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Zecken: Die Blutsauger lauern jetzt auch im eigenen Garten

Endlich wird es wärmer, Sonne und Natur locken nach draußen. Doch mit dem milden Wetter erwachen auch Zeitgenossen der unangenehmen Art: Zecken. Diese Blutsauger machen sich jetzt überall dort auf Nahrungssuche, wo langes Gras und Büsche wachsen – Vorsicht ist daher auch im heimischen Garten geboten.
NPO / Universität Hohenheim

Eine Zecke (Ixodes ricinus) in typischer Lauerstellung.

Erik Karits / thinkstock

Es ist Zeckensaison: Ab jetzt sind auch die Zecken in Deutschland aktiv. Denn die Spinnentiere erwachen mit den milderen Wetter aus ihrer Winterruhe und suchen nun nach einer Blutmahlzeit. Die Jungtiere benötigen das nahrhafte Blut, um sich zum nächsten Stadium weiter zu entwickeln, die Weibchen, um ihre Eier zu produzieren und zulegen. Immer dann, wenn es warm, aber nicht zu heiß ist, herrscht daher Zeckenalarm.

„Alte Weisheiten, zum Beispiel dass Zecken nur im Sommer aktiv sind, gelten nicht mehr. Heute finden wir das ganze Jahr über aktive Zecken“, erklärt die  Parasitologin Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim. Am häufigsten ist bei uns der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus). Er ist für seine Blutmahlzeit nicht sonderlich wählerisch und beißt daher neben Kleinsäugern, Rehen und Hunden auch uns Menschen. Meist ist er es daher, den wir auf unserer Haut auf frischer Tat ertappen.

Gefahr droht auch im eigenen Garten

Entgegen landläufiger Meinung droht ein Zeckenbiss aber nicht nur im Wald. Denn die Blutsauger finden sich überall dort, wo Gras, Büsche und andere Pflanzen wachsen und wo häufiger Tiere zu Gast sind – von der Maus über Igel und Vögel bis hin zum Reh oder Fuchs. Um zum Biss zu kommen,  sitzen die Zecken an der Spitze von Gräsern oder Ästen von Büschen – maximal aber in 1,5 Metern Höhe. Streift dann ein Tier oder ein Mensch nahe genug vorbei, packen sie zu und lassen sich mittragen. 

Sogar im heimischen Garten ist Vorsicht geboten: Bei einer Studie fanden die Forscher der Universität Hohenheim in fast allen untersuchten Gärten auch Zecken – egal wie gepflegt oder waldfern diese Gärten auch waren. Meist sind die Zecken dabei nicht gleichmäßig über den Garten verteilt, sondern halten sich besonders dort auf, wo das Gras länger ist, es Büsche gibt oder dichteren Pflanzenbewuchs. Denn das schützt sie vor Hitze und Austrocknung. „Gartenbesucher sollten sich nach einem Gartenaufenthalt auf Zecken absuchen und vor allem in Süd- und Mitteldeutschland auch impfen lassen“, rät Mackenstedt.

Biss bleibt oft unbemerkt

Größenvergleich: Ein erwachsenes Zeckenweibchen auf einem Finger.

Henrik_L / thinkstock

Wer sich eine Zecke einfängt, merkt davon zunächst meist gar nichts – und das, obwohl die nur wenige Millimeter großen Spinnentiere erst noch eine ganze Weile auf unserer Haut umherkrabbeln, bis sie eine geeignete Bissstelle gefunden haben. Meist wandern sie von den Knöcheln oder Beinen unter der Kleidung nach oben,  bis sie die besonders zarte Haut an der Innenseite der Oberschenkel, der Arme oder am Nacken erreicht haben.

Und auch wenn die Zecke dann zugebissen hat und mit ihren Mundwerkzeugen unser Blut saugt, merken wir oft nicht. Denn mit seinem Speichel injiziert der Blutsauger auch Substanzen, die den Schmerz betäuben und das verräterische Jucken einer Entzündung hemmen. Gleichzeitig geben sie auch eine schnell härtende Masse in die Wunde ab, die sie regelrecht "festzementiert" und davor schützt, während des mehrere Tage dauernden Saugens abgestreift zu werden.

Mit dem Zeckenspeichel kommen die Erreger

Der Biss einer Zecke ist nicht per se schädlich, er kann aber Krankheiten übertragen. In Deutschland sind die von Bakterien verursachte Lyme-Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), eine von Viren ausgelöste Form der Hirnhautentzündung. In Deutschland tragen immerhin rund 30 Prozent aller Zecken die Borreliose-Erreger in sich, die Durchseuchungsrate für die FSME ist liegt nach Schätzungen zwischen einem und bis zu 20 Prozent, betroffen sind hier aber vor allem einige Gebiete Süddeutschlands. Studien zeigen hier, dass die Risikogebiete der FSME nicht gleichmäßig verteilt sind, sondern eher einem Flickenteppich ähneln.

„Wer sich auch viel in der Natur aufhält, sollte sich gegen Hirnhautentzündung impfen lassen“, rät daher Rainer Oehme vom Landesgesundheitsamt in Stuttgart. „In den Risikogebieten liegt die Wahrscheinlichkeit einer FSME-Infektion nach einem Zeckenstich bei 1:50 bis 1:100." Eine Impfung schützt vor den schwerwiegenden Folgen einer Infektion, denn ist die Krankheit erst einmal ausgebrochen, könnten nur die Symptome therapiert werden.

Bei der Borreliose gibt es keine Impfung. Diese bakterielle Infektion kann aber mit Antibiotika gut behandelt werden - vor allem wenn sie frühzeitig erkannt wird. Ein typisches Warnzeichen ist eine größer werdende Rötung rund um die Bissstelle, die sogenannte Wanderröte. Gleichzeitig können auch grippeähnliche Symptome, wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen oder Lymphknotenschwellungen auftreten.

Die fünf häufigsten Irrtümer über Zecken

  1. Zecken fallen von den Bäumen. Nein, das wäre für sie viel zu ineffektiv. Stattdessen lauern die Blutsauger im langen Gras oder auf niedrigen Büschen. Nähert sich ein Mensch oder Tier, strecken sie ihre mit Krallen bewährten Vorderbeine aus und klammern sich bei Berührung fest.
  2. Zecken sind Insekten. Falsch, Zecken gehören nicht zu den Insekten sondern zu den Spinnentieren. Daher haben sowohl ausgewachsene Zecken als auch die Nymphen, das zweite Jugendstadium, nicht sechs sondern acht Beine. Fliegen können Zecken grundsätzlich nicht.
  3. Zecken muss man mit Öl beträufeln oder herausdrehen. Auf gar keinen Fall! Richtig entfernt man eine Zecke, indem man sie mit einer Pinzette nahe der Haut fasst und gerade herauszieht. Sonst spuckt sie Speichel und Krankheitserreger erst recht in die Wunde.
  4. Zecken beißen nur im Frühjahr. Stimmt nicht. Zecken sind immer dann aktiv, wenn es angenehm warm, aber nicht zu heiß ist. Deshalb herrscht auch in kühleren Sommern Bissgefahr.
  5. Rechtzeitiges Entfernen der Zecke schützt vor Infektion. Das stimmt nur teilweise. Für die von Bakterien verursachte Lyme-Borreliose ist das richtig, nicht aber für die von Viren ausgelöste FSME. Die Viren können sofort übertragen werden.

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