Lexikon

Lnin

eigentlich Uljanow

Oktoberrevolution und Machtübernahme

Oktoberrevolution in Russland
Oktoberrevolution in Russland
Der Anführer der Bolschewisten, Wladimir Iljitsch Lenin, der am Tag der Oktober-Revolution in Russland, am 7. 11. 1917, zum Führer des Rats der Volkskommissare ernannt wird, nimmt in einem Brief am 6. 11. 1917 einen Brief an die Mitglieder des Zentralkomitees Stellung zum bevorstehenden Aufstand:

Es ist sonnenklar, dass jetzt jede Verzögerung des Aufstands den Tod bedeuten würde. Mit der Aufbietung meiner ganzen Kraft bemühe ich mich, die Genossen zu überzeugen, dass jetzt alles an einem Faden hängt, dass auf der Tagesordnung Fragen stehen, die nicht durch Konferenzen, nicht durch Kongresse (selbst nicht durch Rätekongresse) entschieden werden, sondern durch die Völker, durch die Masse, durch den Kampf der bewaffneten Massen ...

Man darf nicht warten! Man kann alles verlieren! ... Das hat die Geschichte aller Revolutionen bewiesen und ungeheuerlich wäre das Verbrechen der Revolutionäre, wenn sie den Augenblick verpassten, obwohl sie wissen, dass die Rettung der Revolution, das Friedensangebot, die Rettung Petrograds, die Rettung vor dem Hunger, die Übergabe des Bodens an die Bauern von ihnen abhängt. Die Regierung schwankt. Man muss ihr den Rest geben, koste es, was es wolle! Eine Verzögerung der Aktion wäre der Tod."
Leo Trotzki, der als Vorsitzender des Militärrevolutionären Komitees den Oktoberaufstand angeführt hatte und später Volkskommissar für Äußeres wurde, erinnert sich in seiner Autobiografie "Mein Leben" an den 7./8. 11. 1917
"Als ich über den in der Nacht stattgefundenen Regierungswechsel berichtet hatte, trat für einige Sekunden ein gespanntes Schweigen ein. Dann begann ein Beifall, aber kein stürmischer, sondern ein nachdenklicher. Der Saal erlebte die Ereignisse abwartend. Als sich die Arbeiterklasse auf den Aufstand vorbereitete, war sie von unbeschreiblichem Enthusiasmus erfasst. Nun, da wir die Schwelle der Macht überschritten hatten, machte der elementare Enthusiasmus besorgtem Nachdenken Platz. Darin zeigt sich ein richtiger historischer Instinkt. Denn noch lauerten vor uns die größten Widerstände der alten Welt, Kampf, Hunger, Kälte, Zerrüttung, Blut und Tod."
Nach der russischen Februarrevolution 1917 konnte Lenin mit Unterstützung der deutschen Heeresleitung im verplombten Eisenbahnwagen über Schweden nach Russland zurückkehren, wo er in seinen Aprilthesen „Frieden, Land und Brot“ und „alle Macht den Sowjets“ forderte. Damit setzte er sich in deutlichen Gegensatz zur Kerenskij-Regierung. Nach dem missglückten Juliaufstand 1917 floh Lenin nach Finnland. Er verfasste dort die programmatische Schrift „Staat und Revolution“ und nahm nach seiner Rückkehr Einfluss auf den Aufstand, in dem die Bolschewiki am 25. und 26. Oktober (7. und 8. November nach dem gregorianischen Kalender) unter L. Trotzkijs Leitung in Petrograd die Macht errangen (Oktoberrevolution). Lenin übernahm den Vorsitz des Rates der Volkskommissare.
Die nun folgende Phase war ausgefüllt mit dem Friedensschluss mit Deutschland, der mit Gewalt und Terror verknüpften Durchsetzung der bolschewistischen Macht im Bürgerkrieg in Russland und seit 1921 den Bemühungen um eine Stabilisierung der Wirtschaft durch die „Neue ökonomische Politik“ (NEP). Mit dem Verbot der „Fraktionsbildung“ 1921 leitete Lenin die Unterbindung jeder offenen Diskussion in der Partei ein. In seinem politischen Testament warnte er die Partei davor, J. Stalin in seiner Stellung als Generalsekretär der Partei zu belassen. Lenin starb nach mehreren Schlaganfällen, die, neben den Folgen zweier Attentate, seine Handlungsfähigkeit weitgehend einschränkten. Stalin ließ den einbalsamierten Leichnam in einem eigenen Mausoleum auf dem Roten Platz in Moskau beisetzen, das zur sozialistischen „Pilgerstätte“ wurde.
Lenin über den Kapitalismus
Lenin über den Kapitalismus
Nach dem Aufstand der Kronstädter Matrosen leitet Wladimir I. Lenin wirtschaftliche Reformen ein, die die Versorgung der Bevölkerung verbessern sollen. Die "Neue Ökonomische Politik" (NEP), deren Grundsätze Lenin im Frühjahr 1922 erläuterte, soll vor allem die verarmten Bauern auf die Seite der Sowjetregierung bringen.

Die neue Ökonomische Politik führt zu einer Reihe wesentlicher Veränderungen ... Die überwiegende Masse der Produktionsmittel auf dem Gebiet der Industrie und des Verkehrswesens bleibt in den Händen des proletarischen Staates. Zusammen mit der Nationalisierung des Grund und Bodens zeigt dieser Umstand, dass die neue Ökonomische Politik das Wesen des Arbeiterstaates nicht verändert, die Methoden und Formen des sozialistischen Aufbaus jedoch wesentlich ändert. ... Insbesondere sind gegenwärtig freier Handel und Kapitalismus, die der staatlichen Regulierung unterstehen, zugelassen, und sie entwickeln sich, während andererseits die sozialisierten staatlichen Betriebe auf das so genannte Prinzip der Rentabilität, d. h. auf kommerzielle Grundlage, übergeführt werden ... Ohne sein Wesen zu ändern, kann der proletarische Staat die Freiheit des Handelns und die Entwicklung des Kapitalismus nur bis zu einem bestimmten Grade zulassen und nur unter der Bedingung der staatlichen Regulierung (Aufsicht, Kontrolle, Festsetzung der Formen, der Ordnung usw.) des Privathandels und des privatwirtschaftlichen Kapitalismus ... Die grundlegende, entscheidende, allem anderen übergeordnete Aufgabe der NÖP ist die Herstellung des Zusammenschlusses zwischen der neuen Ökonomik, die wir aufzubauen begonnen haben ... und der bäuerlichen Wirtschaft, die die Wirtschaft von Millionen und aber Millionen Bauern ist ... Unser Ziel ist, den Zusammenschluss herzustellen, dem Bauern durch Taten zu beweisen, dass wir mit dem beginnen, was ihm verständlich, vertraut und heute bei all seiner Armut erreichbar ist, nicht aber mit etwas, was dem Bauernstandpunkt fernliegt, fantastisch ist zu beweisen, dass wir ihm zu helfen verstehen, dass die Kommunisten dem jetzt in einer schweren Lage befindlichen, verarmten, verelendeten, qualvoll hungernden Kleinbauern sofort wirklich helfen. Entweder werden wir das beweisen, oder er wird uns zum Teufel jagen. Das ist völlig unausbleiblich."

Moskau: Lenin-Mausoleum
Lenin-Mausoleum
Der einbalsamierte Leichnam von Wladimir Iljitsch Lenin im Lenin Mausoleum.
  1. Einleitung
  2. Der Weg zum Revolutionär
  3. Führer der Bolschewiki
  4. Oktoberrevolution und Machtübernahme
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