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Zufall macht erfinderisch

Wie sind Sie denn auf diese Internetseite gelangt? Reiner Zufall? Sie grübeln über ein wichtiges Problem und gönnen sich gerade ein paar Minuten Pause? So ein Zufall! Genau diese Technik lehren Erfolgstrainer: Verlassen wir die ausgetretenen Pfade unseres Denkens und lassen wir uns vom Zufall auf die Sprünge helfen.

Monika Wittmann

Ideengeber Zufall

Die Geschichte der Wissenschaft ist voll von Beispielen, in denen Zufälle zu bedeutenden Fortschritten führten. So wie bei dem Bakteriologen Paul Fleming. In eine seiner Bakterienkulturen verirrten sich Schimmelpilze. Er ging der Frage nach, warum die Erreger in dieser Schale nicht mehr gediehen, und entdeckte das Penicillin. Und der Chemiker Kekulé fand die Struktur des Benzolrings durch einen Traum: Er sah eine Schlange, die sich selbst in den Schwanz biss.

Zusammentreffen oder Fügung? Die Frage nach dem Sinn von Zufällen ist heiß umstritten. Der Tiefenpsychologe C. G. Jung sprach von Synchronizität. Seine These: Energie beeinflusst Materie. Deshalb wiesen äußere Geschehnisse häufig Parallelen zum inneren Zustand der Seele auf.

Doch auch wenn wir nicht an die Macht des Schicksals glauben, können wir das, was uns "zufällt", für Beruf oder Privatleben fruchtbar machen. Besonders, wenn uns nichts mehr einfällt. Bei kreativen Blockaden ist der Zufall ein wunderbares Mittel, unsere Fantasie und geistige Beweglichkeit anzuregen.


Wegweiser und Wasserglas

Zufallstechniken bringen unsere grauen Zellen auf spielerische Weise in Schwung. Ähnlich wie beim Brainstorming. Nur dass wir dabei sozusagen Hilfestellung von außen bekommen. Hilfsmittel sind überall und jederzeit vorhanden. Ein Wörterbuch, eine Zeitung, ein Wegweiser oder ein Glas Wasser können ganz neue Anregungen liefern:

  • Bei der Lexikonmethode wählen Sie irgendein Wort aus. Ganz wichtig: Sie müssen es per Zufall finden. Wie ist relativ gleichgültig. Ob Sie sich im Internet treiben lassen, den Finger auf eine Zeitungsseite legen oder ein Wörterbuch so lange durchblättern, bis auf der Straße ein gelber Renault vorbeifährt ... Setzen Sie Ihr Wort in Bezug zu Ihrem Problem oder zu Ihrer Aufgabe. Das schafft ungewöhnliche Querverbindungen, aus denen sich oft höchst originelle Gedanken ergeben.
  • Oder greifen Sie ins Ungewisse - zum Beispiel nach einem Buch. Fassen Sie blind in Ihren Bücherschrank oder in ein Regal der örtlichen Bücherei. Lassen Sie sich überraschen, welcher Titel in Ihre Hände fällt. Lesen Sie das Werk quer, meditieren Sie über eine Seite oder über einen Satz. Was bedeutet der Text für Ihre Ausgangsfrage?
  • Die Glas-Wasser-Methode hilft immer dann, wenn gar nichts mehr geht. Stehen Sie auf und holen Sie sich ein Glas Wasser. Oder gehen Sie auf die Toilette, trinken Sie einen Espresso im nächsten Café, spülen Sie das Geschirr von gestern, ... Wichtig ist, dass Sie den Ort wechseln. Wenn Sie dann an Ihren Arbeitsplatz zurückkehren, findet sich die Lösung häufig wie von selbst.
  • Die Kopfkissen-Methode empfahl schon Großmutter: Schlaf eine Nacht drüber. Je drängender ein Problem ist, umso wichtiger ist es, sich Zeit zu nehmen. Unser Unbewusstes kennt viele Geheimnisse. Wir müssen nur auf unsere innere Stimme hören. Das geht am besten, wenn der Verstand nicht dazwischenfunkt.
  • Auch ein kleiner Spaziergang kann die Gedankenmühle abschalten. Zusätzlich eignen sich Straßenschilder als Wegweiser. Ist die Straße nach einer berühmten Persönlichkeit, einem Ereignis oder einer Pflanze benannt? Fragen Sie sich, was der Name, mit Ihrem Problem zu tun haben könnte.

Natürlich geht es bei allen Zufallstechniken nicht darum, zu einem objektiven Ergebnis zu kommen. Der eine denkt beim "Kamillenweg" vielleicht an Abwarten und Teetrinken. Dem anderen fällt die Hundskamille ein und ihm wird klar, dass ihn seine bisherigen Lösungsversuche nur "auf den Hund" gebracht haben. In jedem Fall wird die Antwort eine sehr persönliche sein. Und das ist gut so - denn der Zufall soll ja Ihren ureigenen Kreativitätsquell zum Sprudeln bringen.

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