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Trotz Corona: Umwelt- und Klimaschutz bleiben wichtig

Klimaschutz und Umweltbewusstsein lagen in den letzten Jahren zunehmend im Trend. Doch wie sieht das aktuell in der Corona-Pandemie aus? Ist den Deutschen das Thema Umweltschutz noch wichtig, obwohl sie gerade beispielsweise mit Geldsorgen und ihrer Gesundheit beschäftigt sind? Das Umweltbundesamt hat das in einer Umfrage untersucht.

Laubwald im Sauerland
Eine intakte Umwelt gehört für die meisten Menschen zu einem guten Leben unbedingt dazu.

Dass beispielsweise zu viel Plastikmüll die Meere verschmutzt, Autos mit Abgasen die Luftqualität verschlechtern und Pflanzenschutzmittel die Böden verunreinigen, ist vielen längst klar. All diese Faktoren haben schwerwiegende Folgen für unsere Umwelt, das Klima, Tiere und uns selbst. Deshalb wollen auch immer mehr Menschen umweltbewusster leben. Wie wichtig den Menschen in Deutschland der Klima- und Umweltschutz ist, untersucht das Umweltbundesamt seit 1996 alle zwei Jahre mit der sogenannten Umweltbewusstseinsstudie. Die Experten fanden so heraus, dass viele Deutsche sich etwa seit 2016 mehr für den Umweltschutz interessieren.

Wie wichtig ist uns Umweltschutz?

Aber wie sieht es in Zeiten der  Corona-Pandemie aus? Ist uns der Klima- und Umweltschutz selbst dann noch wichtig, wenn viele sich gerade Sorgen machen, weil sie beispielsweise keinen Job mehr haben und kein Geld verdienen oder als Schüler, Auszubildene und Studenten nur noch digital lernen und kaum soziale Kontakte treffen können?

Dieser Frage sind Forscher des Instituts für angewandte Sozialwissenschaft in Bonn für die neuste Umweltbewusstseinsstudie nachgegangen. Dazu befragten sie im November und Dezember 2020 mehr als 2.000 Menschen ab 14 Jahren zum Thema Umweltschutz und ihrem aktuellen Umweltbewusstsein. Die Ergebnisse wertete das Team aus und verglich sie mit den Vorjahren. Daraus konnten die Experten dann die wichtigsten Langzeit-Entwicklungen ableiten.

Umwelt- und Klimaschutz bleiben Top-Thema

Das Ergebnis: Trotz Corona bleibt der Umwelt- und Klimaschutz in Deutschland wichtig. Zwar beschäftigt viele Befragte coronabedingt vor allem das Bildungswesen und das Gesundheitssystem, aber an vierter Stelle hinter sozialer Gerechtigkeit steht noch immer der Umwelt- und Klimaschutz. So gaben insgesamt 65 Prozent der Befragten an, dass es für sie auch in der Pandemie weiterhin ein sehr wichtiges Thema ist. Besonders den Klimaschutz halten 70 Prozent für weiterhin genauso wichtig, für 16 Prozent ist er sogar wichtiger geworden.

„Corona bestimmt seit mehr als einem Jahr unseren Alltag. Trotzdem ist und bleibt Umwelt- und Klimaschutz ein Top-Thema für die Menschen in Deutschland“, fasst Bundesumweltministerin Svenja Schulze zusammen. Das hängt auch damit zusammen, dass der Zustand unserer Umwelt seit 2018 als immer negativer bewertet wird: „In der aktuellen Befragung halten 60 Prozent den Zustand der Umwelt in Deutschland für gut, 2016 waren es noch 75 Prozent“, so Angelika Gellrich vom Umweltbundesamt. Ein Grund dafür ist laut der Expertin zum Beispiel, dass wir etwa die Auswirkungen des Klimawandel inzwischen auch bei uns spüren, beispielsweise durch sehr trockene Sommer oder Unwetter. Weltweit fällt die Bewertung nochmal deutlich schlechter aus: Hier schätzen nur elf Prozent den Zustand der Umwelt als positiv ein.

Mülldeponie
Trotz des vorhandenen Problembewusstseins stieg die deutsche Mülproduktion schon vor Corona an. Vor allem Verpackungen sind ein Problem.

Handlungsbedarf bei Energie, Verkehr und Landwirtschaft

Für den schlecht werdenden Umweltzustand machen drei Viertel der Befragten vor allem das menschliche Handeln verantwortlich, aber auch die Wirtschaft und Industrie. Viel Menschen wünschen sich, dass der Umwelt- und Klimaschutz im Energie-, Verkehrs- und Landwirtschaftssektor eine größere Rolle spielt als bisher. Deshalb werden in diesen drei Bereichen auch konkrete Veränderungen durch die Politik gefordert. "Die Menschen wünschen sich vor allem von der Politik ein entschlosseneres Handeln“, sagt Gellrich. „Es scheint klar zu sein, dass der Umwelt- und Klimaschutz kein separater Politikbereich ist, sondern eigentlich überall mitgedacht werden muss.“

So wünscht sich etwa jeder zweite Befragte, dass Umwelt- und Klimaschutz in der Verkehrspolitik mehr beachtet werden soll. So fordern zum Beispiel immer mehr Menschen das bislang umstrittene Tempolimit von 130 Kilometern pro Stunde auf Autobahnen: Im Vergleich zur letzten Befragung gibt es dafür mittlerweile mit 65 Prozent eine breite Mehrheit. „Das wäre nicht nur gut fürs ⁠Klima⁠, sondern würde auch für mehr Sicherheit auf den Autobahnen sorgen“, sagt Ministerin Schulze.

Veränderungen möchten viele Befragte auch bei den öffentlichen Verkehrsmitteln: So sollte es beispielsweise für das Flugzeugbenzin keine Steuerbefreiung mehr geben. Außerdem fordern etwa 90 Prozent der Teilnehmer, dass das Fahren mit Bussen und Bahnen kostengünstiger und das Angebot ausgeweitet wird. Auch mehr Radwege und Fahrradstreifen finden mehrheitlich Zustimmung.

Hinzu kommt, dass Umwelt- und Klimaschutz für rund 60 Prozent der Befragten in der Landwirtschaftspolitik und bei der Ernährung eine größere Rolle spielen sollte. Dazu gehört beispielsweise, dass etwa 90 Prozent der Befragten erwarten, dass Verpackungsmüll und Lebensmittelabfälle stärker verringert werden. Und auch das Tierwohl soll stärkeres Gewicht bekommen: Über 80 Prozent der Studienteilnehmer finden, dass noch nicht genug für das Wohlergehen von Nutztieren getan wird. Und für knapp zwei Drittel der Studienteilnehmer gehört zu mehr Umweltschutz bei der Lebensmittelversorgung und -herstellung zudem ein besseres Angebot an vegetarischen und veganen Produkten und Speisen in Kantinen und Gaststätten.

Bereit, etwas zu verändern

„Und damit unsere Gesellschaft umwelt- und klimafreundlicher wird, sind die Befragten auch an vielen Stellen bereit, entsprechende politische Maßnahmen mitzutragen“, so Gellrich. So zeigen die Ergebnisse, dass es für einen sozial-ökologischen Wandel eine große Zustimmung in der Bevölkerung gibt. Rund 90 Prozent der Befragten befürworteten einen zügigen und zugleich sozialverträglichen Umbau zu einer nachhaltigen Wirtschaft. Zudem erhofft sich die Mehrheit von etwa 80 Prozent, dass Deutschland beim Klimaschutz in Zukunft international eine Vorreiterrolle einnimmt.

„Sie wollen Veränderungen und fordern diese auch konkret ein“, so Schulze. „Das macht Mut für die nächsten Jahre, in denen der Klimaschutz zu einer Richtschnur für nahezu alle Politikbereiche werden wird mit dem Ziel Deutschland klimaneutral zu machen. Die Mehrheit der Menschen sieht längst, dass Klimaschutz Arbeitsplätze schafft und unsere Wirtschaft wettbewerbsfähiger macht“, sagt die Ministerin.

Deshalb fordern die Experten des Umweltbundesamtes auch, dass möglichst schnell gehandelt wird. „Wir sollten diese einmalige Gelegenheit, die sich jetzt bietet, nicht verstreichen lassen - zumal ein sozial-ökologischer Wandel nicht nur mehr Lebensqualität schafft, sondern auch die Wirtschaft belebt“, ergänzt Dirk Messner, der Präsident des Umweltbundesamtes.

Quelle: Umweltbundesamt

ABO, 14.05.2021
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