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Roher Fisch und 5-Sterne-Rinder

Monika Wittmann

Japanisches Essen ist in aller Munde. Rolling-Sushi-Läden schießen in deutschen Großstädten wie Pilze aus dem Boden. Vermutlich, weil sie gleich drei menschliche Bedürfnisse auf einen Streich erfüllen:

 

  1. Sushi ist exotisch, ausgefallen, anders – eben hip.
  2. Wir dürfen die leckeren Röllchen vom laufenden Band fischen, bis wir selbst aus dem Restaurant rollen. Das schmeckt dem Geldbeutel der „Geiz-ist-geil“-Generation.
  3. Und zu allem Überfluss können wir die Völlerei ganz ohne schlechtes Gewissen genießen, denn die japanische Küche ist einfach gesund!

 

Für den mitteleuropäischen Durchschnittsgaumen sind zwar Suppe zum Frühstück, Seetang und roher Fisch etwas gewöhnungsbedürftig. Doch der Nährwert ist unbestreitbar: Fisch und Soja liefern viele wertvolle Eiweißstoffe. Omega-3-Fettsäuren aus dem Meer halten Herz und Kreislauf fit. Und die giftgrüne, tränentreibende Meerettichart Wasabi – unentbehrlicher Begleiter zu Sushi – räumt nicht nur die Nasennebenhöhlen durch, sondern schützt nach einer neuen Studie aus dem Land des Lächelns sogar vor Karies.

 

Hinzu kommt, dass Japaner ihr Essen nicht schlingen, sondern mit viel Sinn fürs Ritual zelebrieren. Als Starter wird ein feuchtes Tuch zur Erfrischung kredenzt. Dann verwöhnt ein bunter Strauß verschiedenster Appetithäppchen die Sinne – von sorgsam handgerollten Sushi bis zu delikat aufgespießten Kushi. Zum guten Benehmen gehört es, dass keiner seine Stäbchen zweimal hintereinander in die gleiche Schale tunkt. So wird jede Mahlzeit zum individuellen Geschmackserlebnis.

 

Das Auge isst mit. Die Speisen präsentieren sich farblich harmonisch abgestimmt. Oft passt sogar das Geschirr zur Jahreszeit: zartes Porzellan zur Kirschblüte, dunkle Keramik im Winter. Die Liebe zum Detail zeigt sich jedoch nicht nur bei Tisch. Die echte japanische Gourmetküche beginnt schon lange, bevor das Essen auf dem Teller landet – bei der Auswahl der besten, frischesten Zutaten.

 

Eine kulinarische Kostbarkeit ist das Kobe-Rind. Damit das Steak so unnachahmlich zart auf der Zunge zergeht, dürfen die Tiere täglich ein Bierchen (zum Stressabbau) trinken. Die Muskeln werden regelmäßig mit Entspannungsmassagen weich geklopft. Das kostet! Bis zu 500 Euro für ein Kilo fein marmoriertes Filet aus dem 5-Sterne-Stall.

 

Hat Ihnen das Menü gemundet? Bedanken Sie sich beim Küchenchef! „Gochiso sama deshita“ heißt „Danke für das Mahl“.

 

Rezept: Miso-Suppe

(schmeckt frühmorgens bis spätabends)


Vermutlich gibt es in Japan ebenso viele Rezepte für Miso-Suppe wie Köche. Hier eine schnelle Variante zum Kosten:

 

Zutaten (im Asien-Shop erhältlich):

200g Tofu

1 Frühlingszwiebel

1l Dashi

70g helle Miso Paste

 

Zubereitung:

  1. Den Tofu in 1cm große Würfel schneiden. Frühlingszwiebel waschen, putzen und in feine Ringe schneiden.
  2. Dashi nach Packungsaufschrift zubereiten und aufkochen.
  3. Die Miso-Paste mit einem Holzlöffel durch ein Sieb passieren und in die heiße Flüssigkeit rühren. Die Suppe erhitzen. Kurz vor dem Kochpunkt vom Herd ziehen.
  4. Tofu und Frühlingszwiebel-Ringe in die Suppe geben.
  5. Fünf Minuten ziehen lassen, dann servieren.

 

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