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Omen am Himmel – vom Ursprung der Astrologie

Über Horoskope scheiden sich die Geister – die einen richten ihr Leben nach ihnen aus, die anderen halten sie für Unfug, Schwafelei und Aberglauben. Gerade jetzt zu Beginn des Jahres werden die Sterne wieder für das ganze Jahr um Rat gefragt. Wir erklären, was hinter der Astrologie steckt, wo ihre Wurzeln liegen und warum es sich nicht um eine Wissenschaft, sondern um einen Glauben handelt.
MAH

Eine Tontafel aus der Bibliothek Assurbanipals mit astrologischen Vorhersagen.

Der Himmel über Babylon

Babylon, 3.000 Jahre vor Christus, gilt als Geburtsstätte der Astrologie und der Astronomie. Zwei Begriffe, die immer wieder gerne verwechselt werden und das nicht ohne Grund. Denn damals gab es diesen Unterschied noch nicht. Schon die Einwohner Mesopotamiens erkannten und benannten die auffälligsten Himmelserscheinungen und ordneten ihnen und ihren Bewegungen am Himmel Bedeutungen zu.

Die Bewegungen der Himmelskörper galten als ihnen als Omen der Götter und hatten direkt Einfluss auf das Handeln – so zumindest glaubten es die Babylonier. Dies überliefern uns „Astronomische Tagebücher“ auf Ton, die von den tägliche Beobachtungen aus der damaligen Zeit berichten. Es galt: „Wie oben, so unten.“ Im Laufe der Zeit entwickelte sich daraus eine hohe Kunst, die immer mehr auch zu Vorhersagen über die Zukunft und das Schicksal von König, Volk und dem Land Babylonien herangezogen wurden.

Dem Horoskop geopfert: Tod des Ersatzkönigs

Um die Vorzeichen geschickt zu nutzen, benötigten die Könige von damals jedoch oft ein gutes Fingerspitzengefühl und ein hohes Maß an Kreativität. Standen die Sterne schlecht, hieß es zum Beispiel: „Wenn am 1. Tag des Monats Nisannu eine Sonnenfinsternis stattfindet, wird der König von Akkad sterben.“ Dann musste gehandelt werden. Es gab die Möglichkeit die Götter zu besänftigen oder im extremsten Fall musste der König kurzerhand einen Ersatzkönig auf den Thron setzen. Dieser hatte  innerhalb von 160 Tagen zu sterben, dann war das böse Omen nicht mehr gültig und der König wurde wieder eingesetzt. Auch für die Kriegsführung wurden die Deutungen gerne als göttliche Billigungen herangezogen.

Alexander der Große und die Sterndeutung

Neben der Astrologie entwickelte sich in Babylon auch die mathematische Astronomie und aus ihr die Kalenderberechnung. Auch die Tierkreiszeichen entstanden durch babylonische Astronomen: Eingeführt wurden die Sternbilder als Messkreis und die Positionen und Bewegungen der Himmelskörper konnten so „durchschaut“ werden. Aber erst im Nachhinein wurden die Tierkreiszeichen auch mit Bedeutungen versehen.

Zur Ausbreitung der astronomisch-astrologischen Kultur der Babyloner kam es zunächst durch die Eingliederung in das achämenidische Weltreich 539 v. Chr. und später durch die Eroberung durch Alexander den Großen 331 v.Chr. Auch dieser große Eroberer kam des Öfteren mit den Horoskopen der Babyloner in Kontakt. Als alle Zeichen am Himmel auf den Tod Alexanders hindeuteten, nutzten seine Astrologen ohne Wissen des Herrschers das Prinzip des Ersatzkönigs: Sie  schickten einen Gefangenen in dessen Lager, der sich zum vollen Erstaunen der Griechen auf den Thron setzte. Er wurde daraufhin verhört und getötet. Es half leider nichts: Alexander der Große verstarb kurz darauf einen plötzlichen Tod.

Tierkreiszeichen und Sternbilder

Ola-Ola / thinkstock.com

Von Indien nach Ägypten und Rom

In der hellenistischen Welt verbreitete sich die horoskopische Astrologie bis nach Indien und Ägypten. Später erreichten die Lehren das römische Reich und fanden sogar beim Kaiser Anklang, aber römische Gelehrte wie Cicero hielten sie bereits für Unfug – auch wenn ihnen teilweise noch die wissenschaftlichen Argumente dafür fehlten. Auch später im Christentum teilte man diese Meinung, allerdings eher aus theologischer Sicht, da laut Bibel das Schicksal nicht über dem freien Willen des Menschen steht.

Bis zum Ende des 17. Jahrhundert hatten desungeachtet Horoskope einen regelrechten Boom. An Höfen und Universitäten wurden sie gedruckt, verbreiteten sich von Italien ausgehend über ganz Europa. Es gab Vorhersagen, Jahresprognosen, Almanache und Darstellungen der astrologischen Medizin.

Astronomie statt Astrologie

Mit Newton, Kepler, Galilei und ihren neuen physikalischen Theorien war es mit dem kosmischen Aberglauben allerdings vorbei. Mit ihnen etablierte sich die wissenschaftliche Astronomie und diese neue Sicht des Himmels machte klar, dass die Sterne und Sternbilder keine Anzeiger göttlicher Wünsche oder des Schicksals sind, sondern schlicht Himmelskörper wie unsere Sonne.

Ein wie auch immer gearteter Einfluss auf unser menschliches Leben ließ sich aus dem neuen, heliozentrischen Weltbild und den damit verbundenen Erkenntnissen nicht mehr herleiten. Heute ist längst klar, dass die Astrologie keine wissenschaftliche Grundlage hat - auch wenn dies viele Astrologen und Horoskopersteller nicht wahr haben wollen. Sie ist stattdessen eher ein Glaubenssystem – vergleichbar einer Religion.

Und trotzdem: Gerade jetzt zu Jahresanfang findet man Horoskope in fast jeder Tageszeitung und Zeitschrift und nicht wenige Menschen stürzen sich begierig auf die vermeintlich so schicksalhaften Worte. Dabei gilt die Astrologie als Pseudo-Wissenschaft und ein Zusammenhang zwischen Sternzeichen, Charakterzügen und Intelligenz wurde bereits widerlegt. Aber warum finden wir in ihnen immer wieder ein Fünkchen Wahrheit? Vielleicht ist es der Wunsch, sich in der heutigen rationalen Welt ein wenig auf eine höhere Macht zu besinnen und wenn der Glaube allein schon hilft, kann dies ja ab und an so nicht schlecht sein.

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