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LEXIKON

Pfendorf

Samuel Freiherr von, deutscher Rechtslehrer und Historiker, * 8. 1. 1632 Dorf-Chemnitz, Sachsen,  26. 10. 1694 Berlin; Professor in Heidelberg (1661) und Lund (1670), Historiograph am schwedischen und brandenburgischen Hof; führender Vertreter des Naturrechts als Vernunftrecht und des Völkerrechts, Wegbereiter der Aufklärung. Von der menschlichen Natur ausgehend, machte er deren ursprüngliche Bedürftigkeit (imbecillitas) und Geselligkeit (socialitas) zum Erkenntnis- und Seinsgrund von Staat und Recht. Typisch der Aufklärung zugehörig ist seine Freiheitslehre, wonach der Mensch kraft seiner Vernunft fähig ist, die Gebote des sozialen Zusammenlebens zu erkennen und danach zu handeln. Pufendorfs Rechtssystem, das von großem Einfluss auf die Rechtsgestaltung seiner Zeit war, beruht auf der grundlegenden Lehre von den Handlungen (actiones); moralische Handlungen (Folgen sind dem Handelnden zuzurechnen) und natürliche Handlungen (bloßes Verursachen) sind die beiden Grundarten. Hauptwerke: „Elementorum jurisprudentiae universalis libri duo“ 1660; „De statu imperii Germanici“ 1667 (Pseudonym: Severinus de Monzambano); „De jure naturae et Gentium libri octo“ 1672.
Pufendorf, Samuel
Samuel Pufendorf
Kaisertum ist Makulatur
Kaisertum ist Makulatur
Der Westfälische Friede 1648 gibt den Territorialherren im Deutschen Reich die volle Souveränität. Die Kaiserkrone - aus der Tradition des Mittelalters stammend - und die Reichsidee verlieren rapide an Macht. Der Staatsphilosoph Samuel Freiherr von Pufendorf versucht 1667 die Verfassung des Reiches seit 1648 zu umschreiben:

Es bleibt also nichts übrig, als Deutschland, wenn man es nach den Regeln der Politik klassifizieren will, einen unregelmäßigen und einem Monstrum ähnlichen Staatskörper zu nennen, der sich im Laufe der Zeit durch die träge Nachgiebigkeit der Kaiser, durch den Ehrgeiz der Fürsten und die Ruhelosigkeit der Pfaffen aus einer Monarchie zu so einer ungeschickten Staatsform umgestaltet hat. Jetzt ist Deutschland daher weder eine Monarchie, auch nicht einmal eine beschränkte, wenn auch in gewisser Beziehung der äußere Schein darauf hindeutet, noch auch, genau genommen, eine aus mehreren Staaten zusammengesetzte Konföderation, sondern vielmehr ein Mittelding aus diesen beiden. Dieser Zwitterzustand aber verursacht eine zehrende Krankheit und fortwährende innere Umwälzungen, indem auf der einen Seite der Kaiser nach Wiederherstellung einer monarchischen Herrschaft, auf der anderen die Stände nach völliger Unabhängigkeit streben. Und wie es die Natur aller Degenerationen ist, wenn sie einmal von dem ursprünglichen gesunden Zustand abgewichen sind, in schneller Entwicklung und gleichsam von selbst sich dem anderen Extrem zu nähern, während sie sich nur unendlich schwer auf ihre Urform wieder zurückführen lassen...so wird Deutschland ohne die erschütterndsten Bewegungen und eine gänzliche Verwirrung aller Verhältnisse sich nicht wieder in die Form der Monarchie zwängen lassen, sondern es nähert sich der Verfassung eines föderativen Staatssystems."

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