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Geocaching: Die größte Schnitzeljagd der Welt

Wer als Kind gerne Verstecken gespielt oder eine Schnitzeljagd gemacht hat, für den könnte Geocaching ein neues Hobby werden. Das Prinzip dahinter ist einfach: Irgendjemand hat irgendwo auf der Welt etwas versteckt und die GPS-Koordinaten davon im Internet vermerkt. Die Aufgabe der Mitspieler ist es, diesen sogenannten Geocache zu finden und sich ins Logbuch einzutragen. Wo und wie schwer das Versteck ist, kann dabei ziemlich unterschiedlich sein. Mittlerweile gibt es auch schon über drei Millionen davon – und manche wurden noch nie gefunden.
JFL, 12.09.2022
Symbolbild Geocaching

PaulaConnelly, GettyImages

Das Global Positioning System (GPS) ist mittlerweile nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken. Wir brauchen es für das Navi unseres Autos, um auf Google Maps nach der nächsten U-Bahn-Station zu schauen oder für den Standort unserer Instagram-Story. Mit der heutigen Technik können wir uns auf den Meter genau orten – doch das war nicht immer so. Als das GPS aufgebaut wurde, war die genaue Position dem US-amerikanischen Militär und der zivilen Luftfahrt vorenthalten. Für Privatpersonen wurde das Signal künstlich verschlechtert: Ohne Zugangsschlüssel konnte man sich nur auf etwa hundert Meter genau orten.

In der Anfangszeit waren Outdoor-GPS-Geräte der Standard, heute tut es oft auch die App auf dem Smartphone. Viele Geocacher haben beides.

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Der Beginn der Schnitzeljagd 2.0

Im Mai des Jahres 2000 wurde dieses Störsignal schließlich abgestellt – GPS-Enthusiasten und Hersteller von Navigationssystemen jubelten. Einer dieser Enthusiasten, Dave Ulmer, wollte die Genauigkeit des Systems testen und erfand dafür ein Spiel mit dem umständlichen Namen „Great American GPS Stash Hunt“, also die „Große Amerikanische GPS-Verstecke-Jagd“. Einen Tag nach der Freigabe des GPS versteckte er einen Eimer in der Nähe von Portland. Dieser war aber nicht leer, sondern enthielt neben einem Logbuch verschiedene Gegenstände, darunter eine DVD, eine Dose Bohnen und eine Steinschleuder. Die Idee dahinter: „Take some stuff, leave some stuff.“ Wer den Eimer findet, kann sich also etwas nehmen, soll aber auch wieder etwas hineinlegen.

Nur einen Tag, nachdem Ulmer die Koordinaten in einem GPS-Forum gepostet hatte, meldete Mike Teague, er habe den Eimer gefunden und sich in das Logbuch eingetragen. Weil immer mehr Leute Gefallen an dem Spiel fanden und sich dem Stash Hunt anschlossen, richtete Teague schließlich eine Website ein, auf der die Koordinaten der ganzen Geheimverstecke gesammelt werden konnten. Um der Aktivität einen etwas griffigeren Namen zu geben, wurde die Website ein halbes Jahr später in geocaching.com umbenannt – zu diesem Zeitpunkt gab es schon 75 Caches.

Pseudo-Nistkasten mit Geocache. Beim Verstecken können die Mitspieler ihrer Fantasie freien Lauf lassen.

Sogar auf der Raumstation ISS gibt es einen

Seitdem hat sich einiges getan. Allein im Jahr 2017 wurden über 500.000 Geocaches versteckt und registriert, mittlerweile gibt es weltweit über drei Millionen Stück. Weltweit ist dabei fast wörtlich zu nehmen: In allen Ländern außer Nordkorea und Äquatorialguinea gibt es einen Cache – sogar in der Antarktis und auf der Raumstation ISS. Wer alle davon finden will und zehn Geocaches am Tag schafft, bräuchte also über 800 Jahre dafür.

Abgesehen von der benötigten Zeit sind auch manche Verstecke besonders tückisch. Nicht alle auf der Website eingetragenen Geocaches geben direkt die Position des Containers frei. Es gibt beispielsweise Mystery-Caches, bei denen erst ein Kreuzworträtsel oder ähnliches gelöst werden muss, um Längen- und Breitengrad zu erfahren. Bei sogenannten Multi-Caches findet man vor Ort erstmal nicht das Ziel, sondern nur einen Hinweis, der einen zur nächsten Station schickt.

Geocaches gibt es außerdem in verschiedenen Größen und Ausführungen: Von einer großen Box mit Aufschrift bis hin zu einem künstlichen benutzten Kaugummi mit QR-Code auf der Rückseite ist alles mit dabei. Es gibt sogar Unterwasser-Caches, die man nur mit Taucherausrüstung erreicht, und solche in Felsspalten, zu denen man klettern muss. Manche sind so gut versteckt, dass sie noch nie gefunden wurden. Der älteste von ihnen wurde 2001 in Venezuela platziert.

Weil die Verstecke oft an attraktiven Orten platziert sind, besteht ein erhebliches Konfliktpotenzial mit Naturschutzzielen.

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Kein ganz ungefährlicher Freizeitspaß

Gerade deshalb ist die GPS-Schnitzeljagd nicht immer ungefährlich. Über die Jahre sind schon mehrere Geocacher tödlich verunglückt, als sie versucht haben, ein Versteck zu erreichen. In den Regeln von geocaching.com ist zwar festgelegt, dass beim Platzieren des Caches ein Mindestabstand zu beispielsweise Bahnanlagen gehalten werden muss, durch ein ungenaues GPS-Signal oder dem Versuch, eine Abkürzung zu nehmen, begeben sich aber immer wieder Personen in Gefahr. Ein paar Mal musste auch schon das Bombenräumkommando ausrücken, weil Caches, aus denen Befestigungsdrähte herausschauten, für eine Rohrbombe gehalten wurden.

Ein weiterer Kritikpunkt an dem Hobby hängt damit zusammen, dass der Container möglichst schwer zu finden sein soll und deshalb häufig mitten im sprichwörtlichen Nirgendwo platziert wird. Die teils rücksichts- oder ahnungslosen Schatzjäger können dann unter anderem Brutplätze von Wildtieren oder empfindliche Vegetation zerstören. Manche Geocaches wurden deshalb auch schon von Naturschützern oder Behörden wieder entfernt. Wer aber Rücksicht nimmt und auf sich und seine Umgebung Acht gibt, kann bei der modernen Schnitzeljagd nicht nur komplexe Verstecke, sondern vielleicht auch ein neues Hobby finden.

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