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LEXIKON

Ende eines Traums

Ende eines Traums
Aus dem Abschiedsbrief des verurteilten Camille Desmoulins:

Ein wohltätiger Schlaf hat meine Leiden unterbrochen. Wenn man schläft, ist man frei; man hat nicht mehr das Gefühl, gefangen zu sein: der Himmel hat Erbarmen mit mir gehabt ...

Man ruft mich... Soeben haben die Beauftragten des Revolutionstribunals mich verhört. Mir wurde nur die Frage gestellt, ob ich gegen die Republik konspiriert hätte. Wie lächerlich! Kann man denn so das reinste Republikanertum beschimpfen! Ich sehe, welches Schicksal mich erwartet. Adieu, meine Lucile, meine liebe Lolotte, mein gutes Wölfchen; sage auch meinem Vater Adieu. ...
Ich war geboren, um zu dichten, um die Unglücklichen zu verteidigen, um dich glücklich zu machen, um mit deiner Mutter und meinem Vater und noch einigen Menschen nach unserem Herzen zu leben. Ich hatte von einer Republik geträumt, die alle Welt bewundert hätte. Ich hätte nicht geglaubt, dass die Menschen so blutdürstig und ungerecht sind. ...
Ich sehe noch Lucile! Ich sehe sie, meine Vielgeliebte! Meine Lucile! Meine gebundenen Hände umarmen dich, mein Kopf lässt noch, wenn er vom Rumpf getrennt ist, seine sterbenden Augen auf dir ruhen!
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