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Können Pilze Seuchen auslösen?

Ja, und zwar insbesondere der Mutterkornpilz (Claviceps purpurea). Antoniusfeuer, Gottesrache, Kribbelkrankheit, Höllenfeuer oder Heiliges Feuer – lat. ignis sacer – nannten die Menschen jene geheimnisvolle Seuche, die seit der Antike immer wieder und manchmal ganz unvermutet über sie hereinbrach und in Europa große Landstriche erfasste. Die ersten Anzeichen waren Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindelgefühl und Erbrechen, gefolgt von Hautkribbeln und Taubheitsgefühlen in Fingern, Zehen, Lippen oder Ohren, die in besonders schweren Fällen sogar regelrecht abstarben. Nicht selten war auch das Nervensystem in Mitleidenschaft gezogen, viele Menschen trugen bleibende Schäden davon.

Erst 1630 entdeckte man, dass die ständig wiederkehrenden Seuchen mit dem Verzehr von Getreide zusammenhingen, das von einem eher unscheinbaren Schädling befallen war: dem Mutterkornpilz. Er lebt parasitisch auf verschiedenen Gräsern, darunter auch vielen Getreidearten. Zu erkennen ist der Befall an den typischen schwarzvioletten, bananenförmigen und bis zu fünf Zentimeter langen Dauerstadien (»Mutterkörner«), die wie zu groß geratene, dunkle Getreidekörner aus der Ähre herausragen. Sie fallen, falls sie nicht geerntet werden, im Spätsommer zu Boden, überwintern und keimen im Frühjahr wieder neu aus. Dieser Kreislauf wird durch die Bildung neuer Sporen geschlossen, die Getreidepflanzen infizieren können.

Horst-Michael Prasser
Wissenschaft

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Wissenschaft

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