Lexikon
Lombardei
[
italienisch Lombardìanach den Langobarden
]norditalienische Region, 23 861 km2, 8,9 Mio. Einwohner; Hauptstadt Mailand; im Norden Anteil am Hochgebirge mit Alpenrandseen (Lago Maggiore, Gardasee), im Süden in der Poebene intensive Landwirtschaft, z. T. Reisanbau; wirtschaftlich bedeutendste Region Italiens; in der Poebene Erdgasvorkommen; dicht besiedelt.
Geschichte
In der Lombardei siedelten bis zum 5. Jahrhundert v. Chr. Völker verschiedener Abstammung: Räter, den Latinern verwandte Umbrer, ferner Etrusker und Kelten. Sie wurden bis zum 1. Jahrhundert v. Chr. von Rom unterworfen und durch Militärkolonien und Heerstraßen (Via Aemilia) mit Rom verbunden. Seit der Verleihung des römischen Bürgerrechts an die 89 v. Chr. errichtete Provinz Gallia cisalpina wurde die Lombardei zu Italien gezählt. Nach den ersten Germaneneinfällen der Völkerwanderungszeit eroberten 452 Attilas Hunnen Pavia und Mailand, später regierte Theoderich der Große unter byzantinischer Oberhoheit in Pavia. 569 eroberten die germanischen Langobarden Mailand, errichteten 572 ihren Königssitz in Pavia und teilten ihr Reich in Herzogtümer auf. 774 eroberte Karl der Große (Karl I.) das oberitalienische Langobardenreich und fügte es als Königtum Lombardei 781 dem karolingischen Weltreich ein. Nach Thronwirren bis etwa 1000 schloss sich Mailand den Städten des Lombardischen Bunds gegen Heinrich IV. an und stellte sich mit ihnen im Investiturstreit auf die Seite des Papstes. Die langobardischen Städte erkämpften 1183 ihre Freiheit von Barbarossa. Von 1215 bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts tobten Parteikämpfe zwischen Ghibellinen und Guelfen; in dieser Zeit stiegen die kleineren Landesherren auf, die Visconti in Mailand, Gonzaga in Mantua u. a. – Durch das Einrücken Karls VIII. von Frankreich wurde Oberitalien für Jahrzehnte Kriegsschauplatz im Kampf der europäischen Mächte, bis 1525 durch Kaiser Karls V. Sieg bei Pavia Frankreich ausgeschaltet wurde. 1535 wurde die Lombardei einem spanischen Statthalter unterstellt, 1714 fiel sie an Österreich. Unter Napoleon I. vorübergehend französischer Vasallenstaat, kam sie 1815, mit Venetien zum Lombardisch-Venezianischen Königreich vereint, wieder an Österreich, 1859 an das neu gegründete Königreich Italien.
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