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LEXIKON

Zen

[zɛn; japanisch; aus sanskritisch dhyana]
japanische Bezeichnung für eine buddhistische Sekte, deren Lehre sich als Chan-Buddhismus im China der Tang- und Songzeit entwickelte. Der Legende nach war der Chan-Buddhismus von dem indischen Mönch Bodhidharma (japanisch Daruma) zu Beginn des 6. Jahrhunderts nach China gebracht worden. Seine Anhänger strebten die Erleuchtung (japanisch Satori) in diesem Leben an und wollten sie nicht durch das Studium der heiligen buddhistischen Schriften, sondern durch eine auf Meditation und praktische Arbeit aufgebaute Lebensführung erreichen. Die Chan-Schule war beeinflusst vom Gedankengut des Daoismus und des Konfuzianismus und hatte beträchtlichen kulturellen Einfluss, vor allem auf die Malerei. Dem schlichten, jeden Luxus vermeidenden Ambiente der Klöster entsprach die monochrome Tuschmalerei.
Um 1150 spaltete sich der Chan-Buddhismus in zwei Richtungen auf, die bis heute überlebt haben. In der Caodong-Schule wird besonderes Gewicht auf das unbewegliche Sitzen gelegt. Sie geht davon aus, dass alle Wesen von Geburt an die erleuchtete Buddhanatur besitzen und den Zustand der Erleuchtung in ruhiger Meditation genießen können. Die Linji-Schule bekämpft das rationale Denken und verwendet Beschimpfungen und plötzliche aggressive Attacken, um die Unmittelbarkeit des Satori zu betonen.
Beide Schulen wurden in Japan eingeführt. Eisai (* 1141,  1215) führte die Linji-Schule ein, die Rinzai-Sekte genannt wurde. Dogen (* 1200,  1253) wurde der erste Patriarch der Caodong-Schule, die Soto-Sekte genannt wurde. Beide praktizierten das meditative Sitzen in der Lotushaltung (Zazen). Im Soto-Zen wird das Sitzen als Übung ohne jeden Zweck angesehen, da der Mensch seit seiner Geburt erleuchtet ist. Weiter verbreitete sich die Rinzai-Form. Sie fand ihre Anhänger unter den Samurai, die mit Zen lernten, nicht mehr am Leben zu hängen und dem Tod furchtlos zu begegnen. Die absichtslose Konzentration des Zen wurde zur Grundlage der Kampftechniken, besonders des Schwertkampfs und des Bogenschießens, und findet sich noch heute in allen asiatischen Kampfsportarten.
Der Einfluss des Zen auf die japanische Kultur der Muromachi- und Momoyamazeit (14.16. Jahrhundert) war umfassend. Mit den Bildern chinesischer Maler war das Bokuseki („Tuschespur“) nach Japan gekommen, ein kalligraphischer Schriftstil. Bokuseki-Malereien schmückten die Bildnische (Tokonoma) bei der ebenfalls vom Zen geprägten Teezeremonie (Chanoyu). Der schlichten Zen-Ästhetik entsprachen auch die sparsame Einrichtung der rustikalen Räume aus erlesenen Materialien, die gusseisernen Wasserkessel, die Teekeramik und die kleinen Gärten, deren Anblick dem Gast zu innerer Sammlung verhelfen sollte. Vom Zen beeinflusst vollendete sich das No-Theater. Noch heute lassen sich ästhetische Zen-Einflüsse bis in die Blumensteckkunst (Ikebana) verfolgen.
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