Lexikon

Gracchus

[
ˈgraxus; Plural Gracchen
]
Zweig des plebejischen Adelsgeschlechts der Sempronier im alten Rom; erlangte besondere politische Bedeutung durch die Brüder Tiberius Sempronius Gracchus (* 162 v. Chr., † 133 v. Chr.) und Gaius Sempronius Gracchus (* 153 v. Chr., † 121 v. Chr.). Als Volkstribun des Jahres 133 v. Chr. wollte Tiberius Gracchus durch eine Neuverteilung des großenteils in den Händen der adligen Großgrundbesitzer befindlichen ager publicus die Lage des römischen Bauerntums verbessern. Als er sich entgegen der Verfassung für das Jahr 132 v. Chr. erneut zum Volkstribun wählen lassen wollte, kam es zum Kampf, und er wurde mit 200–300 seiner Anhänger erschlagen. – 123 v. Chr. nahm Gaius Gracchus das Reformprogramm seines Bruders wieder auf. Durch ein Korngesetz (Verteilung des Getreides zu niedrigsten Preisen) gewann er die Menge. Für die Agrarreform sah er außeritalisches Land vor. 122 v. Chr. erneut zum Volkstribun gewählt, stellte er einen Antrag auf Verleihung des vollen Bürgerrechts an die Latiner und des latinischen Rechts an die übrigen italischen Bundesgenossen. Der Widerstand der Optimaten führte 121 v. Chr. zu Kämpfen
Scheitern des Sempronius Gracchus
Scheitern des Sempronius Gracchus
Fast drei Jahre lang versuchte Sempronius Gracchus den römischen Staat durch Landverteilung und Koloniegründung sowie die Ausweitung des Bürgerrechts grundlegend zu verändern. Er zog sich die entschiedene Feindschaft des Senates zu, den er wahrscheinlich mit Hilfe des Volkes entmachten wollte - möglicherweise, um sich selbst an die Macht zu bringen. Um 100 n. Chr. schreibt der Grieche Plutarch den Ablauf der Ereignisse des Jahre 121 v. Chr. nieder, die zum Sturz des Gracchen führten:

12. Nach Gaius Rückkehr [aus Afrika, wo er eine Kolonie gründete] war das erste, dass er vom Palatin in die Gegend am Forum zog [der Wohnort der ärmeren Schichten]. Damit wollte er seine Verbundenheit mit dem Volke zeigen ... Dann brachte er die übrigen Gesetze heraus, um über sie abstimmen zu lassen. Als aber eine gewaltige Menschenmenge aus ganz Italien zusammenströmte, um sie durchzubringen, wies der Senat den Konsul an, alle Nichtrömer aus der Stadt zu weisen. Und es erging der unerhörte, seltsame Befehl, dass kein Freund und Bundesgenosse sich in diesen Tagen in Rom aufhalten dürfe ... Als Gaius sah, wie einer seiner vertrauten Freunde von den Liktoren des Konsuls fortgeschleppt wurde, ging er vorbei, ohne einen Finger zu rühren. Er wollte nicht merken lassen, wie sein Stern im Untergehen war, oder seinen Feinden, die schon immer nach einer Gelegenheit zu Streit und Händeln suchten, keine Gelegenheit zu bieten. Auch bei seinen Kollegen machte er sich verhasst ... dadurch scheint er sich auch das dritte Tribunat verscherzt zu haben ...

13. Opimius wurde dann zum Konsul gewählt, worauf man eine Reihe von Gaius Gesetzen wieder aufhob ... Damit wollte man Gaius reizen und ihn beseitigen, falls er sich zu einem unbesonnenen Schritte verleiten lassen sollte. Anfangs ließ er sich alles ruhig gefallen; aber auf Betreiben seines Anhangs ... begann er wieder Opposition gegen den Konsul zu sammeln ... An dem Tage, an dem Opimius jene Gesetze aufheben wollte, wurde das Kapitol von beiden Parteien gleich am frühen Morgen besetzt. [Als dabei ein Liktor des Konsuls durch Gaius Anhänger getötet wurde, war Gaius] ärgerlich, weil sie der Gegenpartei ihren längst gehegten Wunsch erfüllt und sich ins Unrecht gesetzt hatten.
14. ... In der Frühe des nächsten Morgens berief der Konsul den Senat in die Kurie und beriet über die Lage ... Die Senatoren ... gaben durch ein Dekret dem Konsul Opimius die Vollmacht ... er solle nach Kräften die Stadt schützen und die Tyrannenmacht brechen. Opimius befahl den Senatoren, in Waffen zu erscheinen, und jedem Ritter, am anderen Morgen mit zwei bewaffneten Sklaven sich einzufinden."
in Rom, und Gaius Gracchus ließ sich auf der Flucht von einem Sklaven töten; 3000 seiner Anhänger wurden hingerichtet.
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