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Dem „Sechsten Sinn“ auf der Spur

„Sechster Sinn“ und Intuition

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Das Telefon klingelt und noch ehe Sie den Hörer abheben, denken Sie, das ist sicher Tante Elfriede, obwohl sich besagte Tante schon seit langer Zeit nicht mehr bei Ihnen gemeldet hat. Sie gehen also an das Telefon und tatsächlich ist es Ihre Tante.
Ähnlich verhält es sich manchmal, wenn Sie sich mit dem Auto auf dem Weg zur Arbeit befinden. Jeden Morgen fahren Sie dieselbe Strecke. Doch ausgerechnet heute haben Sie ein komisches Gefühl in der Magengegend, das sie veranlasst, ausnahmsweise einen kleinen Umweg zu fahren. Als sie bald darauf den Verkehrsbericht hören, stellt sich heraus, dass sie dadurch einem Massenunfall entkommen sind, der sich ausgerechnet auf Ihrem herkömmlichen Weg ereignet hat.
In beiden Fällen ist es Ihr „Sechster Sinn“, der sich gemeldet hat. Aus unserem Alltag kennen wir die Redewendungen: „Ach, ich hatte da einen Sechsten Sinn“ oder „Mein Sechster Sinn hat mich veranlasst, einen Umweg zu fahren“. Doch was hat es damit wirklich auf sich? Bringen wir etwas Licht ins Dunkel und betrachten das Ganze etwas weniger geheimnisvoll.

Was es mit dem „Sechsten Sinn“ auf sich hat

Ein anderer Ausdruck für den so genannten „Sechsten Sinn“ ist „Intuition“. Im oben genannten Beispiel ist es die Intuition, die Sie veranlasst, einen anderen Weg zur Arbeit zu nehmen. Intuition bedeutet das spontane, geistige Erfassen einer Situation, eines Menschen oder Gegenstands. Es bedeutet so viel wie Ahnungen oder das plötzliche, meist unerwartete Erkennen nahender Gefahrensituationen. Das ist mit Verstand und Logik allein nicht zu erklären.
Im Gegensatz zu unseren fünf „normalen“ Sinnen wie Tasten, Riechen, Schmecken, Sehen und Hören gibt der „Sechste Sinn“ uns auf unbewusster Ebene Auskunft darüber, ob eine Situation gut oder schlecht für uns ist oder ob wir einem Menschen trauen können oder nicht. Die Intuition bewertet alles auf emotionaler Ebene, wohingegen unsere „normalen“ Sinne alle Informationen körperlich aufnehmen und an unser Gehirn weitersenden wo sie dann vom Verstand verarbeitet werden. Sicher haben Sie sich bei einer Entscheidung auch schon von Ihrer Intuition leiten lassen, ohne dass Ihnen das in dem Moment vielleicht bewusst war. Es gibt immer wieder Umstände, wo wir mit Verstand und Logik jedes erdenkliche Für und Wider einer Situation abwägen. Oft wissen wir nach stundenlangem Grübeln dann nicht mehr, wie wir uns eigentlich entscheiden sollen. Oder wir treffen eine Entscheidung, weil sie uns aufgrund der ganzen Überlegungen als die logischste und beste Lösung erscheint. Doch denken Sie einmal scharf nach: Ist es Ihnen in so einer Situation nicht schon passiert, dass Ihnen die Lösung plötzlich wie „Schuppen von den Augen“ fiel oder Sie zu einem Buch griffen, das sie schon lange nicht mehr in der Hand hatten und Ihnen nun in Ihrer Entscheidung tatsächlich helfen konnte. In diesen Momenten war es ganz klar Ihre Intuition, die sich gemeldet hat.

Was kann Intuition?

Intuition ist ein umfassender Begriff, der unterschiedliche Aspekte beinhaltet:

  • Intuitive Empfindungen stützen sich nicht auf äußere Eindrücke sondern entstehen im Inneren eines jeden von uns.
  • Intuition ist ein wertender, beurteilender Mechanismus.
  • Intuition ist, obwohl - oder gerade weil - sie gefühlsmäßig abläuft, sehr präzise.
  • Intuition hilft uns, Wahrheit von Täuschung zu unterscheiden.
  • Intuitive Beurteilung ist ohne Zögern und ohne vorhergehendes Vergleichen oder Abwägen parat.

Intuition zeichnet sich durch ihre Unmittelbarkeit aus

Intuition unterscheidet sich durch ein kleines aber nicht unwichtiges Detail von der Wahrnehmung durch unsere fünf herkömmlichen Sinne oder vom einfachen Abspulen eines bereits gespeicherten Erlebnisses aus dem Unterbewusstsein: Dies ist der Zeitfaktor. Während es jeweils einige Sekundenbruchteile braucht, bis wir einen äußeren Sinnesreiz mit dem Gehirn verarbeiten - beim Hören haben wir oft gar eine Verzögerung von bis zu drei Sekunden zwischen Ereignis und tatsächlicher Wahrnehmung - entsteht die Intuition sofort und wir nehmen Sie ohne Verzögerung wahr. Dadurch ermöglicht uns der „Sechste Sinn“ schnelles Handeln und schützt uns somit vor mancher Gefahr.
Je mehr wir also unserer Intuition bewusst werden, desto mehr Nutzen können wir aus ihr ziehen. Und glauben Sie nicht dem Volksmund, der behauptet, dass dies eine rein weibliche Eigenschaft ist!

Der „Sechste Sinn“ gibt sich gern unauffällig

Weshalb bemerken wir unseren „Sechsten Sinn“ meist gar nicht? Nun, im Grunde benutzen wir unsere Intuition tagtäglich in vielerlei Situationen, doch wir nehmen sie nicht bewusst als solche wahr, sondern bezeichnen Ereignisse oder bestimmte Handlungen, die wir ohne Begründung tätigen oder erleben, als Zufall, plötzlichen Einfall oder Spontaneität. Manchmal tun wir etwas, weil wir „eben so ein bestimmtes Gefühl“ haben. Ob Sie einen Waldweg entlang laufen und sich an der nächsten Kreuzung „ganz spontan“ für eine bestimmte Richtung entscheiden, weil sie Ihnen als die bessere erscheint, oder ob Sie wie im eingangs genannten Beispiel plötzlich und scheinbar ohne Grund eine ganz andere Fahrtrichtung einschlagen - oft leitet Sie hierbei Ihre Intuition. Viele Unfälle wurden schon verhindert, weil Menschen mithilfe ihres „Sechsten Sinns“ eine Gefahrensituation auf der Straße um Sekundenbruchteile vorausahnten und dementsprechend schnell und sicher handelten.

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