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Drei Frauen – drei Wege

„Lieber selbstständig machen als Frust bei der Jobsuche“ – Drei Frauen stellen vor, wie sie den Schritt in die Existenzgründung gewagt haben.

Frauen als erfolgreiche Existenzgründerinnen

“Suppengrün“

Was wäre gewesen, wenn sich Christiane Franke mit ihrem Schicksal als arbeitslose Sekretärin abgefunden hätte? Dann gäbe es vermutlich heute kein Lokal namens „Suppengrün“ in Berlin-Mitte, und die Angestellten im Büro- und Botschaftsviertel nahe des Märkischen Museums würden weiterhin an ihren Butterbroten knabbern. So aber pilgern sie täglich zu den Suppen, Salaten und Kuchen in Christiane Frankes Stehlokal. „90 Prozent meiner Gäste sind Stammkundschaft“, freut sich die quirlige Chefin. Am Herd steht Ehemann Hendrik, ein gelernter Koch. Um alle Gästewünsche zu befriedigen, musste das Paar sogar noch eine Vollzeitkraft für Service und Küche einstellen. Ein schöner Erfolg.

Dabei stand die Jungunternehmerin Franke noch im vergangenen Jahr wie Tausende anderer Frauen vor der Frage: Arbeitslos - und nun? Die 35-Jährige sah darin aber auch eine Chance. Sie sagte sich: „Lieber selbstständig als arbeitslos und frustriert.“ Die Idee zu „Suppengrün“ hatte sie da bereits im Kopf. Bei zahlreichen Spaziergängen mit dem Kinderwagen war der jungen Mutter nämlich eine Marktlücke im heimischen Viertel aufgefallen. Wohin sie auch schaute, gab es für die wachsende Schar der Angestellten keine Möglichkeit, mittags mal kurz eine Kleinigkeit zu essen! Christiane Franke hatte den richtigen Riecher. Ihr Lokal ist eine Mischung aus Suppenküche, Coffee-Shop und Snackbar und damit optimal auf die Bedürfnisse ihrer Klientel zugeschnitten.

Immer mehr Frauen denken über Alternativen zur „normalen“ Festanstellung nach. Warum nicht seine Fähigkeiten und Energie in ein eigenes Geschäft stecken, zumal das Arbeitsamt Existenzgründungen fördert. Christiane Franke zum Beispiel nahm für ihr „Suppengrün“ das so genannte Überbrückungsgeld als Startkapital in Anspruch.

“Raumbilder“

Katja Hofmann, ebenfalls aus Berlin, wählte eine neue Unterstützungsform für ihren Schritt in die Selbstständigkeit: die „Ich-AG“. Sie war vom unkomplizierten Ablauf überrascht. „Ich habe dem Arbeitsamt mein Konzept vorgestellt, und dann ging das mit der Förderung ganz schnell“, berichtet die 31-Jährige. „raumbilder“ heißt das im März 2003 gegründete Eine-Frau-Unternehmen. Der Name ist Programm: Katja Hofmann gestaltet passgenaue Bilder für Wohn- und Geschäftsräume. Deren vorhandene Ausstattung, vorherrschende Farben und Stoffe werden in die Arbeiten einbezogen, ihre Wirkung somit verstärkt.

„Früher habe ich solche Bilder zum Ausgleich gemacht“, erzählt Katja Hoffmann. „Früher“, das waren die erfolgreichen Jahre als freie Art-Direktorin in der Werbung. Doch die Krise in der Branche nahm immer mehr zu, Absagen und Vertröstungen waren an der Tagesordnung. „Was tun?“ fragte sie sich jetzt. Als Katja Hofmann dann von der Ich-AG hörte, ergriff sie die Gelegenheit beim Schopf. Die Zahl ihrer Kunden wächst, und Katja Hofmann schmiedet Zukunftspläne. Möglicherweise macht sie sogar bald von der neuen Möglichkeit Gebrauch, Arbeitnehmer in ihrer Ich-AG einzustellen.

“Costoys“

Mit ihrer Kreativität hat auch Aneli Fiebach aus Staufenberg bei Kassel etwas Neues angefangen. Unter dem Namen „Costoys“ entwirft die ehemalige Einrichtungsplanerin „Mode für die experimentierfreudige Frau“. Im Atelier an ihrem Haus entstehen individuelle Modelle und kleine Kollektionen für „Problemmaße“. Aneli Fiebach hat sich einen Traum erfüllt: „Ich wollte schon immer etwas mit Textildesign machen, aber es hat nie geklappt.“

Für die 52-Jährige war das Mode-Atelier ein rettender Ausweg aus einer schwierigen Situation: Nach Arbeitslosigkeit und langer Krankheit sah die berufliche Zukunft eher düster aus. Eine Bekannte brachte sie dann mit dem Connecta-Frauennetzwerk in Kassel zusammen. Mit dessen Unterstützung und Beratung baute sich Aneli Fiebach wieder auf. Eine Referentin und frühere Studienkollegin erinnerte sie an ihr modeschöpferisches Talent - die Initialzündung zu „Costoys“. „Das war Mut zum Risiko“, bekennt Aneli Fiebach. Das Überbrückungsgeld des Arbeitsamtes half ihr bei den ersten Schritten in der Selbstständigkeit.

Drei Frauen, drei unterschiedliche Wege in die Selbstständigkeit

Christiane Franke, Katja Hofmann und Aneli Fiebach möchten andere Frauen von ihren Erfahrungen profitieren lassen. Sie haben sich deshalb der Initiative TeamArbeit für Deutschland angeschlossen und auf der Internetseite der Initiative ihre Geschäftsidee öffentlich gemacht. TeamArbeit für Deutschland ist eine Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit zusammen mit Bürgerinnen und Bürgern aus Politik, Kirche, Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft. Ihr Ziel ist es, das größte Netzwerk gegen Arbeitslosigkeit zu schaffen.

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