Lexikon

Adenauer

Politik der Westintegration

Als Adenauer 73-jährig die Regierungsverantwortung der Bundesrepublik Deutschland übernahm, war es sein Ziel, dem deutschen Namen wieder Vertrauen und einem neuen deutschen Staatswesen Handlungsfähigkeit und Sicherheit zu erwerben.
Unter dem Eindruck der internationalen Isolierung, überzeugt von einer Bedrohung durch die Sowjetunion, betrieb Adenauer konsequent eine Politik der Westintegration (1951 Montanunion und Europarat; 1952 Deutschlandvertrag; 1954/55 WEU und NATO, Wiedererlangung der Souveränität; 1957/58 EWG und Euratom).
Bekenntnis zum Westen
Bekenntnis zum Westen
In seinen Erinnerungen dokumentiert Konrad Adenauer seine in einem Brief vom Oktober 1945 niedergelegten Leitgedanken zur westdeutschen Politik:

Russland hat in Händen: die östliche Hälfte Deutschlands, Polen, den Balkan, anscheinend Ungarn, einen Teil Österreichs. Rußland entzieht sich immer mehr der Zusammenarbeit mit den anderen Großmächten und schaltet in den von ihm beherrschten Gebieten völlig nach eigenem GutdünkenIn den von ihm beherrschten Ländern herrschen schon jetzt ganz andere wirtschaftliche und politische Grundsätze als in dem übrigen Teil Europas. Damit ist die Trennung in Osteuropa, das russische Gebiet, und Westeuropa eine Tatsache.
In Westeuropa sind die führenden Großmächte England und Frankreich. Der nicht von Russland besetzte Teil Deutschlands ist ein integrierender Teil Westeuropas. Wenn er krank bleibt, wird das von schwersten Folgen für ganz Westeuropa, auch für England und Frankreich sein.
Es liegt im eigensten Interesse nicht nur des nicht von Russland besetzten Teiles Deutschlands, sondern auch von England und Frankreich, Westeuropa unter ihrer Führung zusammenzuschließen, den nicht russisch besetzten Teil Deutschlands politisch und wirtschaftlich zu beruhigen und wieder gesund zu machen ...
Dem Verlangen Frankreichs und Belgiens nach Sicherheit kann auf die Dauer nur durch wirtschaftliche Verflechtung von Westdeutschland, Frankreich, Belgien, Luxemburg, Holland wirklich Genüge geschehen ...
Die Schaffung eines zentralisierten Einheitsstaates wird nicht möglich, auch nicht wünschenswert sein, der staatsrechtliche Zusammenhang kann lockerer sein als früher, etwa in der Form eines bundesstaatlichen Verhältnisses.
Das Kernstück dieser Politik war die Aussöhnung mit Frankreich als Voraussetzung für einen europäischen Zusammenschluss im Rahmen eines atlantischen Bündnisses mit den USA. Die westliche Allianz sollte Adenauer die Teilhabe an einer „Politik der Stärke“ ermöglichen, von der allein er sich die Gewährleistung der westlichen Sicherheit und eine Verständigung über die deutsche Frage versprach. Bis zu einer Wiedervereinigung sollte einzig die aus freien Wahlen hervorgegangene Regierung der Bundesrepublik Deutschland für Deutschland völkerrechtlich sprechen und handeln (Alleinvertretungsanspruch).
Mit der UdSSR vereinbarte Adenauer 1955 die Aufnahme diplomatischer Beziehungen und erreichte dabei die Freilassung von 10 000 deutschen Kriegsgefangenen. Neben der Verankerung der Bundesrepublik Deutschland im westlichen Bündnis war die Wiedergutmachung an Israel (deutsch-israelisches Abkommen 1952) ein besonderes Anliegen Adenauer'scher Außenpolitik.
  1. Einleitung
  2. Politische Laufbahn
  3. Politik der Westintegration
  4. Wiederaufbau und Kanzlerdemokratie
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