Lexikon
Fische: Lautäußerungen
Fische sind nicht stumm
Schon der griechische Philosoph Aristoteles (384–322 v. Chr.) beschreibt in seiner Historia Animalium Fische, die Lautäußerungen von sich geben, und mittlerweile sind mehr als 100 Arten bekannt, die den alten Spruch stumm wie ein Fisch widerlegen.
Die Erzeugung der Laute erfolgt bei den einzelnen Arten auf ganz unterschiedliche Weise. Sehr verbreitet sind spezielle Trommelmuskeln, die der Schwimmblase anliegen. Werden sie in rascher Folge angespannt, versetzen sie die Schwimmblase in Schwingungen. So entstehen die brummenden, bellenden oder hupenden Töne der Knurrhähne (Triglidae), Umberfische (Sciaenidae) und Piranhas (Serrasalminae). Auch durch komplizierte Stridulationsorgane (Welsarten) oder einfaches Zähneknirschen (bestimmte Buntbarsche) lassen sich Laute erzeugen. Die Schallwahrnehmung findet bei den Fischen mit bestimmten Strukturen des Labyrinths statt, einem Organ, das primär der Lageorientierung dient. Dieses Sinnesorgan ist aber so gebaut, dass es grundsätzlich auch zur Wahrnehmung des Schalls befähigt, ja sogar geeignet ist, die Richtung zu ermitteln, aus der der Schall das Tier erreicht.
Wenn Fische Töne erzeugen und hören können, muss es aus der Sicht der Evolutionsforscher dafür einen Grund geben, und tatsächlich fanden sie heraus, dass die Lautgebung im Sozialverhalten, speziell aber während der Balz und bei aggressiven Auseinandersetzungen eine wichtige Rolle spielt. Die Lautgebung wird hier als zusätzliche Möglichkeit des Drohens, Imponierens und Einschätzens des Gegners gedeutet. Play-Back Versuche - den Tieren wurden die arteigenen oder die Laute fremder Fischarten vorgespielt - zeigten, wie vielfältig die biologischen Bedeutungen der Laute sind: Sie dienen zur Nahkommunikation und zur Untermauerung optischer und taktiler (Berührungs-)Reize, werden bei Scheinkämpfen eingesetzt, stimulieren die Reifung der Keimdrüsen und die Brutaktivität der Weibchen, Männchen zeigen mit ihnen ihr Territorium an oder setzen sie zum Anlocken fortpflanzungsbereiter Weibchen ein.
Bei den Zweifarbenriffbarschen treffen die Weibchen sogar eine akustische Partnerwahl: Sie nähern sich, ähnlich zahlreichen Froschweibchen, bevorzugt niederfrequenten Schallquellen und damit größeren Männchen, die – in der Interpretation der Evolutionsbiologie – einen größeren Fortpflanzungserfolg versprechen.
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