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Gruppe 47: „Ein deutsches Wunder“

Für Literaturliebhaber ist sie ein Mythos: die Gruppe 47. Noch heute, 30 Jahre nach dem Ende der letzten echten Tagung, gilt sie als eine der einflussreichsten Schriftstellervereinigungen. Ins Leben gerufen hatte die Gruppe der Schriftsteller Hans Werner Richter (1908 – 1993), der zwei Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg junge Autoren und Kritiker zu gemeinsamen Lese- und Diskutierrunden einlud. Die erste Tagung fand am 6. und 7. September 1947 am Bannwaldsee in Füssen statt.

von Michael Fischer, wissen.de

Kein Skorpion – eine Gruppe

Natürlich war es die Leidenschaft für Literatur, die Hans Werner Richter – Buchhändler, Literat und ehemaliges KPD-Mitglied – im Sommer 1947 bewogen hatte, mehrere Schriftsteller zu einem gemeinsamen Treffen zu animieren. Doch eine Rolle spielte auch seine Entlassung als Herausgeber der politisch-literarischen Zeitschrift „Der Ruf“ durch die US-amerikanische Besatzungsmacht. Denn die Autoren, die von Richter an den Bannwaldsee im Allgäu eingeladen wurden, hatten alle für die Zeitschrift geschrieben. Und um die Gründung einer Gruppe ging es Richter zunächst auch nicht, sondern vielmehr um die Entwicklung einer neuen Zeitschrift mit dem Namen „Der Skorpion“. Als allerdings Anfang September 1947 neben Richter Alfred Andersch, Günter Eich, Wolfdietrich Schnurre und zwölf weitere Autoren zusammentrafen, und man sich gegenseitig aus den Manuskripten vorlas und Richter nach jeder Lesung zur Kritik aufrief, war bald klar: Hier hatte sich eine literarische Gruppe gefunden.

 

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