wissen.de
Total votes: 0
wissen.de Artikel

Melancholie – die positive Traurigkeit

I've got the blues ...

Wer kennt solche Tage nicht: Man ist schwermütig, hat nahe am Wasser gebaut. Beinahe ist es, als ob sich ein feiner Schleier über die Seele gelegt hat, der alles in einem traurigen Licht erscheinen lässt. Der alte Mann, der einsam an der Haltestelle sitzt, oder das kleine Kind, das hingefallen ist und – Kleinigkeiten genügen schon, um einem die Kehle zuzuschnüren oder die Tränen fließen zu lassen. Auf Smalltalk mit dem Nachbarn oder einem Plausch mit der Freundin keine Lust. Lieber allein sein, den Gedanken nachhängen, tagträumen. Für diesen Zustand gibt es einen Namen: Melancholie. 20 bis 30 Prozent der Mitteleuropäer bekennen sich zu ihr.

In unserer heutigen Spaßgesellschaft scheint dieser Zustand fast etwas "Uncooles", etwas Anormales, ja Krankhaftes an sich zu haben. Daher kommt auch die weit verbreitete Meinung, dieser Zustand müsse mit allen Mitteln bekämpft werden. Und so hagelt es schnell vermeintlich gute Ratschläge von allen Seiten: Die Mutter meint, ein Abendessen im Familienkreis täte nun besonders gut. Die beste Freundin will Sie mit ins Kino oder in die Disco zerren, getreu dem Motto "Tu Dir was Gutes, dann geht es Dir wieder besser!". Der Partner will Sie vielleicht anders motivieren und versucht, Ihnen die trübselige Stimmung einfach auszureden. Vielleicht sind es aber auch Sie selbst, die sich diese Gedanken machen und alles daran setzen, dieses Gefühl der Melancholie zu bekämpfen.

 

Die andere Seite der Melancholie

Bevor Sie das nächste Patentrezept gegen Ihre Melancholie ausprobieren, lohnt es sich, diese Stimmung einmal von einer anderen Seite zu betrachten, denn in diesen wehmütigen Momenten liegt auch eine ungeahnte Quelle der Kraft! Melancholie ist genauso ein Teil von uns wie Freude, Trauer, Lebensenergie, Langeweile oder Ekstase. Sie ist also eine ganz natürliche Grundstimmung des Menschen - und keineswegs betrifft das nur die Erwachsenen! Bereits Kinder und Babys haben ihre melancholischen Momente - und sogar die lieben Haustiere durchleben solche Phasen.

Es gibt Momente, in denen wir das Gefühl der Trübsinnigkeit und Traurigkeit auch akzeptieren.. Sie kennen die Leere, die sich im Inneren breit macht, nachdem man einen lieben Besuch oder den Partner, der geschäftlich auf eine längere Reise muss, verabschiedet hat. Der Verstand sagt uns zwar, dass wir ihn ja bald schon wiedersehen, und doch legt sich für einen kürzeren oder längeren Moment Wehmut auf die Seele.

Auch Frauen kennen Phasen der Melancholie, denn kaum eine Frau bleibt von den "Tagen vor den Tagen" verschont und erlebt im Rahmen des so genannten prämenstruellen Syndroms (PMS) möglicherweise auch schwermütige Phasen. Ähnlich verhält es sich mit dem berühmten "Baby-Blues" - der auch als "Wochenbettdepression" bezeichneten vorübergehenden Weinerlichkeit von Frauen in den Tagen nach der Entbindung. Aber was ist, wenn es uns eiskalt und ohne Grund erwischt? Muss man dann nicht schleunigst dagegen angehen und sich wieder umpolen?

Nein! Zuallererst sollten Sie beim Auftreten dieser Stimmung in sich hineinhören. Womöglich stellen Sie fest, dass es doch eine Ursache für Ihren Blues gibt. Meistens beschleicht einen dieses Gefühl nämlich, wenn der Körper und die Seele mal wieder etwas mehr Ruhe brauchen. Nutzen Sie die Gelegenheit, um Ihre eigene Mitte wieder zu finden, um zu Ihrer inneren Ausgeglichenheit zurückzufinden.

 

... klicken Sie zum Weiterlesen auf den folgenden Button
aus der wissen.de-Redaktion
Total votes: 0