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Warum löste sich der Ostblock langsam auf?

Die UdSSR war in den 1980er Jahren wirtschaftlich nicht in der Lage, mit den Rüstungsprojekten der USA mitzuhalten. Das Geld, das in die Rüstung investiert wurde, fehlte in der Zivilwirtschaft. Als 1985 Michail Gorbatschow zum Generalsekretär der Kommunistischen Partei (KPdSU) gewählt wurde, leitete dieser mit "Glasnost" (Offenheit) und "Perestroika" (Umbau) umfassende gesellschaftliche und wirtschaftliche Reformen ein. Die Planwirtschaft sollte marktwirtschaftliche Züge annehmen und die Demokratisierung gefördert werden. Daneben trieb Gorbatschow die Abrüstung voran; die USA und die UdSSR beschlossen mit dem INF-Vertrag von 1987, alle atomaren Mittelstreckenraketen zu vernichten. Die START-Verhandlungen über die Reduzierung strategischer Atomwaffen wurden fortgeführt, und 1991 bzw. 1993 (mit Russland) zu einem Abschluss gebracht.

In zahlreichen Satellitenstaaten führte die Politik Gorbatschows, die auch "andere Wege des Sozialismus" akzeptierte, zu einem Demokratisierungsprozess. So beschloss Polen Anfang 1989, die Planwirtschaft weit gehend abzuschaffen und das politische System demokratisch umzugestalten. In Ungarn wurde 1989 die Einführung eines Mehrparteiensystems vereinbart. In der DDR zogen die Demokratisierungsprozesse Mitte 1989 eine Massenflucht in den Westen – meist über Ungarn – nach sich; außerdem mehrte sich die Zahl der Menschen, die offen gegen das Regime protestierten, was letztlich im November 1989 zum Fall der Berliner Mauer führte.

Gorbatschows Reformpolitik stieß im eigenen Land auf große Probleme. Zum einen versuchte er, die Vormacht der KPdSU beizuhalten. Doch erwuchs immer mehr Widerstand aus den eigenen Reihen. Zum anderen verbesserte sich die wirtschaftliche Lage der Bevölkerung nicht und viele ehemals unabhängige Staaten, allen voran die baltischen Länder, pochten auf die Wiederherstellung ihrer Souveränität. In dieser Phase – Mitte 1991 – schlug Gorbatschow die Umwandlung der UdSSR in einen Staatenbund aus souveränen Staaten vor. Dies führte im August 1991 zu einem Putsch von Altkommunisten gegen Gorbatschow. Sie wollten die alten sozialistischen Zustände wiederherstellen. Gorbatschow wurde festgesetzt, und Einheiten der Sowjetarmee besetzten Teile Moskaus. Boris Jelzin, der Präsident Russlands, der schon vorher offen für die Marktwirtschaft und die Abkehr vom Sozialismus plädiert hatte, organisierte den Widerstand der Massen gegen den Putsch, der zwei Tage später zusammenbrach.

Der Zerfall der UdSSR war – auch wegen der Veränderungen in den anderen osteuropäischen Staaten – nicht mehr aufzuhalten. Zunächst wurden die baltischen Staaten in die Unabhängigkeit entlassen. Im Dezember 1991 gründete Russland zusammen mit der Ukraine und Weißrussland die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS), der sich später nahezu alle Nachfolgestaaten der UdSSR anschlossen. Damit war die Sowjetunion Geschichte, genauso wie der Kalte Krieg.

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aus der wissen.de-Redaktion
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