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Hisbollah reißt Libanon in den Krieg

Mit den Angriffen auf Israel und der Entführung von zwei Soldaten hat die Hisbollah den Nahen Osten innerhalb von Stunden an die Schwelle zum Krieg gebracht. Das Eingreifen der radikalislamischen Miliz in den bislang auf den Gazastreifen begrenzten militärischen Konflikt schafft eine grundlegend veränderte Lage in der Region.

Financial Times Deutschland

Die Fahne der Hizbollah ziert ein grünes Maschinengewehr.
Keine militante Extremistengruppe ist schlagkräftiger und keine wird von radikalen Arabern und Islamisten mehr bewundert als die "Partei Gottes". Da hinter der Hisbollah Syrien und vor allem Iran stehen, könnte sich der Konflikt nun zudem auf andere Staaten ausweiten.

Zahlreiche Libanesen verehren die schiitischen Kader als Helden, die den Abzug der israelischen Besatzungstruppen im Mai 2000 erreichten. 18 Jahre zuvor waren die vom damaligen Verteidigungsminister Ariel Scharon geführten Einheiten in Libanon einmarschiert, um durch einen israelisch besetzten Sicherheitsstreifen Angriffe von Kämpfern der Palästinensischen Befreiungsfront (PLO) Jassir Arafats zu unterbinden.

Staat im Staat

Nachdem Arafat aus Beirut abgezogen war und in Tunis sein Exil bezog, wuchs die Bedeutung der Hisbollah. Mit Hilfe von Iran, das bis heute mit Waffenlieferungen und Finanzspritzen Garant für die militärische Stärke der Organisation ist, baute die Hisbollah einen "Staat im Staat" auf. Zum militärischen Flügel der Partei gehören nach eigenen Angaben rund 15.000 kampferprobte Männer und bis zu 70.000 Soldaten, die sich innerhalb kurzer Zeit mobilisieren ließen.

Der größte militärische Erfolg war der Abzug Israels im Jahr 2000. Die dauernden verlustreichen Angriffe der Guerilla hatten Israel zum Rückzug gebracht. Aus diesem als "Sieg" gefeierten Erfolg schöpft die Hisbollah bis heute ihre besondere Anerkennung. Außerdem durfte die Organisation als einzige Miliz nach dem Ende des Bürgerkriegs in Libanon ihre Waffen behalten und festigte so ihren Einfluss im Land.

Soziales Netzwerk

Hinzu kommt, dass die von Generalsekretär Hassan Nasrallah geführte Organisation in das an Israel angrenzende Südlibanon ein breites soziales Netzwerk aufgebaut hat. Überall wehen hier die gelben Fahnen mit der grünen Kalaschnikow, die den "nationalen Widerstand" gegen den Staat Israel hochhalten. Auch in Parlament und Regierung ist die Hisbollah mit 14 Abgeordneten und zwei Ministern im Kabinett von Premierminister Fouad Siniora vertreten.

Die Kaderorganisation hat in den vergangenen Jahren auch regional an Bedeutung gewonnen: als Stellvertreterarmee Irans und als Vorbild für islamistische Terroristen im Irak, in den palästinensischen Gebieten und bei der Hamas. Nasrallahs Verknüpfung des libanesisch-israelischen Konflikts mit den anhaltenden Auseinandersetzungen im Gazastreifen liegt deshalb auf der Hand. Diplomaten in Beirut sprechen davon, dass bei einem Treffen Nasrallahs mit Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad und Hamas-Chef Khaled Meschal im Januar in Damaskus die Rückkehr zur Politik der Geiselnahmen beschlossen wurde.

Gefangenenaustausch

Der Hisbollah-Chef im Libanon, Sajjed Hassan Nasrallah, hat angekündigt, die beiden entführten israelischen Soldaten freizulassen, wenn Israel sich zu einem Gefangenenaustausch bereit erklärt. Israel lehnt diesen Vorschlag bisher ab.

Anfang 2004 hatten sich die schiitische Hisbollah und die israelische Regierung schon einmal auf einen Gefangenenaustausch geeinigt. Dabei trat der Bundesnachrichtendienst als Vermittler auf. Für einen von der Hisbollah entführten Unternehmer und die Leichen dreier Soldaten entließ Israel 436 arabische Gefangene.

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