Lexikon
Reimann, Aribert: Bernarda Albas Haus
- Erscheinungsjahr: 2000
- Veröffentlicht: Deutschland
- Verfasser:
- Deutscher Titel: Bernarda Albas Haus
- Genre: Oper
Die Domäne von Aribert Reimann ist die Vertonung literarischer Vorlagen – mit seiner Oper nach William Shakespeares »König Lear« wurde er 1978 international bekannt, es folgten u.a. musikalische Umsetzungen von Frank Kafkas Roman »Das Schloß« sowie August Strindbergs Dramen »Gespenstersonate« und »Traumspiel«. Nun hat sich Reimann das letzte Stück von Federico García Lorca vorgenommen, »Bernarda Albas Haus«, kurz vor der Ermordung des spanischen Dichters 1936 fertiggestellt und 1945 in Buenos Aires uraufgeführt. Die Tragödie sexuell frustrierter, in ihren Entfaltungsmöglichkeiten brutal eingeschränkter und voller Missgungst gegeneinander agierender Frauen – Bernarda Alba hat nach dem Tod ihres Mannes ihren fünf unverheirateten Töchtern eine achtjährige Trauer verordnet, während der sie das Haus nicht verlassen dürfen – hat Reimann in eine düstere, karge und schlackenlose Musiksprache umgesetzt: Die weiten, von rhythmischen und melodischen Sprüngen unterbrochenen Gesangslinien in den Vokalpartien – zu Mutter und Töchtern kommen noch zwei Mägde sowie die Mutter Bernarda Albas – werden von den Instrumentalisten nicht grundiert, sondern »das Orchester muss zu allem, was geschieht, in unmittelbare Beziehung gesetzt werden« (Reimann). Der Komponist wählt dazu eine ungewöhnliche Besetzung: Vier teils präparierte Klaviere, Flöten und Klarinetten von den höchsten bis zu den tiefsten Lagen, je drei Trompeten und Posaunen sowie eine Tuba. Die Oper wird von einigen Kritikern begeistert aufgenommen, anderen erscheint die Dauer-Intensität des existenziellen Frauengesangs redundant, und der Komponist selbst meint: »Der höllische Mikrokosmos, den Bernarda und ihre Töchter im Haus leben, betrifft uns heutige, zunehmend vernetzte und kontrollierte Welt mehr, als wir es uns vorstellen möchten.«
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