adonisröschen – entsprungen.

Übrigens: Der für dieses Hahnenfußgewächs im Volksmund ebenfalls gebräuchliche Name »Teufelsauge« verweist auf die Giftigkeit der Pflanze. Sie enthält nämlich herzaktive Glykoside und ist in seiner Giftwirkung dem Fingerhut vergleichbar.

Welche Blätter schmücken die korinthischen Säulen?

Die Blätter des Akanthus. In ihrer Ebenmäßigkeit sind sie geradezu ein Sinnbild für vollkommene Schönheit und Symmetrie. Von der gleichmäßigen, gelappten und sehr harmonisch anmutenden Form beeindruckt, meißelten die Bildhauer der Antike die Blätter in Stein und verzierten mit ihnen die Kapitelle der korinthischen Säulen.

Auch in späteren Kunstepochen kann man das Blattmotiv immer wieder entdecken. Auf zahlreichen romanischen Kapitellen tauchen sie stark stilisiert genauso auf wie in der Renaissance und im Barock. Manchmal findet man auch ganze Friese, die mit stilisierten Akanthusblättern gestaltet sind.

Wussten Sie, dass …

geschnittene Blüten des Klatschmohns (Papaver rhoeas) schnell welken und deshalb nicht für Sträuße geeignet sind?

im englischsprachigen Raum der Klatschmohn seit dem Ersten Weltkrieg ein Symbol für das Gedenken an gefallene Soldaten ist? Auf frisch aufgeschütteten Grabhügeln war er es, der immer als erste Blume zu blühen begann.

man heute mehr als 270 000 Tagliliensorten kennt? Die meisten stammen aus den USA, dem Mekka der Hemerocallis-Züchter.

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