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Kinofilm Geostorm: Wetter und Klima manipulieren - geht das?

Im Actionfilm Geostorm wird mithilfe eines Satellitensystems das Wetter kontrolliert. Doch wie realistisch ist diese Idee? Lassen sich Wetter und Klima gezielt beeinflussen? Wir erklären, wie Wissenschaftler auch in der realen Welt versuchen, Herr über Sonne, Wind, Regen und sogar den Klimawandel zu werden - und wie erfolgreich sie dabei wirklich sind.

Hurrikan Gonzalo, 2017
Lassen sich Wetter und Klima gezielt beeinflussen, um zum Beispiel tropische Wirbelstürme zu vermeiden?

Nachdem eine beispiellose Serie von Naturkatastrophen die Erde bedroht hat, schmieden die Regierungschefs der Welt einen Plan. Sie wollen ein Netz aus Satelliten schaffen, das das Wetter nicht nur überwacht, sondern es auch kontrollieren kann. Zunächst scheint das Projekt erfolgreich zu sein. Doch dann schlägt das System zurück: Im Actionfilm Geostorm (ab dem 19.10. im Kino) will der Mensch Herr über Wetter und Klima werden. Die erzählte Geschichte ist zwar reine Fiktion. Doch ähnliche Versuche gibt es längst auch in der realen Welt.

Die Kontrolle über Regen, Sonne und Wind ist ein uralter Menschheitstraum. Schon vor Tausenden Jahren gab es in vielen Kulturen Regenmacher, die mit spirituellen Kräften die Wettergötter gnädig zu stimmen versuchten. In der modernen Welt haben Wetter- und Klimaingenieure diese Rolle übernommen. Beim sogenannten Geo-Engineering geht es inzwischen nicht mehr nur um Verfahren, mit denen man Wolken Niederschlag entlocken kann. Viele Wissenschaftler denken größer. Sie suchen nach Techniken, um unerwünschten Effekten des vom Menschen verursachten Klimawandels entgegenzuwirken.

Ein chaotisches System

Doch lassen sich Wetter und Klima wirklich gezielt beeinflussen? Klar ist: Das Wetter gilt als chaotisches System, in dem schon minimale Veränderungen große Folgen haben können. Das ist der oft zitierte Schmetterlingseffekt. Demnach kann der Flügelschlag eines Falters den Unterschied machen, ob ein Sturm entsteht oder nicht. Auch der Mensch nimmt mit seinem Tun folglich Einfluss auf das Wetter. Das Problem dabei: Welche Tat welchen Effekt hat, lässt sich kaum nachvollziehen.

Trotzdem greifen wir immer wieder bewusst und durchaus auch mit Erfolg in meteorologische Vorgänge ein. Ein Beispiel ist der Blitzableiter. Seitdem wir das Naturphänomen Gewitter verstanden haben, können wir beeinflussen, wo sich die hohen Spannungen zwischen Gewitterwolke und Erdboden entladen. Damit kontrollieren wir strenggenommen jedoch nur eine Folge des Wetters - und nicht das Wetter selbst.

Satellit aus den Kinofilm Geostorm
Im Actionfilm "Geostorm" erfolgt die Wettermanipulation über ein Satellitensystem.

Geimpfte Wolken

Die einzige bisher im großen Stil angewandte Methode, das lokale Wetter den eigenen Bedürfnissen anzupassen, ist die sogenannte Wolkenimpfung. Das Prinzip: Flugzeuge oder Raketen verteilen winzige Salzkristalle aus Silberiodid in den Wolken, die als Kondensationskeime die Tropfenbildung anregen. Die Partikel ziehen Wassertröpfchen an und verbinden sich mit ihnen. So wachsen schnell große Tropfen heran. Diese sinken durch das zunehmende Gewicht - und gehen als Regen nieder. Die Wolke löst sich auf. Vorgemacht hat das die Natur. Denn Wasserdampf braucht immer Kondensationskeime, um abzuregnen. Natürlicher Weise sind das etwa Pollen- oder Staubpartikel.

In Deutschland wird die Wolkenimpfung in erster Linie zur Vermeidung von Unwettern eingesetzt. Wolken werden vereinzelt zum vorzeitigen Abregnen gebracht, um bestimmte Gebiete zu verschonen. Dadurch sollen zum Beispiel Schäden durch Hagel oder schwere Regenfälle in der Landwirtschaft vermieden werden. In anderen Ländern setzen die Behörden dagegen vor allem für Großereignisse auf diesen Trick. Bei den Olympischen Spielen in Peking 2008 sorgten die Veranstalter auf diese Weise für künstlichen Sonnenschein bei der Eröffnungsfeier. Umgekehrt kann durch das gezielte Abregnen Dürren entgegengewirkt werden - auch das hat China schon versucht.

Wirksamkeit umstritten

Wie wirksam der Wolkenbeschuss mit Silberiodid oder anderen Chemikalien ist, ist unter Wissenschaftlern jedoch hoch umstritten. Belastbare statistische Untersuchungen fehlen bislang. Hinzu kommt: Mit der Wolkenimpfung vollzieht der Mensch einen Flügelschlag im chaotischen System, dessen Folgen nie in vollem Ausmaß zu überblicken sind. So sollen beispielsweise in China Versuche des Wetteränderungsamtes, Regen nach Peking zu bringen, vor einigen Jahren nach hinten losgegangen sein - und einen heftigen Schneesturm in die Millionenstadt gebracht haben.

Noch komplizierter wird es, wenn nicht das lokale Wetter, sondern das globale Klima verändert werden soll. Angesichts des Klimawandels haben diverse Forschergruppen erste theoretische und praktische Ansätze für solche Manipulationen entwickelt. Noch befinden sich diese im Experimentierstadium und werden höchstens in Pilotprojekten erprobt. Dennoch gilt das Climate Engineering manchen bereits als Wunderwaffe, um die im Weltklimavertrag formulierten Ziele doch noch zu erreichen. Sie glauben nicht mehr daran, dass eine Reduzierung der Treibhausgase allein die Erderwärmung noch stoppen kann.

Kampf dem Klimawandel

Die Ideen der Klimaingenieure lassen sich grob in zwei Kategorien teilen: Die einen wollen eine weitere Erwärmung durch Kühlung vermeiden - zum Beispiel durch gigantische Spiegel im All oder reflektierende Schwebeteilchen in der Atmosphäre, die die Erde von einem Teil des Sonnenlichts abschirmen. Die anderen planen, bereits emittierte Treibhausgase wieder aus der Luft zu holen - allen voran das Kohlenstoffdioxid.

Ein Beispiel für diese zweite Denkrichtung sind unterirdische CO2-Speicher. Bei dieser Technologie soll Kohlendioxid aus der Luft abgeschieden und in Gesteinsschichten tief im Untergrund verwahrt werden - dort, wo es dem Klima nicht schaden kann. Neben der CO2-Abscheidung zählt auch die Düngung von Algen zu der Kategorie "Treibhausgase entfernen". Denn die Mikroorganismen verbrauchen große Mengen von Kohlendioxid und nehmen einen Teil davon mit zum Meeresgrund, wenn sie sterben und absinken.

Unerwünschte Folgen

Untersuchungen zeigen jedoch, dass die einleuchtend klingenden Lösungen auch unverhoffte Resultate bringen können. So wuchsen bei einem Experiment zur Algendüngung mit Eisensulfat nicht nur die Meeresalgen. Es tauchten plötzlich auch Schwärme von Kleinkrebsen auf, die mit ihrem großen Appetit das Klimaexperiment torpedierten. Schließlich blieben nicht mehr Algenreste übrig als ohne Dünger. Demnach wurde auch nicht mehr Kohlendioxid im Meer versenkt.

Auch bei anderen Ansätzen zeigen sich zunehmend Nachteile - etwa bei der Verminderung der Sonneneinstrahlung. Erst kürzlich haben Wissenschaftler gewarnt, dass diese Form des Geo-Engineerings schwerwiegende Folgen haben könnte. Ihren Berechnungen zufolge würde die Kühlung den Wasserkreislauf bremsen und so in vielen Regionen Dürren und Trockenheit verursachen. Letztlich droht den Wetter- und Klimamanipulanten im wahren Leben womöglich Ähnliches wie im Film: Das Wetter schlägt unerwartet zurück.

Passend zum Thema: das GEOSTORM-Quiz.

DAL, 19.10.2017
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