Lexikon
Nerven
Anatomie
die zu Bündeln zusammengefassten und von einer bindegewebigen Hülle umgebenen Nervenfasern (Axone, Fortsätze der Nervenzellen) im peripheren Nervensystem. Sie dienen der Erregungsleitung und -übertragung zwischen den Organen und damit der Steuerung von Lebensvorgängen. Nach der Richtung der Erregungsleitung unterscheidet man afferente Nervenfasern oder Afferenzen (zum Zentralnervensystem hin) und efferente Nervenfasern oder Efferenzen (vom Zentralnervensystem fort). Kommen die Nerven von den Sinnesorganen, werden sie als sensible (für den Tastsinn) bzw. sensorische Afferenzen bezeichnet, kommen sie von den Eingeweiden, heißen sie viscerale Afferenzen. Von Rezeptoren auf der Körperoberfläche kommen die somatischen Afferenzen. Nervenfasern, die Impulse zur Skelettmuskulatur leiten, heißen motorische Efferenzen, die übrigen, die die inneren Organe steuern, heißen vegetative Efferenzen. Die meisten Nerven enthalten sowohl Afferenzen als auch Efferenzen. Nach ihrem Ursprung lassen sich auch Spinalnerven, die dem Rückenmark entstammen, und Hirnnerven, die direkt dem Gehirn entspringen, unterscheiden. Auf dem Weg in ihr Zielgebiet teilen sich die Nerven immer weiter auf und bilden schließlich einzelne periphere Nerven, die ihren Erfolgsorganen zustreben.
Die Erregungsleitung läuft an der Nervenzellmembran ab. Sie beruht auf einer kurzfristigen Änderung der elektrischen Spannung. Im Ruhezustand besteht eine bestimmte Ladungsverteilung von Ladungsträgern (Ionen) zwischen dem Zellinneren und dem Außenmilieu der Nervenzelle. Dadurch herrscht eine elektrische Spannung zwischen der Innen- und Außenmembran von meist –50 bis –100 mV (= Ruhepotenzial). Diese Ladungsverteilung ändert sich bei der Erregungsleitung, weil die Zellmembran für bestimmte Ionen durchlässig wird. Die Ladungsträger suchen die herrschende Potenzialdifferenz auszugleichen. Dieser Vorgang setzt sich entlang der Zellmembran fort. Anschließend wird der ursprüngliche Zustand der Zellmembran wieder hergestellt, und die elektrische Spannung an der Membran wird u. a. mit Hilfe eines komplizierten Mechanismus (Natrium-Kalium-Pumpe) unter Energieverbrauch wieder aufgebaut. Die Nervenleitgeschwindigkeit typischer Säugernerven beträgt 1–120 m/s und ist umso größer, je dicker und markhaltiger eine Nervenfaser ist, denn bei markhaltigen Nervenfasern pflanzt sich die Erregung sprunghaft fort (saltatorische Erregungsleitung, Nervenzelle).
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