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Guerilla Gardening

Guerilla Gardening: hört sich gefährlich an, ist es aber nicht. Was als politische Protestbewegung mit Samengeschossen an tristen Orten in New York begann ist heute das bewusste gärtnerische Gestalten von Bürgern, vor allem an Stellen, wo es keiner erwartet. Doch dieses Handeln wirft auch rechtliche Fragen auf, verändert man doch fremdes Eigentum.
Annette Schana

Wilde Bepflanzung
Harald Frater

Öde Verkehrsinseln, graue Betonpfeiler, brachliegende, unbebaute Freiflächen – dem begegnet Guerilla Gardening. (span. Guerilla: kleiner Krieg und engl. gardening: Gärtnern). Die Guerilleros verwandeln triste Orte in begrünte, sprießende Kunstwerke und Landschaften, in dem sie unauffällig „Überraschungspflanzungen“ vornehmen. Dazu werden Samen rund um Baumscheiben gestreut, kleine Kugeln aus Erde, Ton und Samen, den Seedbombs, auf Verkehrsinseln geworfen oder heimlich beim Spaziergang oder Fahrradfahren an abgelegenen, unzugänglichen Stellen ausgebracht. Sobald es regnet, fangen die Samen an zu sprießen, bildet doch das Drumherum eine hervorragende Wachsgrundlage. Auf diese Art und Weise ausgebracht, bezauberten Sonnenblumen schon manch hässliche Großbaustelle.
Eine weitere Form der Verschönerung ist das Moos Graffiti. Hier wird eine Paste aus Buttermilch, Moos und Erde hergestellt. Zusammen mit etwas Wasser bringt dann der Graffitikünstler seinen Schriftzug oder sein Bild auf eine Wand auf. Das Moos grünt in kürzester Zeit und so entsteht ein organisches Kunstwerk.

Christbaumkugel als Samengranate

Was in den 1970er Jahren in New York als Protestbewegung begann, ist heute beim Guerilla Gardening größtenteils nicht mehr politisch motiviert. Damals waren viele Straßen New Yorks gesäumt von Ruinen und Geröllfeldern, die nach dem Abriss zurückblieben und nur noch als Müllhalden oder als Treffpunkt von Dealern genutzt wurden. Eine kleine Gruppe von Gegnern protestierte gegen diese Zustände. Der „Sprengsatz“ war schnell gebaut: Eine alte Christbaumkugel wurde mit Dünger, Torfgranulat und ein paar Pflanzensamen befüllt, geschüttelt, verschlossen und geworfen. Hinter den Anschlägen verbargen sich die "Green Guerillas". Auch wenn sich mit ihren Granaten Sonnenblumen, Nelken oder Sojabohnen über unzugängliche Brachgelände verstreuten und sie in Blumenwiesen verwandelten, wurden die Guerilla Gärtner zu den Gründern einer Revolution, die weit über New York hinausgehen sollte und heute mehr Anhänger hat denn je.

Lebenswerte Umwelt für Jedermann

Die heutigen Guerilleros ziehen mit Spaten, Gießkannen, Blumenzwiebeln und Pflanzensamen in den „Kampf“. Die Verschönerungsaktionen laufen nicht mehr klammheimlich bei Nacht und Nebel ab, sondern oft ganz offiziell. Gärtnern und Ernten macht Spaß! Die Ausrüstung für das Guerilla Gardening gibt es in Baumärkten, Seedbombs und die Zutaten für Moos-Graffitis sind leicht selbst herzustellen oder in Online-Shops erhältlich. Allerdings muss man wissen, dass die eigene Pflanzaktion auf fremdem Terrain stattfindet.  Grundstücksbesitzer könnten Zerstörung und Sachbeschädigung geltend machen. Das Argument der guten Absicht und der bewussten Verschönerung lässt die deutsche Rechtsprechung nicht zu. Allerdings dulden die Behörden vielerorts die Guerilleros, da sich doch so mancher Zustand durch deren Einsatz erheblich verbessert.

Was ist zu beachten?

Wir erklären Ihnen, was beim Guerilla Gardening alles zu beachten ist. Klicken Sie sich durch!
 

  1. Beim Guerilla Gardening kann Jeder mitmachen.
  2. Alle Bewohner sollten „bearbeitete“ Bereiche nutzen können und sich daran erfreuen und ernten.
  3. Verbände bieten Workshops an und Internetportale informieren über geplante Verschönerungsaktionen.
  4. Samen oder Sprösslinge sollten von einheimischen Arten stammen, da Schmetterlinge und Insekten bei der Nahrungssuche auf bekannte Arten angewiesen sind.
  5. Manche städt. Brachflächen sind zwar unschön, gleichzeitig aber wichtig für die Natur. Eidechsen brauchen die Sonnenseiten von Mauern zum Leben, einige Vogelarten brüten auf dem Boden und benötigen freie Flächen. Sprechen Sie mit Naturschutzbehörden darüber!
  6. Bestimmte Verkehrsführungen müssen aus Sicherheitsgründen einsehbar sein. Plötzlich sprießende krautige Pflanzen können die allgemeine Sicherheit gefährden.
  7. Die kleinen Flächen rund um Straßenbäume, auch Baumscheiben genannt, sind zum Verschönern ideal. Der NABU bietet hierfür spezielle Pflanzlisten.
  8. In der urbanen Landwirtschaft werden inzwischen gezielt Brachflächen freigegeben, um dort Obst und Gemüse anzubauen. Fragen lohnt sich!
  9. Manche Städte bezuschussen sogar mit Fördergeldern.

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