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Der Sternenhimmel auf Brasiliens Flagge

Neymar, Silva, Dante, Hulk und Co: Wenn Brasiliens Nationalspieler die Stadien betreten, dann tragen sie stolz fünf Sterne auf ihren Trikots. 1958, 1962, 1970, 1994 und 2002 – das sind die Jahre, in denen es hieß: Brasilien ist Weltmeister! Keine andere Nation kann mit mehr WM-Sternen aufwarten. Brasiliens Nationalflagge hingegen schon: 27 Sterne sind es, die auf der blauen Himmelskugel in Brasiliens nationalem Hoheitszeichen glitzern.
KEL

Nationalflagge Brasiliens
frreeimages.con

Rio de Janeiro liegt im Kreuz des Südens, Rio Grande do Norte im Skorpion und Roraima im großen Hund: Jeder Stern auf Brasiliens Flagge steht für einen Bundesstaat. Nicht willkürlich sind die Sterne dabei platziert, sondern nach der Sternenkonstellation, die am 15.11.1889 um 08:30 Uhr am Himmel über Rio de Janeiro zu erblicken war. Warum gerade dieses Datum und dieser Ort? Es ist der Tag der Gründung der Republik, die in Rio de Janeiro ausgerufen wurde. Daran soll die Sternenkonstellation auf Brasiliens Flagge erinnern.

Sterne im Zeichen der Republik

Als die Kronprinzessin Isabella, Tochter des Kaisers Dom Pedro II., 1888 das “Goldene Gesetz“ zur Abschaffung der Sklaverei erließ, blieb das nicht ohne Folgen: Die Mächtigen das Landes, die Großgrundbesitzer und das Militär, putschten sich an die Macht. Der Kaiser floh mit seiner Familie ins Exil und am 15. November 1889 war es dann soweit: In Rio de Janeiro rief Manuel Deodoro da Fonseca die Republik der Vereinigten Staaten von Brasilien aus. Zunächst umfasste Brasilien 21 Staaten, so waren es auch 21 Sterne, die die Flagge ursprünglich zierten. Nach und nach erhöhte sich die Anzahl der Staaten und mit ihnen auch die Zahl der Sterne. Seit 1992 sind es nun 27 Sterne auf Brasiliens Fahne.

Jeder Stern auf Brasiliens Flagge steht für einen Bundesstaat
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Die Himmelskugel auf der Flagge trägt außerdem ein weißes Banner. “Ordem e progresso“, so lautet der Schriftzug darauf. Ordnung und Fortschritt, unter diesem Motto soll die neu gegründete Republik stehen. Auf den französischen Mathematiker, Philosoph und Religionskritiker Auguste Comte geht diese Devise zurück. Er vertrat die Ansicht: “Liebe als Grundsatz und Ordnung als Grundlage; Fortschritt als Ziel.“ Das Wort “Liebe“ jedoch, hat es seinerzeit nicht auf die Flagge Brasiliens geschafft.

Im Zeichen von Gelb und Grün

Die königliche Flagge Brasiliens von 1822
Public Domain

Die brasilianischen Fußballfans bilden dieser Tage in den Stadien ein Meer aus Gelb und Grün, denn das sind die Farben ihrer Mannschaft und ihres Landes. Mit gelber Raute auf grünem Grund flattert Brasiliens Flagge im Wind. Grün ist die Farbe der Wälder. Und reich an Wald ist Brasilien in der Tat, beherbergt der Regenwald des Amazonasgebietes doch mehr als 2.500 Baumarten und ist damit einer der größten noch verbliebenen Urwälder weltweit. Doch nicht nur reich an Bäumen ist Brasilien: Gold und Diamanten, das sind die Bodenschätze, die das Land zudem birgt. Diese greift die Farbe Gelb in der Flagge auf: Gelbe Raute auf grünem Grund, das sind Gold und Diamanten in Brasiliens waldreichem Grund.

Blicken wir zurück in die Zeit der König- und Kaiserreiche Brasiliens, dann stehen die Farben Gelb und Grün für etwas ganz anderes. 1822 herrschte König Pedro I. von Portugal über das Land. Grün, das war die Farbe seiner königlichen Familie aus dem Hause Braganza. Seine Gattin, Maria Leopoldine von Österreich, stammte aus dem Hause der Habsburger. Gelb, das war die Farbe ihrer Familie. Und so verband Pedro I. mit der Wahl einer gelben Raute auf grünem Grund ihre beiden Häuser bildlich auf der Flagge seines Landes. Inmitten dieses Bildes thronte seinerzeit das königliche Wappen: Ein gekröntes grünes Schild, umgeben von einem Kaffee- und einem Tabakzweig.

Das königliche und später dann das kaiserliche Wappen schmückten Brasiliens Nationalzeichen insgesamt mehr als 60 Jahre. Solange bis die Republik als Staatsform die Monarchie am besagten 15. November 1889 ablöste und Ordnung und Fortschritt bringen sollte. Und seit dem 11. Mai 1992 ist Brasiliens Fahne nun auch amtlich. Angenommen durch das Flaggengesetz flattert sie seither dergestalt im Wind, wie wir sie heute kennen: 27 weiße Sterne auf blauer Himmelskugel auf gelber Raute auf grünem Grund.
 

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