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Soziales Verhalten: Der Mensch als Teil einer Gruppe

Wann ist ein Mensch erwachsen?

Erst nach Ende der Pubertät, fast 20 Jahre nach seiner Geburt, ist der Mensch körperlich und geistig so weit gereift, dass wir ihn als erwachsenen Menschen betrachten können.

Besonders prägende Lebensabschnitte sind Kindheit und Jugend. Der Mensch schließt die letzte Etappe seiner körperlichen Entwicklung außerhalb des Mutterleibs ab und ist noch lange nach seiner Geburt auf intensive Fürsorge und Pflege angewiesen. Das Kleinkind muss grundlegende Fertigkeiten wie Laufen und Sprechen lernen und üben. Bis zum Eintritt in die Pubertät schulen Kinder wichtige Fähigkeiten wie Erinnern, Planen und abstraktes Denken, während zugleich soziale Beziehungen und Verhaltensnormen an Bedeutung gewinnen.

Wie frei ist der Mensch wirklich?

Damit eine Gesellschaft mit ihren differenzierten und auch komplizierten Strukturen funktioniert, müssen sich die einzelnen Mitglieder, also die Individuen, an bestimmte Regeln halten.

Die Gesellschaft kann nur dann stabil und produktiv sein, wenn alle Mitglieder eine soziale Einheit bilden, das heißt, wenn hinsichtlich bestimmter Grundwerte Übereinstimmung besteht und ein Maximum an sozialer Integration verwirklicht wird. Jede Gesellschaft hat bestimmte Verhaltenserwartungen, die die meisten ihrer Mitglieder auch erfüllen, etwa die Erwartung, dass in der Öffentlichkeit Kleidung getragen wird.

Welche Vorteile bringt die Gesellschaft dem Einzelnen?

Die Gesellschaft bietet den Individuen einen Rahmen, der ihnen erlaubt, sich zu entfalten, ihren Interessen und Wünschen nachzugehen und ihr Leben so weit wie möglich nach ihren Vorstellungen zu gestalten. Dabei werden von Gesellschaft zu Gesellschaft unterschiedlichste Grenzen gezogen. So bieten westliche Gesellschaften ihren Mitgliedern in der Regel mehr individuellen Spielraum in ihrer Lebensgestaltung als beispielsweise orientalische Gesellschaften mit ihren häufig streng geregelten hierarchischen Strukturen.

Wozu braucht eine Gesellschaft Institutionen?

Institutionen gelten als wichtigster Mittler zwischen Individuum und Gesellschaft. Sie repräsentieren das jeweilige Wertesystem einer Gesellschaft und machen es für den Einzelnen erfahrbar.

Zu den Institutionen rechnet man sowohl Organisationen wie Schulen, Kirchen und Betriebe als auch abstrakte, aus Traditionen abgeleitete Verhaltensregeln. Zur Durchsetzung ihres Wertesystems üben alle Institutionen Macht in Form sozialer Kontrolle aus. Dabei wird abweichendes Verhalten mit negativen Sanktionen belegt (z. B. Tadel, Bestrafung) und konformes Verhalten belohnt (z. B. Lob, Beförderung). Im Idealfall verinnerlicht der Einzelne die Normen der Gesellschaft, so dass die äußere Überwachung bzw. Kontrolle des Verhaltens überflüssig wird. Diesen Prozess bezeichnet man als Sozialisation.

Welches Verhalten ist sozial?

Fast alle Handlungen, die ein Mensch ausführt und die ihrem Sinn nach auf andere bezogen sind. Der Handelnde muss sich also bewusst darüber sein, dass sein Tun in irgendeiner Form andere Personen betrifft oder betreffen kann.

Hilft jemand einem anderen Menschen die Treppe hinauf, weil dieser Schwierigkeiten beim Gehen hat, ist dies soziales Handeln. Soziales Handeln liegt aber auch vor, wenn eine Person einen verrutschten Teppich gerade rückt, um zu verhindern, dass andere darüber stolpern – selbst wenn diese davon nichts erfahren. Soziales Handeln heißt ganz einfach auch, bereit zu sein, mit anderen Gesellschaftsmitgliedern zu kommunizieren und sich mit ihnen zu verständigen.

Übrigens: Auch Verkaufen ist sozial, da sich mehrere Personen über das Nahziel ihrer Handlungen, hier der Tausch von Ware gegen Geld, einig sind. Wenn mindestens zwei Personen an einer solchen Aktion beteiligt sind, spricht man von einer Interaktion. Wichtige Voraussetzung ist dabei, dass jeder der an der wechselseitigen Handlung Beteiligten sich über die Absicht des anderen im Klaren ist.

Wie unterscheidet sich die moderne von der mittelalterlichen Gesellschaft?

In den Feudalgesellschaften des Mittelalters lebte und arbeitete die Mehrheit der Menschen unter relativ ähnlichen Bedingungen und nach ähnlichen Verhaltensregeln. Die modernen Industriegesellschaften dagegen sind hoch differenziert. Sie eröffnen ihren Mitgliedern die Möglichkeit, aus einer Vielzahl von Berufen, Einstellungen und Lebensstilen zu wählen. Die Gesellschaft wie auch die Beziehung zwischen Individuum und Gesellschaft ist nicht starr, sondern dynamisch und beständig Veränderungen unterworfen.

Warum ist soziales Handeln für Soziologen so wichtig?

Soziales Handeln gehört zu den Hauptthemen der Soziologie: Der deutsche Nationalökonom und Soziologe Max Weber (1864–1920) verstand die Soziologie als die Wissenschaft vom sozialen Handeln und führte handlungstheoretische Grundbegriffe ein. Auch der amerikanische Soziologe Talcott Parsons (1902–79) hat sich mit der Bedeutung und Systematisierung des menschlichen Handelns beschäftigt und stellte die Theorien des Handelns auf. Dabei berücksichtigte er Ziel und Zweck des Handelns, die Mittel zur Erreichung des Ziels, die Situationsbedingungen und die Wertvorstellungen des Handelnden.

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