Lexikon
Lẹnin
eigentlich UljanowDer Weg zum Revolutionär
Aus kleinadlig-bürgerlichen Verhältnissen stammend, stieß Lenin nach der Hinrichtung seines älteren Bruders Alexander (1887) wegen der Beteiligung an der Vorbereitung eines Attentats gegen den Zaren früh zur revolutionären Bewegung. Lenin studierte zunächst an der Universität von Kasan Rechtswissenschaft. Hier verlor er wegen revolutionärer Umtriebe seinen Studienplatz. 1891 legte er das Examen an der Universität von St. Petersburg ab, wo er sich 1893 als Rechtsanwalt niederließ. Er nahm verstärkt Kontakt zu revolutionären Kreisen auf und entschied sich für das Leben eines Berufsrevolutionärs. 1895 gründete er in St. Petersburg zuammen mit J. O. Martow den „Kampfbund zur Befreiung der Arbeiterklasse“. Nach der Verhaftung wegen revolutionärer Aktivitäten wurde Lenin 1897 für drei Jahre nach Sibirien verbannt, wo er 1898 Nadeschda Krupskaja heiratete und die Voraussetzungen zur Revolutionierung Russlands analysierte („Entwicklung des Kapitalismus in Russland“ 1899). Nach der Verbannung ging er nach Westeuropa (London, München, Genf), gab zusammen mit Martow, Plechanow u. a. die Zeitschrift „Iskra“ (Funke) 1900–1905 als „Zentralorgan der Russischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei“ heraus und entwickelte das Konzept einer straff organisierten und zentralisierten Kaderpartei „neuen Typs“ von geschulten Berufsrevolutionären zur Schaffung einer sozialistischen Staats- und Gesellschaftsordnung („Was tun?“ 1902).
Revolution als Beruf
Revolution als Beruf
In seiner Schrift Was tun? Brennende Fragen unserer Bewegung, die 1902 in Stuttgart erscheint, umreißt der im Exil lebende Lenin das Konzept vom bürgerlich-intellektuellen Berufsrevolutionär als kadermäßig organisierten Teil einer Avantgarde, die die Arbeiterschaft zur sozialistischen Revolution führen muss (Auszüge):
Dem russischen Proletariat stehen noch unermesslich härtere Prüfungen bevor, ihm steht ein Kampf gegen ein Ungeheuer bevor, mit dem verglichen das Sozialistengesetz in einem konstitutionellen Lande als wahrer Waisenknabe erscheint. Die Geschichte hat uns jetzt die nächste Aufgabe gestellt, welche die revolutionärste von allen nächsten Aufgaben des Proletariats irgendeines anderen Landes ist...
Wir haben gesagt, dass die Arbeiter ein sozialdemokratisches Bewusstsein gar nicht haben konnten. Dieses konnte ihnen nur von außen gebracht werden. Die Geschichte aller Länder zeugt davon, dass die Arbeiterklasse aus eigenen Kräften nur ein trade-unionistisches Bewusstsein herauszuarbeiten vermag... Die Lehre des Sozialismus ist hingegen aus den philosophischen, historischen und ökonomischen Theorien hervorgewachsen, die von den gebildeten Vertretern der besitzenden Klassen, der Intelligenz, ausgearbeitet wurden...
Der politische Kampf der Sozialdemokratie ist viel umfassender und komplizierter als der ökonomische Kampf der Arbeiter gegen die Unternehmer und die Regierung. Genau so (und infolgedessen) muss die Organisation der revolutionären sozialdemokratischen Partei unvermeidlich anderer Art sein als die Organisation der Arbeiter für diesen Kampf... Die Organisation der Revolutionäre muss dagegen vor allem und hauptsächlich Leute erfassen, deren Beruf die revolutionäre Tätigkeit ist (darum spreche ich von der Organisation der Revolutionäre, wobei ich die revolutionären Sozialdemokraten im Auge habe)...Diese Organisation muß notwendigerweise nicht sehr umfassend und möglichst konspirativ sein...
Und nun behaupte ich, dass 1. keine einzige revolutionäre Bewegung ohne eine stabile und die Kontinuität wahrende Führerorganisation Bestand haben kann; 2. je breiter die Masse ist, die spontan in den Kampf hineingezogen wird, die die Grundlage der Bewegung bildet und an ihr teilnimmt, um so dringender ist die Notwendigkeit einer solchen Organisation und um so fester muss diese Organsiation sein...; 3. eine solche Organisation muss hauptsächlich aus Leuten bestehen, die sich berufsmäßig mit revolutionärer Tätigkeit befassen; 4. je mehr wir die Mitgliedschaft einer solchen Organisation einengen, und zwar so weit, dass sich an der Organisation nur die Mitglieder beteiligen, die sich berufsmäßig mit revolutionärer Tätigkeit befassen und in der Kunst des Kampfes gegen die politische Polizei berufsmäßig geschult sind, um so schwieriger wird es in einem absolutistischen Lande sein, eine solche Organisation zu schnappen und 5. um so breiter wird der Kreis der Personen aus der Arbeiterklasse wie aus den übrigen Gesellschaftsklassen sein, die die Möglichkeit haben werden, an der Bewegung teilzunehmen und sich in ihr aktiv zu betätigen ...
- Einleitung
- Der Weg zum Revolutionär
- Führer der Bolschewiki
- Oktoberrevolution und Machtübernahme
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