Lexikon

Schweden

Neutralität, Wohlfahrtsstaat, EU-Beitritt

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verfolgte Schweden eine neutrale Außenpolitik, im Inneren wurden liberale Reformen durchgeführt. In den 1870er Jahren erlebte die Industrialisierung ihren Durchbruch, dennoch zwang die wirtschaftliche Situation 1,5 Mio. Menschen zur Auswanderung, vor allem in die USA. 1905 löste sich Norwegen aus der Personalunion. Im 1. und 2. Weltkrieg blieb Schweden neutral. Es wurde Zufluchtsstätte für zahlreiche Emigranten aus dem nationalsozialistischen Deutschland. Die seit 1932 regierenden Sozialdemokraten schufen die Grundlagen des Wohlfahrts- und Sozialstaates.
1946 wurde Schweden UN-Mitglied, lehnte jedoch 1949 eine NATO-Mitgliedschaft ab. Nach dem Tod Gustavs VI. Adolf (19501973) bestieg 1973 Karl XVI. Gustav den Thron. 1986 wurde der langjährige sozialdemokratische Ministerpräsident Olof Palme ermordet.
Nach den Reichstagswahlen 1991 bildete der Konservative Carl Bildt eine bürgerliche Minderheitsregierung, die mit einer schweren Wirtschaftskrise konfrontiert wurde. Diese Entwicklung brachte nach den Wahlen von 1994 wieder die Sozialdemokraten unter Ingvar Carlsson an die Regierung. 1995 wurde Schweden EU-Mitglied. Durch eine Lockerung der Neutralitätspolitik konnten 1995 erstmals schwedische Truppen unter ein NATO-Kommando gestellt werden. Die seit 1996 von dem Sozialdemokraten Göran Persson geführten Regierungen verfolgten eine Politik der moderaten wirtschaftlichen Reformen, ohne die Grundlagen des Wohlfahrtsstaates in Frage zu stellen. 2003 entschied sich die Bevölkerung in einem Referendum gegen die Einführung des Euros. Bei den Wahlen 2006 triumphierte eine Mitte-rechts-Allianz unter Führung der Moderaten Sammlungspartei. Die Sozialdemokraten mussten mit dem schlechtesten Wahlergebnis seit 1921 in die Opposition. Fredrik Reinfeldt (MS) wurde neuer Ministerpräsident an der Spitze einer bürgerlichen Mehrheitskoalition (Allianz für Schweden) aus Gemäßigter Sammlungspartei, Zentrumspartei, Liberaler Volkspartei und Christlichen Demokraten.
Die Auswirkungen der internationalen Finanzmarktkrise bekämpfte das schwedische Parlament mit einem Rettungspaket von über 150 Mrd. Euro, bei dem es sich zum großen Teil um Bürgschaften für Kredite handelte. 2008 verabschiedete das Parlament ein Sicherheitsgesetz, das die Überwachungsbefugnisse der Geheimdienste und Ermittlungsbehörden stark ausweitete. Im folgenden Jahr hob die Regierung das seit fast 30 Jahren geltende Bauverbot für Atomkraftwerke auf. Bei den Parlamentswahlen 2010 verzeichneten die oppositionellen Sozialdemokraten das schlechteste Ergebnis seit 1914, die bürgerliche Allianz für Schweden verfehlte die absolute Mehrheit im Reichstag um zwei Mandate. Die rechtspopulistischen Schwedendemokraten konnten neu in das Parlament einziehen. Reinfeldt führte die bisherige Koalition als Minderheitsregierung fort.
  1. Einleitung
  2. Natur und Klima
    1. Norrland
    2. Svealand
    3. Götaland
    4. Ostseeküste und Schären
    5. Weite Wälder
    6. Im Norden kühl, im Süden gemäßigt
  3. Bevölkerung
    1. Ethnische Zusammensetzung
  4. Bildung
  5. Staat und Politik
  6. Wirtschaft und Verkehr
    1. Ackerbau im Süden, Viehzucht und Forstwirtschaft im Norden
    2. Reiche Bodenschätze
    3. Öffentliche Dienstleistungen
    4. Zweigeteiltes Verkehrsnetz
  7. Geschichte
    1. Reichseinigung und Kalmarer Union
    2. Vom Haus Wasa zum Haus Bernadotte
    3. Neutralität, Wohlfahrtsstaat, EU-Beitritt
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